Der vergessene Donner

Aus CMO

Version vom 10. Februar 2026, 18:45 Uhr von UweS (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „<poem> Ein Gewitter, im Vergehn, ließ einst einen Donner stehn. Schwarz in einer Felsenscharte stand der Donner da und harrte - {{Zeile|5}} scharrte dumpf mit Hals und Hufe, daß man ihn nach Hause rufe. Doch das dunkle Donnerfohlen - niemand kam’s nach Haus zu holen. Sein Gewölk, im Arm des Windes, {{Zeile|10}} dachte nimmer seines Kindes - flog dahin zum Erdensaum und verschwand dort wie ein Traum. Grollend und ins Herz getroffen, läßt der D…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Ein Gewitter, im Vergehn,
ließ einst einen Donner stehn.

Schwarz in einer Felsenscharte
stand der Donner da und harrte -

5 scharrte dumpf mit Hals und Hufe,
daß man ihn nach Hause rufe.

Doch das dunkle Donnerfohlen -
niemand kam’s nach Haus zu holen.

Sein Gewölk, im Arm des Windes,
10 dachte nimmer seines Kindes -

flog dahin zum Erdensaum
und verschwand dort wie ein Traum.

Grollend und ins Herz getroffen,
läßt der Donner Wunsch und Hoffen,

15 richtet sich im Felsgestein
wie ein Bergzentaure ein.

Als die nächste Frühe blaut,
ist sein pechschwarz Fell ergraut.

Traurig sieht er sich im See
20 fahl, wie alten Gletscherschnee.

Stumm verkriecht er sich, verhärmt;
nur wenn Menschheit kommt und lärmt,

äfft er schaurig ihren Schall,
bringt Geröll und Schutt zu Fall...

25 Mancher Hirt und mancher Hund
schläft zu Füßen ihm im Schrund.


Lyrik | Auf vielen Wegen
Meinem Freunde Friedrich Kayssler

Träume: Hirt Ahasver | Die Irrlichter | Mensch und Möwe | Der Schuß | Der gläserne Sarg | Der Stern | Der Besuch | Das Bild | Malererbe | Das Äpfelchen | Rosen im Zimmer | Kinderglaube
Vom Tagwerk des Todes: Der Säemann | Vöglein Schwermut | Der Tod und das Kind | Der Tod und der Müde | Der Tod und der einsame Trinker | Der fremde Bauer | Der Tod in der Granate | Im Nebel | Am Ziel | Die Gedächtnistafel | Am Moor | Im Fieber
Eine Großstadt-Wanderung: Eine lange Gasse war mein Nachtweg oT | Und ich sah, erstarrt oT | Und ich ging die lange Gasse oT | Und mich zog die lange Gasse oT | Und ich floh die trübe Gasse oT | Und ich wanderte mechanisch oT | Und ich setzte meine Schritte oT
Vier Elementarphantasien: Meeresbrandung | Erdriese | Der Sturm | Die Flamme
Gedichte vermischten Inhalts: Kleine Geschichte | Das Häuschen an der Bahn | Amor der Zweite | Der zeitunglesende Faun | Goldfuchs, Schürz’ und Flasche | Die Brücke | Der Tag und die Nacht | Der Schlaf | Pflügerin Sorge | Legende | Die apokalyptischen Reiter | Parabel | Das Ende | Der Born | Der Urton | Der einsame Turm
Waldluft: Aufforderung | Krähen bei Sonnenaufgang | Das Häslein | Mittag-Stille | Der alte Steinbruch | Beim Mausbarbier | Elbenreigen | "Ur-Ur" | Geier Nord
Zwischenstück: Fusch-Leberbrünnl | Vor einem Gebirgsbach | Dunkel von schweigenden Bergen oT | Hinaus in Nebel und Regen oT | Spät von Goethe und andrem Wein oT | Morgen | Und doch! | Schwerer Nebel dunkle Lasten oT | Vor zurückgeschickten Versen | Schlechte Wittrung trägt sich gut oT | Möcht’ es wohl hier oben wagen oT | Abendliche Wolkenbildung | Wer doch den trüben Wahn oT | Abendbeleuchtung | "Dichter"? | Briefe | Vor einem Wasserfall | "Leberbrünnl"-Schlucht | Freundin Phanta hat unzweiflich oT | Natur spricht | Ich antworte | Nebel ums Haus | Zum Abschied, an F.-L.
Anmutiger Vertrag | Die beiden Nonnen | Am See | Auf dem Strome | Frage | Sehnsucht | Friede | Bestimmung
Neue Gedichte der 2. Auflage (1911): Bergziegen | Mattenrast | Nebel im Gebirge | Sommernacht im Hochwald | Der vergessene Donner
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | Auf vielen Wegen - Ich und die Welt - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Auf vielen Wegen
Zyklus Neue Gedichte der 2. Auflage (1911)
Zyklusnummer
Titel Der vergessene Donner
Textanfang Ein Gewitter, im Vergehn
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 192
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 838, 839
Überlieferung T 1908-II, Bl. 18
Datierung 8. September 1908
Erstdruck Die Schaubühne 5 (1909) Bd. I, S. 501. Auf vielen Wegen (1911) S. 61
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-03-0097