Biografische Literatur zu Christian Morgenstern - ein Forschungsüberblick

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Die biografische Morgenstern-Literatur ist erstaunlich umfangreich, aber stark zweigeteilt: Sie zerfällt in einen anthroposophisch geprägten Hauptstrang (Bauer, Hiebel, Steffen, Selg) und eine literaturwissenschaftlich-kritische Linie (Gumtau, Kretschmer, Schimmang). Bezeichnend ist, dass die klassische Biografie Michael Bauers von 1933 bis heute kanonisch geblieben ist – ergänzt, aber nicht ersetzt. Erst Jochen Schimmangs Buch von 2008 gilt der überregionalen Fachpresse als nicht-konfessionelles, modernes Standardwerk. Hinzu treten zahlreiche Teilbiografien zu Beziehungen (Steiner, Margareta, Kayssler), Lebensorten (Berlin, Birkenwerder, Werder, Südtirol) und zur Tuberkulose. Die fremdsprachige Forschung wird durch Maurice Cureaus französische Sorbonne-Dissertation dominiert; englisch- und skandinavischsprachige Titel sind selten und meist übersetzervermittelt. Die folgende Liste deckt rund 80 Titel ab; rein werkimmanente Studien wurden ausgeschlossen.

Gesamtbiografien in Buchform

Michael Bauer: Christian Morgensterns Leben und Werk. Vollendet von Margareta Morgenstern und Rudolf Meyer, mit Beiträgen von Friedrich Kayssler u. a. Piper, München 1933 (395 S.); 3. neubearb. Aufl. 1942; Neuausgabe Urachhaus, Stuttgart 1985/2014, ISBN 978-3-8251-7893-2 (445 S.). Die klassische, immer noch unentbehrliche Primärbiografie eines engsten Freundes der letzten Jahre; anthroposophisch geprägt, mit reichem Quellenmaterial.

Martin Beheim-Schwarzbach: Christian Morgenstern in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1964 (rowohlts monographien Bd. 97); ISBN 978-3-499-50097-8; zahlreiche Auflagen. Populäre Kurzbiografie mit Zeittafel, Zeugnissen, Bibliografie, Namenregister.

Friedrich Hiebel: Christian Morgenstern. Wende und Aufbruch unseres Jahrhunderts. Francke, Bern 1957 (241 S.); Neuauflage Freies Geistesleben, Stuttgart 1987, ISBN 3-7725-0769-7; Fischer Tb 1985, ISBN 3-596-25551-1. Stark anthroposophisch deutende Lebens- und Werkdarstellung mit Schwerpunkt auf der Entwicklung Nietzsche → Mystik → Anthroposophie.

Helmut Gumtau: Christian Morgenstern. Colloquium, Berlin 1971 (= Köpfe des XX. Jahrhunderts, Bd. 66; ca. 95 S.). Erste kritisch-distanzierte Biografie, die mit der hagiografischen Tradition Bauer/Hiebels bricht.

Erich P. Hofacker: Christian Morgenstern. Twayne, Boston 1978 (= Twayne's World Authors Series, Bd. 508). Englischsprachige biografisch-werkgeschichtliche Gesamtdarstellung.

Bernd-Udo Kusch: Christian Morgenstern. Leben und Werk. Sein Weg zur Anthroposophie. Novalis, Schaffhausen 1982, ISBN 3-7214-0116-6 (72 S.). Knappe biografische Skizze mit Schwerpunkt auf der spirituellen Entwicklung.

Ernst Kretschmer: Christian Morgenstern. Metzler, Stuttgart 1985 (= Sammlung Metzler Bd. 221), ISBN 3-476-10221-1 (VI, 150 S.); eBook-Ausgabe 2017, ISBN 978-3-476-03925-5. Standard-Handbuch der akademischen Germanistik mit Forschungsbericht.

