Der gläserne Sarg: Unterschied zwischen den Versionen
UweS (Diskussion | Beiträge) Die Seite wurde neu angelegt: „<poem> Zwölf stumme Männer trugen mich in einem Sarge von Kristall hinunter an des Meeres Strand, bis an der Brandung Rand hinaus. 5 So hatte ich’s im Testament bestimmt: Man bette meinen Leib in einem Sarge von Kristall und trage ihn der Ebbe nach, bis sie den tiefsten Stand erreicht. 10 Der Sonne ungeheurer Gott stand bis zum Gürtel schon im Meer: An seinem Glanze tränkte sich wollüstig noch einmal die Welt. Ich selber lag in rotem Schein 15 wie…“ |
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bestimmt: Man bette meinen Leib | bestimmt: Man bette meinen Leib | ||
in einem Sarge von Kristall | in einem Sarge von Kristall | ||
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bis sie den tiefsten Stand erreicht. | bis sie den tiefsten Stand erreicht. | ||
10 Der Sonne ungeheurer Gott | {{Zeile|10}} Der Sonne ungeheurer Gott | ||
stand bis zum Gürtel schon im Meer: | stand bis zum Gürtel schon im Meer: | ||
An seinem Glanze tränkte sich | An seinem Glanze tränkte sich | ||
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Ich selber lag in rotem Schein | Ich selber lag in rotem Schein | ||
15 wie ein Gebilde aus Porphyr. | {{Zeile|15}} wie ein Gebilde aus Porphyr. | ||
Da streckte katzengleich die Flut | Da streckte katzengleich die Flut | ||
die erste Welle nach mir aus. | die erste Welle nach mir aus. | ||
Und ging zurück und schob sich vor | Und ging zurück und schob sich vor | ||
und tastete am Sarg hinauf | und tastete am Sarg hinauf | ||
20 und wandte flüsternd sich zur Flucht. | {{Zeile|20}} und wandte flüsternd sich zur Flucht. | ||
Und kam zurück und griff und stieß | Und kam zurück und griff und stieß | ||
und raunte lauter, warf sich kühn | und raunte lauter, warf sich kühn | ||
darüber, einmal, vielemal. | darüber, einmal, vielemal. | ||
Und blieb, und ihrer Macht gewiß, | Und blieb, und ihrer Macht gewiß, | ||
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Version vom 31. Januar 2026, 18:17 Uhr
Zwölf stumme Männer trugen mich
in einem Sarge von Kristall
hinunter an des Meeres Strand,
bis an der Brandung Rand hinaus.
5 So hatte ich’s im Testament
bestimmt: Man bette meinen Leib
in einem Sarge von Kristall
und trage ihn der Ebbe nach,
bis sie den tiefsten Stand erreicht.
10 Der Sonne ungeheurer Gott
stand bis zum Gürtel schon im Meer:
An seinem Glanze tränkte sich
wollüstig noch einmal die Welt.
Ich selber lag in rotem Schein
15 wie ein Gebilde aus Porphyr.
Da streckte katzengleich die Flut
die erste Welle nach mir aus.
Und ging zurück und schob sich vor
und tastete am Sarg hinauf
20 und wandte flüsternd sich zur Flucht.
Und kam zurück und griff und stieß
und raunte lauter, warf sich kühn
darüber, einmal, vielemal.
Und blieb, und ihrer Macht gewiß,
25 umlief frohlockend sie mein Haus
und pochte dran und schäumte auf,
als ihrer Faust es widerstand.
Und hoch und höher wuchs und wuchs
das Wasser um mein gläsern Schloß.
30 Nun wankte es, als hätt’ ein Arm
und noch ein Arm es rauh gepackt,
und scholl in allen Fugen, als
ein Wellenberg auf ihm sich brach
und es wie ein Lawinensturz
35 umdröhnte und verschüttete.
Und langsam wich der nasse Sand.
Und seitlich neigte sich der Sarg.
Und, unterwühlt und übertobt,
begann er um sich selber sich
40 schwerfällig in die See zu drehn.
Zu mächtig, daß die Brandung ihn
zum Strand zu schleppen hätt’ vermocht,
vergrub er rollend sich und mich
in totenstillen Meeresgrund.
45 So lag ich denn, wie ich gewollt.
Und dunkle Fische zogen still
zu meinen Häupten hin und her.
Und schwarzer Seetang überschwamm
mein Grab. Und mein Bewußtsein schwand.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Auf vielen Wegen |
| Zyklus | Träume |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Der gläserne Sarg |
| Textanfang | Zwölf stumme Männer trugen mich |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 122, 123 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 820 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | – |
| Erstdruck | "Das Magazin für Litteratur" 66 (1897) Sp. 435f. Auf vielen Wegen (1897) S. 15f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-03-0006 |