Der alte Steinbruch

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Tief im Walde, tief im Walde
bildet, fern der Wege Reich,
eines Bruchs verlaßne Halde
einen kleinen, stillen Teich.

5 Moosbewachsne Blöcke ragen
aus der seichten Regenflut,
Falter und Libellen jagen
über bunter Lurche Brut.

Aber wenn im Abendbrande
10 hinterm Wald die Glut verraucht,
stößt und rudert es vom Rande,
kriecht und klettert, plumpst und taucht.

Und der Unken Urgroßahne
- niemand weiß, wann Gott ihn schuf
15 ruft, daß er sein Weibchen mahne,
seinen dunklen Werberuf.

Daß das Froschgeschlecht nicht sterbe,
bleibt zuletzt nicht einer still:
Denn der Tümpel ist ein Erbe,
20 das getreu gewahrt sein will.

Liebeskranke Grunzer fliehen
der bewegten Weibchen Schlund;
immer kühnre Harmonien
fülln den dämmertrauten Grund.

25 Bis des Mondes Goldhorn endlich
neuen Schimmers alles speist:
Nun erwahrt sich unabwendlich
trunkner Nächstenliebe Geist...

Tief im Walde, tief im Walde
30 schwärmt Froschbräutigam und Braut
in versteckter Steinbruchhalde,
bis der letzte Stern ergraut.


Lyrik | Auf vielen Wegen
Meinem Freunde Friedrich Kayssler

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Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | Auf vielen Wegen - Ich und die Welt - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Auf vielen Wegen
Zyklus Waldluft
Zyklusnummer
Titel Der alte Steinbruch
Textanfang Tief im Walde, tief im Walde
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 172, 173
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 831
Überlieferung
Datierung
Erstdruck Auf vielen Wegen (1897) S. 105f.
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-03-0057