Wolkenspiele IV
Wie sie Ballett tanzen,
die losen Panstöchter!
Sie machen Phoebus
den Abschied schwer,
5daß er den Trab seiner Hengste
zum Schritt verzögert.
Schmiegsam, wiegsam
werfen und wiegen
die rosigen Schleier
10sie zierlich sich zu,
schürzen sie hoch empor,
neigen sie tief hinab,
drehn sich die wehende
Seide ums Haupt.
15Und Phoebus Apollo!
Bezaubert vergißt er
des heiligen Amts,
springt vom Gefährt
und treibt das Gespann,
20den Rest der Reise
allein zu vollenden.
Er selber,
gehüllt in den grauen Mantel
der Dämmrung,
25eilt voll Sehnsucht
zurück zu den
lieblichen, lockenden
Tänzerinnen.
Zügellos rasen
30die Rosse von dannen.
Der Gott erschrickt:
Dort entschwindet
sein Wagen,
und hier -
35haben die schelmischen
Töchter des Pan
sich in waschende Mägde
verwandelt.
Durch riesige Tröge
40ziehen sie weiße,
dampfende Linnen
und hängen sie rings
auf Felsen und Bäumen
zum Trocknen auf
45und legen sie weit
gleich einem Schutzwall
auf Wiesen und Felder.
Ratlos steht
der gefoppte Gott.
50Und leise kichern
die Blätter im Winde.
| Lyrik | In Phantas Schloß |
| Widmung | Vorspruch | Prolog | Auffahrt | Im Traum | Phantas Schloß | Sonnenaufgang Wolkenspiele: I | II | III | IV | V | VI |
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Wolkenspiele IV |
| Textanfang | Wie sie Ballett tanzen |
| Zitiert aus | Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 23 |
| Kommentar aus | Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 757 |
| Überlieferung | T 1894 I, Bl. 77 |
| Datierung | vermutlich August 1894 |
| Erstdruck | In Phanta's Schloß (1895) |
| Gemeinfrei | ab 1985 |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-01-0011 |