Naturspiel
(Eine Unterlage für Programm-Musik)
Ein Hund,
mit braunen Flecken
auf weißem Grund,
jagt ein Huhn,
5mit weißen Flecken
auf braunem Grund,
nicht unergötzlich
in einem Torgang
von links nach rechts,
10von rechts nach links,
herüber,
hinüber.
Plötzlich
(Gott behüte uns
15vor einem ähnlichen Vorgang!)
springen
wohl im Ringen
und Reiz
der Gefechts-
20leiden-
schaft,
wie im Takt -
(oh, wie kann
man
25es
nur
heraus-
bringen!)...
als wie kraft
30eines gegen-
seitigen
Winks
der beiden
Eigen-
35tümer -
die Flecken des Huhns
los und locker
aus ihrer Fassung
auf den Hund über
40und die Flecken des Hunds
ihrerseits
auf das Huhn.
Und nun -:
(Welch ein Akt
45ungestümer
reziproker
Anpassung,
mit keinem anderweitigen
Tableau
50noch Prozeß
im weiten Haus,
Kreis,
Rund
und Reigen
55der Natur
zu belegen!)
ist der Hund -
weiß
und das Huhn - braun
60anzuschaun!!
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Naturspiel |
| Textanfang | Ein Hund |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 206-207 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 742 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | Der SA-Kommentar schreibt: Am 31. Januar 1907 schickt CM das Gedicht (mit dem Galgenlied Die Probe) an die Zeitschrift "März". Es könnte im Herbst oder Dezember 1906 entstanden sein. |
| Druck | Palma Kunkel (1916), S. 51 ff. |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0082 |