Das Kreuz

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Die gestürzten Engel
schweben um den Berg.
Mit weißen, bleiernen Riesenfittichen
schleicht ihr Flug aus den Talen,
daß er die Höhen der Erde auch
todeskältend überfinstere,
daß im Schweigen der Nacht
endlich das Leben sterbe.

Lebendige Flammen
entrief ich dem Fels
zum Schutze.
In goldenem Zorn
leuchtet das Berghaupt.
Aber die heißeste Stirn,
das glühendste Aug’
ist nicht lange gefeit,
wo solcher Flügel
grabkalte Bahrtücher
der Vernichtung eisige Schauer
ins Haupt schatten.

Und fahles Grauen
würgt mir die Kehle
und reißt einen Schrei mir
aus der Brust
und wirft ihn hinaus
in die Finsternisse ...
vom grauen Fittichgewölbe
fällt er ohnmächtig
in mich zurück.

Im Schein der mühsam
kämpfenden Lohe
trete ich, halb von Sinnen,
zum Rande des Abgrunds
und breite, wie prüfend,
die Arme aus.

Da zucken die Nebelgespenster
grausengepackt zusammen.
Ihr schnürender Reigen
löst sich, zerstreut sich.
In wildem Entsetzen
rasen heulend die Satane
um den Gipfel.
Ich aber erkenne
auf der zitternden Wand
ihrer Flügelflucht
ein mächtiges, schwarzes Kreuz.

Meines Körpers
kreuzförmiger Schatte
quält triumphierend
die Engel des Todes
hinweg, hinab,
zurück in ihr trauriges Reich.

Ich stehe noch lange,
die Arme gebreitet,
doch nicht mehr in Angst
noch als Wehr,
nein! jetzt als Gruß
und heilige Ehrung
den tausend lächelnden Lichtaugen
des unsterblichen Alls.

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Zitiert aus
Kommentar Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S.
Überlieferung T 189, Bl.
Datierung
Erstdruck In Phanta's Schloß (1895)
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