Der Glaube
Eines Tags bei Kohlhasficht
sah man etwas Wunderbares.
Doch daß zweifellos und wahr es,
dafür bürgt das Augenlicht.
5Nämlich standen dort zwei Hügel,
höchst solid und wohl bestellt;
einen schmückten Windmühlflügel
und den andern ein Kornfeld.
Plötzlich, eines Tags um viere
10wechselten die Plätze sie;
furchtbar brüllten die Dorfstiere,
und der Mensch fiel auf das Knie.
Doch der Bauer Anton Metzer,
weit berühmt als frommer Mann,
15sprach: "Ich war der Landumsetzer,
zeigt mich nur dem Landrat an.
Niemand anders als mein Glaube
hat die Berge hier versetzt.
Daß sich keiner was erlaube:
20Denn ich fühle stark mich jetzt."
Aller Auge stand gigantisch
offen, als er dies erzählt.
Doch das Land war protestantisch,
und in Dalldorf starb ein Held.
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Der Glaube |
| Textanfang | Eines Tags bei Kohlhasficht |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 235 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 761-762 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | Der SA-Kommentar macht keine Angaben zur Datierung. CMO schließt deswegen formell, dass das Gedicht nicht nach CMs Tod entstanden sein kann. |
| Druck | Palma Kunkel (1916), S. 67 f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0130 |