Das Ende

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Jahrhunderttausende durchmißt mein Geist...
Verwandelt ist der Erde Angesicht,
der Menschheit letzte Horde tief vergreist.

Kaum bricht durch Wolken mehr das hebe Licht.
5 "Wie alt sind wohl die Menschen?" fragt ein Kind
den Vater. Und ich höre, wie der spricht:

"So alt, mein Liebling, als die Sterne sind!"
"Was sind das, Sterne, Vater?" "Späh einmal,
wenn nachts im Nebel wühlt der wilde Wind.

10 Vielleicht erspähst du einen stillen Strahl:
Der kommt von Welten, die unendlich fern:
Uralte Sagen rühmen ihre Zahl."

"Doch Vater, sprich, wie alt ist solch ein Stern:
denn gleiches Alter gabst den Menschen du? "
15 "Das, kleiner Frager, wüßt ich selber gern!

Sieh, Kind, zähl tausend Jahren tausend zu
und abertausend, zähl solang du magst, -
dein Hirnchen käme nimmermehr zur Ruh!

20 Kein Mund weiß Antwort dem, wonach du fragst:
Denn keine Rechnung führt dahin zurück,
daran neugierig du zu rühren wagst...

Doch alter Märchen weiß ich manches Stück -
noch mehr die Mutter! Willst du? Geh hinein!
(Oh Kinderherz mit deinem kurzen Glück!)"

25 Kaum ward es Tag, schon bricht die Nacht herein...
Der Knabe läuft nach einem plumpen Bau...
Im Aug’ des Mannes glimmt ein stierer Schein...

Ein tiefes Graun verwehrt mir weitre Schau.

Lyrik | Auf vielen Wegen
Meinem Freunde Friedrich Kayssler

Träume: Hirt Ahasver | Die Irrlichter | Mensch und Möwe | Der Schuß | Der gläserne Sarg | Der Stern | Der Besuch | Das Bild | Malererbe | Das Äpfelchen | Rosen im Zimmer | Kinderglaube
Vom Tagwerk des Todes: Der Säemann | Vöglein Schwermut | Der Tod und das Kind | Der Tod und der Müde | Der Tod und der einsame Trinker | Der fremde Bauer | Der Tod in der Granate | Im Nebel | Am Ziel | Die Gedächtnistafel | Am Moor | Im Fieber
Eine Großstadt-Wanderung: Eine lange Gasse war mein Nachtweg oT | Und ich sah, erstarrt oT | Und ich ging die lange Gasse oT | Und mich zog die lange Gasse oT | Und ich floh die trübe Gasse oT | Und ich wanderte mechanisch oT | Und ich setzte meine Schritte oT
Vier Elementarphantasien: Meeresbrandung | Erdriese | Der Sturm | Die Flamme
Gedichte vermischten Inhalts: Kleine Geschichte | Das Häuschen an der Bahn | Amor der Zweite | Der zeitunglesende Faun | Goldfuchs, Schürz’ und Flasche | Die Brücke | Der Tag und die Nacht | Der Schlaf | Pflügerin Sorge | Legende | Die apokalyptischen Reiter | Parabel | Das Ende | Der Born | Der Urton | Der einsame Turm
Waldluft: Aufforderung | Krähen bei Sonnenaufgang | Das Häslein | Mittag-Stille | Der alte Steinbruch | Beim Mausbarbier | Elbenreigen | "Ur-Ur" | Geier Nord
Zwischenstück: Fusch-Leberbrünnl | Vor einem Gebirgsbach | Dunkel von schweigenden Bergen oT | Hinaus in Nebel und Regen oT | Spät von Goethe und andrem Wein oT | Morgen | Und doch! | Schwerer Nebel dunkle Lasten oT | Vor zurückgeschickten Versen | Schlechte Wittrung trägt sich gut oT | Möcht’ es wohl hier oben wagen oT | Abendliche Wolkenbildung | Wer doch den trüben Wahn oT | Abendbeleuchtung | "Dichter"? | Briefe | Vor einem Wasserfall | "Leberbrünnl"-Schlucht | Freundin Phanta hat unzweiflich oT | Natur spricht | Ich antworte | Nebel ums Haus | Zum Abschied, an F.-L.
Anmutiger Vertrag | Die beiden Nonnen | Am See | Auf dem Strome | Frage | Sehnsucht | Friede | Bestimmung
Neue Gedichte der 2. Auflage (1911): Bergziegen | Mattenrast | Nebel im Gebirge | Sommernacht im Hochwald | Der vergessene Donner
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | Auf vielen Wegen - Ich und die Welt - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Auf vielen Wegen
Zyklus Gedichte vermischten Inhalts
Zyklusnummer
Titel Das Ende
Textanfang Jahrhunderttausende durchmißt mein Geist
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 163, 164
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 828
Überlieferung
Datierung
Erstdruck Auf vielen Wegen (1897) S. 89f
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-03-0049