Epilog

Aus CMO

Am Schreibtisch finde ich mich wieder,
als wie aus krausem Traum erwacht ...:
Vor mir ein Buch seltsamer Lieder,
und um mich stille Mondesnacht.
5Ich schaue auf den kleinen Ort,
aus dem mein Geist im Zorn geflohn: -
Nachtwächter ruft sein Hirtenwort
zu greiser Turmuhr biedrem Ton ...
Wie knochige Philisterglatzen
10erglänzt des Pflasters holprig Beet ...
Und auf den Giebeln weinen Katzen
um ein versagtes tête-à-tête.

Euch also, winklige Gemäuer,
durchschnarcht von edlen Atta Trolls,
15bewarf ich einst mit wildem Feuer
aus den Vulkanen meines Grolls!
Ich sah in eurer Kleinlichkeit
die Welt, die in mir selbst ich trug:
Es war ein Stück Vergangenheit,
20das ich in eurem Bild zerschlug.
Von oben hab’ ich lachen lernen
auf euer enges Kreuz und Quer!
Wer Kurzweil trieb mit Sonn’ und Sternen,
dem seid ihr kein Memento mehr!

25In tiefentzückten Weihestunden
fernab dem Staub der breiten Spur,
hab’ ich mich wieder heimgefunden
zum Mutterherzen der Natur!
In ihm ist alles groß und echt,
30von gut und böse unentweiht:
Schönheit ist Kraft ihm, Kraft ihm Recht,
sein Pulsschlag ist die Ewigkeit.
Wen dieser Mutter Hände leiten
vom Heut’ ins Ewige hinein,
35der lernt den Schritt des Siegers schreiten,
und Mensch sein heißt ihm König sein!

Werkgruppe
Werkbereich
Zyklus
Zyklusnummer
Titel
Textanfang
Zitiert aus
Kommentar aus
Überlieferung
Datierung
Erstdruck
Gemeinfrei
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID



Kommentar

Vorlage veraltet. Wird nicht mehr produktiv verwendet.

Werkgruppe
Werkbereich
Titel Epilog
Textanfang Am Schreibtisch finde ich mich wieder
Zitiert aus
Kommentar Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 777
Überlieferung T 1894/95, Bl. 83ff., 94f.
Datierung Winter 1894/95
Erstdruck In Phanta's Schloß (1895)
Gemeinfrei seit
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
ID