Epilog II
Lieb sind mir und heilig
die Götter, Phanta,
an deren Tisch
du mich ludest.
5 Doch eines schmerzt mich:
Sind diese Götter
aus meinem ureigensten Ich
herausgezeugt?
Sind sie unsere,
10 ganz allein unsere Söhne,
Phanta?...
Noch bin ich
nur ein Prometheus,
mit ehernen Ketten
15 festgeschmiedet
ans Riesenkreuz
der Vergangenheit,
des Felsenstamm
und Felsenarme
20 gefügt und geschichtet
aus Quaderblöcken
alter Kulturen.
Aber am Herzen
frißt mir
25 der Geier Sehnsucht.
Langsam füllt sich
zu Füßen mir
die Schale
mit meinem Herzblut.
30 Laß mich allein,
herrlichstes Weib,
das die Erde mir gab!
Erst wenn rot
bis zum Rand
35 den goldenen Gral
die Flut erfüllt,
kehr’ mir zurück!
Dann will ich dich taufen
mit meinem Blut,
meine schwirrende Schwalbe,
40 mein heimatlos, heidnisch Kind.
Und dann, denk’ ich,
Freundin Phanta.
soll unser Bund
45 erst beginnen.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zu In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Epilog |
| Textanfang | – |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 114, 115 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 813 |
| Überlieferung | Einzelblatt, handschriftlich, im Nachlass |
| Datierung | undatiert |
| Erstdruck | Christian Morgenstern - Mensch Wanderer Gedichte aus den Jahren 1887-1914 - München - Piper 1927 |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | siehe Unterseite |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-02-0047 |