II,3/Volltext
II,3
"Kalt Blut und warmes Untergewand!" das ist ein alter Satz, ob minus oder plus du machst. Wozu die Überschwänglichkeiten? Holt doch auch, Freundchen, der Teufel dich einst,
ob du mit Schopenhauer die Welt verwünscht, ob jeden Sonntag du bei Kempinsky dir ein Austernmahl mit Sekt geleistet und eine schwere Export-Havanna!
Du bist gesund, bist Kapitalist, bist jung, du hast die schönste Villa am Strand der Spree, in deinen Park verliebt sich jeder - hörst du die Quellen nicht lieblich flüstern?
Und zieht's dich nicht zur marmornen Ruhbank dort, darauf der Ahorn schützende Schatten wirft? Ein kühles Weinchen dort zu trinken, denk ich mir, müßte ein Hochgenuß sein.
Doch freilich, spar dir jegliche Illusion betreffs der Dauer! - Scheiden mußt einst auch du, und zungenschnalzend wird dein Erbe deine vorzüglichen Marken schlürfen.
Das Sterben hast gemein du mit Hinz und Kunz -: Es ist das Gras das einzige Kraut, darein so reich wie arm gemeinsam beißen und sich den Magen daran vertun muß.
Auf alle harrt vergnüglichen Blicks Freund Hein und dreht sein knarrendes Glücksrad um und um, und jede Ziffer ist ein Treffer, ist eines Sterblichen arme Seele.
Aequam memento rebus in arduis servare mentem, non secus in bonis ab insolenti temperatam laetitia, moriture Delli,
seu maestus omni tempore vixeris, seu te in remoto gramine per dies festos reclinatum bearis interiore nota Falerni.
Quo pinus ingens albaque populus umbram hospitalem consociare amant ramis? Quid obliquo laborat lympha fugax trepidare rivo?
Huc vina et unguenta et nimium breves flores amoenae ferre jube rosae, dum res et aetas et sororum fila trium patiuntur atra.
Cedes coemptis saltibus et domo, villaque, flavus quam Tiberis lavit, cedes, et exstructis in altum divitiis potietur heres.
Divesne, prisco natus ab Inacho nil interest an pauper et infima de gente sub divo moreris; victima nil miserantis Orci.
Omnes eodem cogimur, omnium versatur urna serius ocius sors exitura et nos in aeternum exilium inpositura cumbae.