Ernst Kretschmer: Christian Morgenstern. Ein Wanderleben in Text und Bild. Quadriga, Weinheim/Berlin 1989, ISBN 3-88679-180-7 (224 S.). Reich bebilderte Bildbiografie, organisiert nach den Reisestationen.

Jochen Schimmang: Christian Morgenstern. Eine Biografie. Residenz, St. Pölten 2008 (271 S.), ISBN 978-3-7017-3263-0; Tb 2013, ISBN 978-3-7017-4368-1. Aktuelle, dezidiert nicht-anthroposophische Biografie, von FAZ und SZ als neues Standardwerk gerühmt; arbeitet die subversive, moderne Seite Morgensterns heraus.

Heiko Postma: »… um des Reimes willen«. Über den Poeten Christian Morgenstern (1871–1914). JMB, Hannover 2015 (= Von Büchern und Menschen, Bd. 23), ISBN 978-3-944342-61-0 (ca. 60 S.). Knappes populäres biografisches Porträt mit Akzent auf den Sanatoriumsaufenthalten.

Teilaspekt-Biografien

Zur Beziehung Morgenstern–Rudolf Steiner / Anthroposophie liegt mit Peter Selgs Christian Morgenstern. Sein Weg mit Rudolf Steiner (Freies Geistesleben/Urachhaus, Stuttgart 2008; 2. Aufl. 2013; ISBN 978-3-7725-1914-7; 392 S., 73 Abb.) die wichtigste neuere Spezialstudie vor. Sie wird ergänzt durch Hella Wiesbergers Quellenedition Christian Morgensterns Lebensbegegnung mit Rudolf Steiner (Dornach 1971, = Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe, H. 33), Albert Steffens Vom Geistesweg Christian Morgensterns (Verlag für Schöne Wissenschaften, Dornach 1971), Rudolf Steiners postume Sammlung Christian Morgenstern. Der Sieg des Lebens über den Tod (Dornach 1935) sowie die Aktenedition Emanuela Ferragamo: Morgensterniana im Rudolf Steiner Archiv, in: Archivmagazin H. 3 (2014), S. 15–165.

Zur Berliner Phase ist Rudolf Meyers Christian Morgenstern in Berlin (Urachhaus, Stuttgart 1959, = Berlin und der lebendige Geist, Bd. 1; ISBN 3-87838-090-9) die Standardstudie; ergänzt durch Manfred Kannenberg-Rentschler: Christian Morgensterns Weg der Verwandlung des Politischen (Immanente, Berlin 2014). Den Sanatoriumsaufenthalt 1905/06 erschließt Roland Lampe: Der Wald verwandelt sich in Traum. Christian Morgenstern in Birkenwerder (Findling, Werneuchen 2021, ISBN 978-3-933603-69-2; 96 S.).

Zur Ehefrau Margareta Gosebruch von Liechtenstern ist Johannes Lenz: Margareta Morgenstern. Die Lebensgefährtin. Eine biografische Skizze (Urachhaus, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-8251-7894-9; 128 S.) die erste eigenständige Würdigung. Reinhard Pipers Erinnerungen an meine Zusammenarbeit mit Christian Morgenstern (Piper, München 1978; weitere Materialien in Vormittag, Piper 1947) dokumentieren die Verleger-Beziehung. Zum lokalen Werder-Kontext: Jürgen Raßbach: Christian Morgensterns Galgenberg. Die Rückkehr des Dichters nach Werder. Treibgut, Berlin 2021 (= Veröffentlichungen der Christian-Morgenstern-Gesellschaft, Bd. 2).

