Nächtliche Bahnfahrt im Winter: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 29. April 2026, 05:30 Uhr
Wenn du so auf müder Nachtfahrt
durch die dunklen Lande eilest,
wird dir manches Graun und Rätsel,
das du sonst zum Klaren teilest.
5 Kannst das Dunkel nicht zerspähen,
wirst ohn Ende fortgerissen -:
Hier ein Licht und dort ein Schatten
aus durchdröhnten Finsternissen.
Und du denkst, wie durch die weißen
10 Wälder frierend Rehe ziehen.
bis sie vor den Dörfern stehen
mit von Frost zerschundnen Knien.
Und du siehst die vielen Menschen
langgestreckt im Schlafe liegen,
15 und du siehst die große Erde
alles durch den Weltraum wiegen.
Du erschrickst -: Von lauter Stimme
hörst du einen Namen rufen - -
Ja, das ist das alte Städtchen
20 deiner ersten Werdestufen.
Und du denkst der lieben Gassen,
und du siehst dich selbst als Knaben...
Und schon liegt das Städtchen wieder
fern in Schlaf und Nacht begraben.
25 Und ein Schaudern und ein Wundern
läßt dein festes Herz erbeben,
und dich graut vor deiner Menschheit
unenträtselbarem Leben.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Ich und die Welt |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Nächtliche Bahnfahrt im Winter |
| Textanfang | Wenn du so auf müder Nachtfahrt |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 289, 290 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 875 |
| Überlieferung | T 1897-98, Bl. 84f. |
| Datierung | Dezember 1897 |
| Erstdruck | Die Gesellschaft 14 (1898) Bd. 1, S. 176f. Ich und die Welt (1898) S. 147. |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-05-0130 |