Lebens-Lauf
Ein Mann verfolgte einen andern
(aus Deutz). (Er selber war aus Flandern.)
Der Deutzer, just kein großer Held,
gibt unverzüglich Fersengeld.
5Der Flame sagt sich: Ei, nun gut!
und sammelt es in seinen Hut.
Und sammelt bis zur finstern Nacht,
und morgens, als der Hahn erwacht,
und jener weiter flieht, voll Reue,
10da füllt er seinen Hut aufs neue.
Durch ganz Europa geht es so.
Sie sind bereits am Flusse Po.
Sie sind in Algier ungefähr,
da ist der eine Millionär.
15Wie - Millionär? Oh Allahs Güte!
Sein Schatz mißt hunderttausend Hüte.
Nein: Legionär - dies ist das Wort!
Und jener sagt's ihm auch sofort.
Und beide teilen sich das Geld
20und kaufen sich dafür die Welt.
- - - - - - -
Tief in Marokko steht ein Kreuz,
da ruhn die aus Brabant und Deutz,
die beiden fremden Legionäre.
O Mensch, "das Geld ist nur Chimäre".
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Lebens-Lauf |
| Textanfang | Ein Mann verfolgte einen andern |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 234 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 761 |
| Überlieferung | T 1909-I, Bl. 12 und
T 1909-I, Bl. 21. Der Text wurde in zwei Etappen in das Tagebuch eingetragen, zunächst auf Bl. 12 die ersten sieben Strophen bis zum Wort Millionär, dann, wahrscheinlich etwas später, die folgenden Strophen auf Bl. 21. |
| Datierung | Der SA-Kommentar schreibt: Das Gedicht ist vermutlich im Januar 1909 entstanden. |
| Druck | Der Gingganz (1919), S. 24 f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0129 |