Mondaufgang I
Aus schwarzen
zuckenden Armen
gieriger Aste
schwebst du sieghaft
5ins blaue Geheimnis
harrender Himmel,
süße Selene.
Züchtige Schleier
fließen von dir
10in weichem Wehen
über die schlafenden
Matten der Erde,
schmiegen sich innig
um träumender Berge
15schweigsame Häupter;
über des Waldsees
lüsternen Spiegel
legt sich schamhaft
ihr schimmernder Flor.
20Andacht, Frieden
atmet alles.
Ferne nur schreit
ein brunftender Hirsch
in die silberne Stille.
25Die Welt schrickt auf
und lauscht...
Doch bald:
schläft sie wieder
in mildem Vergessen.
30Tief in die Weiten
des Äthermeeres
lenkst du hinaus,
gleitest du hin,
liebreizende Göttin Selene.
35Und ich hebe die Hände
zu deiner Anmut
und bitte dir ab
so manchen Spott. -
Ein Lichtanbeter,
40ein selig Versunkener
vor dir,
der weißen Herrin der Nacht.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zu In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Mondaufgang |
| Textanfang | Aus schwarzen zuckenden Armen |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 94, |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 791 |
| Überlieferung | T 1894 II, B1.78f. |
| Datierung | September - Dezember 1894 |
| Erstdruck | Stuttgarter Ausgabe - Band I |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-05-0023 |