Der Droschkengaul
"Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch philosophisch regsam;
der Freß-Sack hängt mir kaum ums Maul,
so werd ich überlegsam.
5Ich schwenk ihn her, ich schwenk ihn hin,
und bei dem trauten Schwenken
geht mir so manches durch den Sinn,
woran nur Weise denken.
Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
10doch sann ich oft voll Sorgen,
wie ich den Hafer brächt' ins Maul,
der tief im Grund verborgen.
Ich schwenkte hoch, ich schwenkte tief,
bis mir die Ohren klangen.
15Was dort in Nacht verschleiert schlief,
ich konnt' es nicht erlangen.
Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch mag ich Trost nicht missen
und sage mir: So steht es faul
20mit allem Erdenwissen;
es frißt im Weisheitsfuttersack
wohl jeglich Maul ein Weilchen,
doch nie erreicht's - oh Schabernack -
die letzten Bodenteilchen."
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Der Droschkengaul |
| Textanfang | Ich bin zwar nur ein Droschkengaul |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 196 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 736 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | Der SA-Kommentar macht keine Angaben zur Datierung. CMO schließt deswegen formell, dass das Gedicht nicht nach CMs Tod entstanden sein kann. |
| Druck | Der Gingganz (1919), S. 42 f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0066 |