Dissertationen und größere wissenschaftliche Studien

Autor Titel Universität / Verlag Jahr
Paula Dieterich Weltanschauungsentwickelung in der Lyrik Christian Morgensterns Diss. Köln 1926
Franz Geraths Christian Morgenstern. Sein Leben und sein Werk Diss. München 1926
Albert Mack Christian Morgensterns Welt und Werk Diss. Zürich 1930
Herbert Giffei Christian Morgenstern als Mystiker Paul Haupt, Bern 1931
Rudolf Lissau Christian Morgensterns Form- und Sprachkunst Diss. Wien 1931
Bernhard F. Martin Christian Morgensterns Dichtungen nach ihren mystischen Elementen Diss. (Repr. Olms, Hildesheim 1978) 1931
Hans Böhme Tuberkulöse Dichter der S1-Struktur Diss. Marburg (pathobiografisch) 1932
Maria Achatzi Christian Morgenstern in seiner Dichtung, Philosophie und humoristisch-phantastischen Gedankenlyrik Diss. Prag 1932
Günther Klemm Christian Morgensterns Dichtungen vom „Ich und Du" L. Röhrscheid, Bonn 1933
Charlotte Fredrich Christian Morgensterns Weg ins Kosmische Diss. Wien 1934
Otto Glatz Weltanschauung und Dichtung Christian Morgensterns Diss. Wien 1936
Paul Geiger Mystik und Reinkarnation bei Christian Morgenstern Diss. Heidelberg 1941
Roland M. Mazur The late lyric poetry of Christian Morgenstern Diss. Univ. of Michigan 1975
Maurice Cureau Christian Morgenstern humoriste. La création poétique dans »In Phanta's Schloß« et les »Galgenlieder« Diss. Paris IV-Sorbonne; Peter Lang, Bern 1986 (= Europäische Hochschulschriften I/949), 2 Bde., XIII + 862 S., ISBN 3-261-03577-3 1985/86
Christos Platritis Christian Morgenstern. Dichtung und Weltanschauung Peter Lang, Frankfurt a. M. (= Bochumer Schriften zur dt. Lit. 35) 1992


Cureaus zweibändige Sorbonne-Arbeit ist die umfangreichste fremdsprachige Morgenstern-Studie und rekonstruiert über die unveröffentlichten Notizbücher den geistigen Weg „vom Skeptizismus über die Mystik zur Anthroposophie".

Wissenschaftliche Aufsätze mit biografischem Schwerpunkt

Lexikonartikel und Gesamtüberblicke: Reinhardt Habels NDB-Artikel „Morgenstern, Christian", in: Neue Deutsche Biographie Bd. 18 (1997), S. 104–108, ist der maßgebliche biografische Lexikoneintrag. Susanne Schulte: „Christian Morgenstern", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. VI (Bautz, Nordhausen 1993), Sp. 119–129.

Zur Berliner Phase und literarischen Boheme: Herbert Sommerfeld: „Berlin im Leben und Schaffen Christian Morgensterns", in: Berlinische Blätter für Geschichte und Heimatkunde 1 (1933/34), S. 173–185; Heinrich Löwenthal: „‚…Berlin die Palme zuerkennen.' Etwas über Christian Morgenstern", in: Berliner Heimat (1960), S. 147–155; Elinor S. Shaffer: „Christian Morgenstern and the emergence of modernism in the Berlin theatre", in: Facets of European Modernism. Essays in Honour of James McFarlane, Norwich 1985, S. 31–78; Peter Sprengel: „Zwischen Moderne-Schelte und Kreativitäts-Enquête. Constantin Brunners Zeitschrift ‚Der Zuschauer'… Mit ungedruckten Gedichten von Christian Morgenstern", in: IASL 38/2 (2013), S. 336–358; Manfred Kannenberg-Rentschler: „Christian Morgenstern in Friedrichshagen und Berlin", in: Friedrichshagener Hefte 63 (2009).

Zur Norwegen-Ibsen-Beziehung: Marie Groddeck: Henrik Ibsen, der Fragesteller, und Christian Morgenstern, der Antwortgeber, Troxler, Bern 1957; Birgit Walch: „Der Dichter im Übersetzer. Christian Morgenstern und die Lyrik Henrik Ibsens", in: Moderne Sprachen 49 (2005), S. 123–133; Siegfried Unterberger: „Christian Morgenstern und Henrik Ibsen. Ein vieldeutiger Brief", in: Der Schlern 88 (2014), H. 11, S. 45–50.

