Anadyomene/Volltext

Aus CMO

Anadyomene

Apollo eilt, die Welt zu wecken, da schlag ich auf die Lider schwer: Und mich befällt ein süß Erschrecken: Vor meinen Augen liegt das Meer. Ich finde mich auf sichrer Klippe, die Wellen schmeicheln zu mir her. In stummer Andacht schweigt die Lippe. Vor meinen Augen liegt das Meer.

Es spült der Sonne rote Brände hinauf den weißen Dünensand, es wirft sie hoch auf steile Wände, in Feuer stehen Meer und Land, als gält es heut ein Fest zu feiern, wie einst, da Venus sich entwand der Frühflut rosenroten Schleiern... In Feuer stehen Meer und Land.

Und wie ich in die Pracht versonnen dem fliehnden Traumbild rufe: Bleib! da hat es schon Gestalt gewonnen: Dem Schaum entsteigt ein göttlich Weib. Ein Wogensturz von goldnen Rosen enthüllt den schönsten Frauenleib. Zum Flüstern sinkt der Brandung Tosen - dem Schaum entsteigt ein göttlich Weib.

Ich aber bin emporgesprungen, indes die Göttin näher schwebt -

die Schönheit ist nicht tot: sie lebt!