V,17/Volltext

Aus CMO

V,17

Gestern sah ich den letzten Gott, der in Tibur gewohnt, wandern mit Hut und Stab. Und indem ich noch sinnend stand: wohin wandert er wohl? kam er auch langsam schon

auf mein kleines Sabinum zu. Sei Herberge gewährt, sprach er, die letzte Nacht einem scheidenden Menschenfreund. Lange hielt ich es aus; erst, wie du weißt, in Rom,

dann, als Rom mir zur Hölle ward, hier in Tibur; umsonst; denn dieses Tibur auch steht im 'Zeichen' nun 'des Verkehrs'. Und er hob seinen Stab: - Hörst du die Hupe dort?

Justament an mein Tempelchen hat dies rasende Volk, 'Halteplatz' hingemalt; und da tobt es nun Tag und Nacht, und kein Mensch und kein Gott kommt mehr zu Schlaf und Ruh.

Ganz verloren erschien sein Blick... Nach Germanien nun, schloß er, begeb ich mich. Dort haust, mein' ich, ein andrer Schlag, Dichter, Träumer, wie du, find sie dort allzumal.

Und so zog er beim Morgengraun wirklich fort in dies Land, wo, wie er sagte, die Menschen Dichter und Denker sind; und so zog er denn, traun! fort nach - Utopia.