Zur schlesisch-bayerischen Herkunft: Hermann Otto Thiel: „Schlesisches beim jungen Christian Morgenstern", in: Schlesien 13 (1968), S. 134–156; ders.: „Marginalien zu Prinz Emil von Schönaich-Carolath, Christian Morgenstern und Friedrich Kayssler", ebd. 14 (1969), S. 220–222; Günter Goepfert in: Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert (Bayerland, Dachau 2004), S. 65 f.; Ernst Kretschmer: „Über Christian Morgensterns Kindheit", in: Korfsche Nachrichten Nr. 4 (2021), S. 7–16.

Zur Krankheit und zu Kurorten: Sandra Krämer: „Christian Morgenstern (1871–1914): Ein ‚tuberkulöses' Dichterleben", in: Deutsches Ärzteblatt 111, H. 12 (2014), S. A 510 ff.; Karl Schindler: „Der Dichter Christian Morgenstern als Kurgast in Bad Reinerz", in: Ostdeutsche Heimat 10 (1958), S. 77–81; Georg Kierdorf-Traut: „Christian Morgensterns Aufenthalte in Südtirol", in: Der Schlern 56 (1982), S. 335–338; Bernhard Setzwein: „Vogel im Treibhaus … Zum 100. Todestag", in: Unser Bayern 63 (2014), H. 4, S. 6–8; Burkhard Timm-Labsch und Agnes Harder mit Beiträgen zu Tuberkulose, Wanderschaft und Krankheit in Korfsche Nachrichten H. 3 (2020).

Zur Nietzsche-Rezeption und Weltanschauung: Raymond Furness: „Nietzsche in the work of Christian Morgenstern", in: Rüdiger Görner/Duncan Large (Hg.), Ecce Opus. Nietzsche-Revisionen im 20. Jahrhundert, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, S. 125–137; ders.: „Christian Morgenstern", in: Zarathustra's Children. A Study of a Lost Generation of German Writers, Camden House, Rochester 2000, S. 174–195; Rudolf Meyer: „Christian Morgenstern und Friedrich Nietzsche", in: Das Goetheanum 9 (1930), Nr. 24, S. 188–189.

Zur Mystik und Anthroposophie: Erich Hofacker: „Christian Morgenstern als Mystiker", in: Journal of English and Germanic Philology 27 (1928), S. 200–216; ders.: „Das Motiv des ‚Stirb und Werde' bei Christian Morgenstern", in: Studies in Germanic Language and Literature (1963), S. 149–159; ders.: „Novalis und Christian Morgenstern", in: Germanic Review 6 (1931), S. 373–388; ders.: „R. M. Rilke und Christian Morgenstern", in: PMLA 50 (1935), S. 606–614; Friedrich Hiebel: „Die Demut in der Dichtung Christian Morgensterns", in: Germanic Review 22 (1947), S. 55–71; Wolfgang Schuchardt: „Christian Morgenstern als Schüler Rudolf Steiners", in: Die Drei 34 (1964), S. 187–196; Almut Bockemühl: „Mit andern zur rechten Stunde vereinigt. Christian und Margareta Morgenstern und Michael Bauer", in: Die Drei 66 (1996), H. 4, S. 332–341; Reinhardt Habel: „Christian Morgenstern. ‚…ausgerüstet mit dem Leben…'", in: Die Drei 73 (2003), H. 5, S. 43–53; Christiane Haid: „‚Öffnung durch Johanneisches'. Zu Christian Morgensterns Lebenswandlung", in: dies. u. a., Die Geistselbstberührung des Ich, Dornach 2016; dies.: „‚ein Mensch, der in seiner Art ans Ende gekommen war…'", in: Waldemar Fromm/Markus May (Hg.), „Ein wirrer Traum entstellte mir die Nacht". Neue Perspektiven auf das Werk Christian Morgensterns, Urachhaus, Stuttgart 2017.

