So hängen wir oT
So hängen wir, so hängen wir, so hängen wir alle Tage
an dem gottverfluchten Galgengerüst.
Der Wind ist unser Nachtquartier
und senkrecht unsre Lage
5an dem gottverfluchten Galgengerüst.
Und stößt der ein' den andern an,
so gibt es einen Schrei.
Da fällt er in den Dreck,
erlöst und frei.
10So hängen wir, so hängen wir, so hängen wir alle Tage
als ein delikates Dejeuner.
Es naht der Wolf, der Fisch vom Golf,
Schakal, der Nekrophage
und der Elefant vom Müggelsee.
15Der Wolf die Wad', der Fisch den Fuß,
der Schakal das Geschling',
der Elefant von einer Hand
den Zeigefing'.
So hängen wir, so hängen wir, so hängen wir alle Tage
20bis sie alle satt sind und Mahlzeit gesagt,
des Fleisches los, das lästig bloß,
das uns nur eine Plage.
Und nur Gerippe sieht Sophie, die Henkersmagd.
Ihr Blick wird steil, sie spannt den Strick,
25sie fegt die Stätte rein.
Sie sagt abscheul, oh ganz abreul!
Und geht feldein.
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | – |
| Textanfang | So hängen wir |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 153 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 707 |
| Überlieferung | Es existieren drei Handschriften. Zwei davon sind sog. Hufeisengedichte. Die dritte Abschrift wurde durch CM selbst vorgenommen und diente in der SA als Druckvorlage |
| Datierung | Der SA-Kommentar schreibt, dass das Gedicht während der Versammlungen des Galgenbundes, also zw. Anfang Juli 1895 und Ende Juni 1896, entstanden ist. |
| Druck | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 153 |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0001 |