Zivilisatorisches
Ein Fisch schrieb jüngst in seinem Blatt:
"Ich bin des trocknen Tons nun satt.
Ich will (als einer nur von vielen)
zwei Hände, um Klavier zu spielen.
5Tief in der Südsee lebt mit Brillen
ein Molch, der tut uns wohl den Willen.
Er teile das Rezept uns mit.
Bad Westerland, Sylt. E. P. Schmidt.."
Das Blatt verließ die Druckerei.
10Der Hering las es wie der Hai.
Fast jeder bis hinauf zum Wal
empfand den Einfall als Skandal,
ja, mehr als das, in seltner Einheit,
als dekadentische Gemeinheit.
15(Alleinzig der Polyp sah jetzt,
wozu er in die Welt gesetzt.
Und schwamm herum, von Sinnen schier
nach einem scheiternden Klavier.)
Der Molch indes mit spitzen Ohren
20hat seine Kundschaft nicht verloren:
Er sandte Schmidten die Broschüre
"Fischhände (später Manicüre)
nur durch Gymnastik in drei Jahren".
Da war nun alles zu erfahren.
25Man sieht, wie da in Westerland
zum Menschen noch der Fisch entbrannt:
die Wunder der Natur, der wilden,
kulturgemäß hinaufzubilden.
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Zivilisatorisches |
| Textanfang | Ein Fisch schrieb jüngst in seinem Blatt |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 232-233 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 761 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | Der SA-Kommentar macht keine Angaben zur Datierung. CMO schließt deswegen formell, dass das Gedicht nicht nach CMs Tod entstanden sein kann. |
| Druck | Der Gingganz (1919), S. 21 f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0127 |