Zur Kayssler-Freundschaft: Herbert Günther: „Eine Freundschaft. Morgenstern und Friedrich Kayssler", in: Eckart 9 (1933), S. 331–338; Friedrich Kayssler selbst: „Quellen der Jugend. Erinnerungen an Christian Morgenstern", in: Schlesische Monatshefte 5 (1928), S. 321–324.

Klemperer-Klassiker: Victor Klemperer: „Christian Morgenstern und der Symbolismus", in: Zeitschrift für Deutschkunde (1928), S. 39–55, 124–136 (wieder in: Klemperer, Vor 33 – nach 45, Akademie-Verlag, Berlin 1956, S. 71–101).

Einleitungen und Nachworte in Werkausgaben

Die Stuttgarter Ausgabe Christian Morgenstern. Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe (9 Bände, Urachhaus, Stuttgart 1987–2018, hg. unter Leitung von Reinhardt Habel) ist heute die wichtigste editorisch-biografische Quelle überhaupt; sämtliche Bände enthalten substantielle Einführungen und Kommentarteile:* Bd. 1: Lyrik 1887–1905, hg. R. Habel/M. Kiessig, 1988, ISBN 978-3-87838-501-1 (1059 S.) – darin Kiessigs „Morgensterns Entwicklung als Lyriker" (S. 700–725).

  • Bd. 2: Lyrik 1906–1914, hg. R. Habel/M. Kiessig, 1992, ISBN 978-3-87838-502-8 (1096 S.).
  • Bd. 3: Humoristische Lyrik, hg. M. Cureau/R. Habel, 1990, ISBN 978-3-87838-503-5 (949 S.) – mit Cureaus genetisch-biografischer „Einleitung zur Galgenpoesie" (S. 598–621).
  • Bd. 4: Episches und Dramatisches, hg. R. Habel/E. Kretschmer, 2001, ISBN 978-3-87838-504-2 (1247 S.).
  • Bd. 5: Aphorismen, hg. R. Habel, 1987, ISBN 978-3-87838-505-9 (763 S.) – S. 428–446.
  • Bd. 6: Kritische Schriften, hg. H. Gumtau/R. Habel, 1987, ISBN 978-3-87838-506-6 (896 S.) – mit Gumtaus biografischen Beiträgen „Morgenstern und Nietzsche", „Morgenstern und Lagarde", „Morgenstern und Max Reinhardt", „Morgenstern und Harden".
  • Bd. 7: Briefwechsel 1878–1903, hg. K. Breitner/R. Habel, 2005, ISBN 978-3-87838-507-3 (1266 S.).
  • Bd. 8: Briefwechsel 1904–1908, hg. K. Breitner/R. Habel, 2011, ISBN 978-3-87838-508-0 (1110 S.).
  • Bd. 9: Briefwechsel 1909–1914, hg. A. Harder, 2018, ISBN 978-3-87838-509-7 (1469 S.).


Andere Werkausgaben mit biografisch substantiellen Vor-/Nachworten:* Margareta Morgenstern (Hg.): Christian Morgenstern – Ein Leben in Briefen, mit Vorwort von Friedrich Kayssler. Insel, Wiesbaden 1952 – die langjährig prägende biografische Brief-Edition durch die Witwe.

