Kinderliebe
Aus CMO
Nach Klostersitte floß dein wollen Kleid
in grauer Strenge faltenlos zum Fuß,
doch drüber hin, gelöst und quellend reich,
des sanftesten Marienkopfs Gelock.
5 Braunaugen, wie von stiller Gluten Wehn
erschimmernd, sich verschleiernd- strahlt ihr noch?...
Ich war wohl acht, du dreizehn Jahre alt.
Was war’s, das unsre Lippen jäh verband -
ach eine selige Sekunde nur -
10 wie erster unaussprechlich süßer Durst
von Mann zu Weib - in weltvergeßnem Kuß -
dem schönsten Kusse, den ich je geküßt..?..
Wo weilst du, Liebe, - nun wohl Mutter längst,
doch ewig junge Beatrice mir -?
15 Gemahnt auch dich noch Hauch versunkner Zeit -
und gabst auch Du dein Herz nie süßer hin?
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Ich und die Welt |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Kinderliebe |
| Textanfang | Nach Klostersitte floß dein wollen Kleid |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 257 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 863 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | – |
| Erstdruck | Ich und die Welt (1898) S. 88 |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-05-0071 |