Buch der Epoden 2/Volltext

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Buch der Epoden 2

"Ein Gott, sag' ich, wenn man von allem business fern, wie so ein alter Cincinnat,

auf eigner Scholle hinterm eignen Pflug her geht und sich um keine Kurse schert -

man bangt nicht mehr bei jeder Morgenpost vor Krieg, Konflikten, Schiffbruch im Kanal;

Katzbuckeln, Männchenmachen, alles hat ein End', und Lust ist dir die Börse, Lust!

Heut zieht man wilden Wein am Hausspalier hinaus, wirft morgen sich auf Rosenzucht,

und übermorgen heißt's: "Johann, die Braunen vor! Ich will mal nach den Herden sehn!"

Die schönen Durhams, ihr idyllisches Geläut erfreuen unser hohes Herz,

und mit dem wackren Hüter unsrer Rambouillets besprechen wir die nächste Schur.

Doch kommt erst Vater Herbst, wie reich wird dann die Müh, die man als Imker hat, belohnt!

Davon zu schweigen, daß man selber Wein abnimmt und Äpfel, Birnen schütteln läßt.

Der Teufel! Solch ein Leben lobt' ich mir! Ich glaub', ich würde fromm vor soviel Glück.

Befiehlst du Schatten, stehen alte Eichen da, und Rasen lädt dich mollig ein;

in hoher Böschung fließt ein kühler Bach vorbei, und Vögel singen im Gebüsch.

Das murmelt, flüstert, rauscht, das summt und tiriliert, die Augen fall'n dir langsam zu.

Im Winter aber, wenn der Sturm romantisch heult, und meterhoch der Schnee sich türmt,

fährt man im Schlitten, setzt auf Sau'n ein Treiben an und brennt den Hasen eins aufs Fell.

Und ist der Dohnenstrich mit Sorgfalt angelegt, und alles nicht vom Fuchs geholt,

(der's doch im Tellereisen schließlich büßen muß,) gibt's Krammetsvögel auf den Tisch.

Wer, der so wohlgeregelt lebt, vergäß' nicht ganz der zweifelhaften choses d'amour?

Nun gar, wenn einer gut gerat'ne Kinder und ein süßes treues Weibchen hat,

(so eine hübsche Sächsin oder Münchnerin mit flinker Hand und hellem Aug),

die ihm das Heim so recht behaglich macht, daß er es immer wieder gern betritt,

die auch im Wirtschaftlichen eine Stütze ihm, was Milch und Butter anbelangt,

die Wein und Obst im Keller gut zu halten weiß, kurz, eine gute Hausfrau ist.

Was Natives, Helgoländer Hummern, Kaviar- selbst wenn die Sendung goldfrisch ist!

Auf meinen Tisch kommt nur, was mein Dominium mir aus Stall und Beet und Waldung gibt.

Die raffiniertste Gourmandise wandert nicht so leicht und gern in meinen Schlund,

als eine schöne gelbe Gurke, die der Leib zuweilen sehr zu schätzen weiß,

als Rinder, Schweine, Schafe, Gänse eigner Zucht, als mal ein selbst geschossner Bock.

Wie schön, wenn man an einem Juliabend dann auf seiner Gutsterrasse sitzt,

und von den Weiden kommt das satte Vieh heim und die Erntewagen schwanken ein.

Die Leute essen, stopfen sich die Pfeifen neu, und Feierabend spinnt sich an..."

So schwärmte jüngst der dicke Bankier Abraham, mit einem Bein Agrarier schon,

und trieb sein Geld ein - um's am nächsten Ultimo mit Aufschlag wieder auszuleihn.

"Beatus ille qui procul negotiis, Ut prisca gens mortalium,

Paterna rura bobus exercet suis Solutus omni faenore

Neque excitatur classico miles truci Neque horret iratum mare

Forumque vitat et superba civium Potentiorum limina.

Ergo aut adulta vitium propagine Altas maritat populos

Aut in reducta valle mugientium Prospectat errantis greges,

Inutilisque falce ramos amputans Feliciores inserit,

Aut pressa puris mella condit amphoris Aut tondet infirmas ovis;

Vel cum decorum mitibus pomis caput Autumnus agris extulit,

Ut gaudet insitiva decerpens pira Certantem et uvam purpurae,

Qua muneretur te, Priape, et te, pater Silvane, tutor finium.

Libet iacere modo sub antiqua ilice, Modo in tenaci gramine:

Labuntur altis interim ripis aquae, Queruntur in silvis aves

Frondesque lymphis obstrepunt manantibus, Somnos quod invitet levis.

At cum tonantis annus hibernus Iovis Imbris nivisque conparat,

Aut trudit acris hinc et hinc multa cane Apros in obstantis plagas

Aut amite levi rara tendit retia, Turdis edacibus dolos,

Pavidumque leporem et advenam laqueo gruem Iucunda captat praemia.

Quis non malarum, quas amor curas habet, Haec inter obliviscitur?

Quodsi pudica mulier in partem iuvet Domum atque dulcis liberos,

Sabina qualis aut perusta solibus Pernicis uxor Apuli,

Sacrum vetustis exstruat lignis focum Lassi sub adventum viri,

Claudensque textis cratibus laetum pecus Distenta siccet ubera

Et horna dulci vina promens dolio Dapes inemptas adparet:

Non me Lucrina iuverint conchylia Magisve rhombus aut scari,

Siquos Eois intonata fluctibus Hiems ad hoc vertat mare,

Non Afra avis descendat in ventrum meum, Non attagen Ionicus

Iucundior quam lecta de pinguissimis Oliva ramis arborum

Aut herba lapathi prata amantis et gravi Malvae salubres corpori

Vel agna festis caesa Terminalibus Vel haedus ereptus lupo.

Has inter epulas ut iuvat pastas ovis Videre properantis domum,

Videre fessos vomerem inversum boves Collo trahentis languido