Epilog I

Aus CMO

Heut' zum letzten Male säum’ ich
auf den selbsterschaffnen Stufen,
halben Lächelns überträum’ ich.
was mein Geist herbeigerufen,
5 um es dann mit Phantas Augen
seltsam, schelmisch zu betrachten
und, wofern es mochte taugen,
eigenherrlich auszuschlachten,
(gleich als ob die Welt ein Schwamm sei,
den zuerst mit Blut ich näßte,
10 drauf zur Prob’, daß es nicht Schlamm sei,
wieder in ein Kelchglas preßte.)
Aller Dinge neuer Täufer
an des eignen Herzbluts Bronnen.
allem hurtiger Entläufer,
15 was als Fangnetz fest gesponnen.

Seid gesegnet, Gipfelweiten!
Wo ich wie ein Gott so frei war,
wo des Leibs Bedürftigkeiten
20 fern mir wie des Volks Geschrei war,
wo zu einem höhren Bunde
Scharm und Schaffen sich verbanden
und des Seins Gesicht' und Munde [bricht ab]

Herrliche Bergeinsamkeiten.
25 mögt ihr ewig in mir ragen,
könnt ich euch für alle Zeiten
stolz in weiter Seele tragen.

Auf denn! Phanta führt die Zügel.
rause windschnell, mein Gespann!
30 Abwärts über Berg und Hügel,
durch Geklüft und Tal und Tann,
bis hinaus ins Blachgefilde,
wo ich einst der Glut geweiht
meiner Einstgefühle Gilde,
35 Winkelstadt "Vergangenheit".
Neues Sein soll dort erstehen,
Phanta bleibt mein Baugenoß,
und ich bringe die Ideen dazu mit aus ihrem Schloß.


Lyrik | Nachlese zu In Phantas Schloß
"Phanta" und sein Publikum | Trösterin oT | Nächtliche Feier | Kosmogonie | Kosmogonie (Mondlose Sternennacht) | Heimatlos? | Auf grauem Felsblock sitz’ ich oT | In Adlers Krallen | Unnütz der Mann oT | Theomachie | Memento vivere (εϊς εαυτόν) | Und dann um Mitternacht oT | Am stillen Waldteich oT | Gestern Abend gab mir Phanta oT | An den Augen lasest du mir’s ab oT | Sternschnuppenfall | Johannisfeuer | Der Hexenkessel | Mit einem Mal, ich weiß nicht, wie’s gekommen oT | Venus Urania | Der Regenbogen | Wo Erd und Himmel oT | Mondaufgang I | Mondaufgang II | Mondaufgang III | Das rabenschwarze oT | Liebeslied an Phanta | Es lieben die Götter oT | Die nächtliche Fahrt | Oh Nacht, wie bist du tief oT | Die Sonne der Toten | Der Friedhof | Tragik alles Seins | Himmel, Erde und Meer… | Poseidon und Selene | Anadyomene | Nun weil’ ich bei dir schon manchen Tag oT | Allzulang auf Bergeszinnen oT

Epilog-Fragmente: Auf Höhen mußt’ ich steigen oT | Die Ferne ist es nicht oT | Ich versuche ein Höchstes oT | Die Strafe war hart oT | Strafe war hart für den Vorwitz oT | Willst du mich nun entzaubern oT | Endsegen Phantas
Epilog I | Epilog II | Ad Phantas Schloß
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | In Phantas Schloß - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Nachlese zu In Phantas Schloß
Zyklus
Zyklusnummer
Titel Epilog
Textanfang Heut’ zum letzten Male
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 113
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 812, 813
Überlieferung T 1894/95, Bl.36f.
Datierung vermutlich Winter 1894/95
Erstdruck SA Band I Lyrik 1887-1905
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-02-0046