  • Margareta Morgenstern (Hg.): Alles um des Menschen willen. Gesammelte Briefe. Piper, München 1962.
  • Gesammelte Werke in einem Band, hg. Margareta Morgenstern, Piper, München 1965 (zahlreiche Neuauflagen; Tb 2017, ISBN 978-3-492-31128-1) – mit klassischer biografischer Einleitung der Witwe.
  • Klaus Schuhmann: „Leben und Werk Christian Morgensterns", in: Morgenstern, Ausgewählte Werke, Insel, Leipzig 1975, S. 5–62 (wieder in: Kiepenheuer, Leipzig/Weimar 1985); auch als Nachwort in: Morgenstern, Alle Galgenlieder, Reclam UB 19457, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-15-019457-7. Wichtigstes biografisches Nachwort der DDR-Germanistik.
  • Gedichte in einem Band, hg. M. Cureau/R. Habel, Insel-Tb 3015, Frankfurt a. M. 2004, ISBN 978-3-458-34715-6 – Studienausgabe nach der Stuttgarter Ausgabe.
  • Zeit und Ewigkeit. Mit Nachbemerkung von Margareta Morgenstern. Insel-Bücherei Nr. 112, Leipzig (Erstaufl. 1940, viele Neuauflagen).
  • Galgenlieder und andere Gedichte / Gallows Songs and Other Poems, übers. Max Knight, hg. mit „Nachnachwort" von Niklaus Peter. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2693-0 (194 S.) – zweisprachig.


Nichtdeutschsprachige Titel

Die französische Forschung ist durch Maurice Cureaus zweibändige Peter-Lang-Dissertation (s. o.) konkurrenzlos dominiert; ergänzend dessen Artikel „Christian Morgenstern" in der Encyclopædia Universalis.

Im englischsprachigen Raum bleibt Erich P. Hofackers Christian Morgenstern (Twayne, Boston 1978) die einzige eigenständige Buchmonografie. Substantielle biografische Einleitungen finden sich in Walter Arndt: Christian Morgenstern, Songs from the Gallows / Galgenlieder, Yale University Press, New Haven 1993, ISBN 0-300-05278-2 (158 S., zweisprachig), sowie in Anthea Bell (Übers.): Lullabies, Lyrics and Gallows Songs, North-South Books, New York/Gossau 1995, ISBN 1-55858-481-X. Raymond Furness widmet Morgenstern ein eigenes Kapitel in Zarathustra's Children (Camden House 2000).

Die italienische Forschung wird durch Luca Renzi repräsentiert: Christian Morgenstern. Aforismi e liriche nel segno dell'Antroposofia di Rudolf Steiner, Campanotto, Udine 2014/2017, ISBN 978-88-456-1596-2 (238 S.); ferner der Enzyklopädie-Eintrag bei Treccani.

Im skandinavischen Raum ist die wichtigste Buchpublikation Bjørn M. Moen (Übers.): Vice versa, Antropos Forlag, Oslo 2004 – die einzige norwegische Galgenlieder-Buchausgabe mit biografischem Übersetzervorwort. Elin Nesje Vestlis Artikel „Christian Morgenstern" in Store norske leksikon (snl.no) ist die maßgebliche skandinavische Lexikonreferenz, mit Schwerpunkt auf den Norwegen-Aufenthalten und den Ibsen/Bjørnson/Hamsun-Übersetzungen.

Im niederländischsprachigen Raum: Bèr Wilbers (Übers.): De Galgenliederen en andere groteske gedichten, Uitgeverij IJzer, Utrecht 2006, ISBN 978-90-74328-90-7 (415 S., zweisprachig) – mit ausführlichem biografischem Nachwort.

Lucia Borghese: „Morgenstern zwischen Norden und Süden", in: A. Bandau (Hg.), Korrespondenzen … Festschrift für Helene Harth, Stauffenburg, Tübingen 2000, S. 283–287, behandelt die Norwegen- und Italien-Aufenthalte aus romanistischer Sicht.

