Im Himmel
Endlich einmal!
Ich stand im goldnen Himmelssaal.
Gottvater kraute sich den Bart;
zu Füßen saß ihm Jesus zart
5 und taktete den Engelein
mit einem Lilienstengelein;
und alle schauten freudumflossen
auf ihren neuen Spielgenossen.
Mir aber zitterte in Haß
10 des Nazareners Leib und Seele -
und wie ein Hund, dem man sein "faß!"
zuruft, sprang ich ihm an die Kehle
und rang und würgte ihn zur Erde...
Doch als er meiner Fäuste Stoß
15 nicht wehrte, duldender Geberde,
da riß ich mich voll Abscheu los -
und fiel und fiel in schwarze Nacht,
von Grauen wie von Frost gepackt,
bis sich der Hölle heißer Schacht
20 auftat und toller Teufel Flug
mich jählings wie ein Katarakt
hinunterzog und zornentfacht
ein Teufel mir das Haupt zerschlug...
Und schweißverzehrt bin ich erwacht.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zu Auf vielen Wegen |
| Zyklus | Träume |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Im Himmel |
| Textanfang | Endlich einmal |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 195, 196 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 841 |
| Überlieferung | Einzelblatt, maschinenschriftlich, im Nachlaß |
| Datierung | – |
| Erstdruck | Das Magazin für Litteratur 66 (1897) Sp. 454 |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-04-0004 |