Vor Strindbergs Inferno
Er,
der Menschheit Gedankenlöwe,
aller Hirn- und Herzungeheuer Herr,
brüllt über seine Wüste hin,
5 über die Wüste der Schrecken und Qualen,
nach seinen Opfern,
den glut- und sandwindgepeitschten Pilgern.
Und Tausende brechen
heulend und haareraufend
10 in ihre Knie,
werfen sich langhin
vor seinem furchtbaren Brüllen -
"Ja! wozu - wozu dich fliehen -
unsre Füße versagen -
15 unsre Sinne sind siech...
Dir Schrecklichem,
dir Übermächtigem,
oh! sich zu opfern!
Deine Stimme zerreißt uns
20 die Eingeweide -
Herr Herr unser Gott,
da nimm unser Herz,
da trink unser Blut!
Oh Rausch der Erschlaffung,
25 sich von dir
langsam ausschlürfen zu lassen -
oh seliges Hinübersterben
aus der Wüste in dich....."
Er,
30 der Menschheit Gedankenlöwe,
aller Hirn- und Herzungeheuer höchstes
und unersättlichstes,
brüllt -
und die Wüste
35 erzittert in ihren Vesten,
heute
wie ehedem,
da sie ihn gebar.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Ich und die Welt |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Vor Strindbergs "Inferno" |
| Textanfang | Er, der Menschheit Gedankenlöwe |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 273, 274 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 870 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | Herbst 1897 |
| Erstdruck | Ich und die Welt (1898) S. 117f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-05-0098 |