Erinnerungen und Memoiren von Zeitgenossen

Zentrale Erinnerungs-Quellen sind, neben Bauers Biografie 1933: Friedrich Kayssler: „Quellen der Jugend. Erinnerungen an Christian Morgenstern" (Schlesische Monatshefte 5, 1928) und „Christian Morgenstern" in: Deutsches Biographisches Jahrbuch, Überleitungsband 1: 1914–1916, S. 73–79. Reinhard Piper: Vormittag. Erinnerungen eines Verlegers (Piper, München 1947) sowie Erinnerungen an meine Zusammenarbeit mit Christian Morgenstern (Piper, München 1978). Efraim Frisch: „Erinnerung an Christian Morgenstern", in: ders., Zum Verständnis des Geistigen, hg. Guy Stern, Schneider, Heidelberg 1963, S. 109–113. Hermann Hesse: Christian Morgenstern, in: Gesammelte Werke, Bd. XII, Frankfurt 1970, S. 421–425. Hermann Broch: Morgenstern, in: Summa 1917 / Kunstwart 33 (1920), wieder in: Kommentierte Werkausgabe Bd. 9/1, Suhrkamp 1975. Rudolf Meyer: Christian Morgenstern in Berlin (s. o.) ist zugleich Erinnerungsschrift. Margareta Morgenstern: Michael Bauer. Ein Bürger beider Welten, Piper, München 1950 (2. Aufl. Freies Geistesleben, Stuttgart 1965), enthält reichlich biografisch relevantes Material zur Spätphase und zum Witwenkontext.

Familien- und Lokalkontext

Lienhard Hinz: „‚Mein lieber Vater malt tagaus tagein'. Christian Morgenstern als Sohn eines Malergeschlechts", Online-Publikation Heidelberg Document Repository, archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/9474 (2025) – behandelt das schwierige Verhältnis zum Vater Carl Ernst Morgenstern (1847–1928) sowie die Maler-Familie. Choung-Hi Lee-Kuhn: „Morgenstern, Christian Ernst Bernhard", in: NDB Bd. 18 (1997), S. 103–104 (zum Großvater). Martina Mauss: Christian E. B. Morgenstern (1805–1867). Ein Beitrag zur Landschaftsmalerei der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Diss. Hamburg. Petra Hucke: „Christian Morgenstern", in: Gruppe 9/83 (Hg.), Spuren. Skandinavier in München – Münchner in Skandinavien, Utz, München 2016, S. 104–108. Thomas Kraft (Hg.): Herrsching zur Zeit Christian Morgensterns, Gellius, Herrsching 2006, mit dem Beitrag Habels über den Lyriker. Ueli Haldimann (Hg.): Hermann Hesse, Thomas Mann und andere in Arosa, AS Verlag, Zürich 2001, ISBN 3-905111-67-5, S. 65–71 zu Morgenstern in Arosa.

Fazit und Forschungslücken

Der Bestand zeigt drei klare Charakteristika. Erstens bleibt die anthroposophische Linie quantitativ dominant – sie reicht von Bauer 1933 über Hiebel 1957, Wiesberger 1971 bis Selg 2008 und Ferragamo 2014. Zweitens hat die kritisch-säkulare Germanistik mit Gumtau 1971, Kretschmer 1985/1989 und Schimmang 2008 erst spät einen alternativen Kanon etabliert. Drittens ist die fremdsprachige Forschung erstaunlich dünn: Außer Cureau (Französisch), Hofacker (Englisch) und Renzi (Italienisch) gibt es kaum eigenständige Buchmonografien außerhalb des deutschen Sprachraums – obwohl Morgensterns Übersetzertätigkeit (Ibsen, Bjørnson, Strindberg) und seine Kuraufenthalte (Norwegen, Schweiz, Südtirol) das nahelegen würden. Lücken bestehen besonders bei einer modernen, quellenkritischen Biografie, die Schimmang 2008 für ein populäres Publikum bietet, aber noch nicht in akademischer Tiefe abgelöst hat. Die 9-bändige Stuttgarter Ausgabe (1987–2018) schafft inzwischen die Grundlage für künftige Forschung; insbesondere der erst 2018 erschienene Briefband 9 (1909–1914) eröffnet die letzten, anthroposophisch-ehelich geprägten Jahre erstmals quellenkritisch vollständig.