Johannisfeuer: Unterschied zwischen den Versionen

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Giganten. Gnomen, Elben, Feen und Hexen...
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und jeder schleppt sein Scheit herbei.
und jeder schleppt sein Scheit herbei.
                          Titan!
                                                            Titan!
{{Zeile|20}}Laß sehn! wo stahlst du diesen Eichenklotz?
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"Dort unten, Herr, im Tal! Sie opferten
"Dort unten, Herr, im Tal! Sie opferten
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{{Zeile|30}}"Wir sind von weit und nah! Von Menschenstirnen
{{Zeile|30}}"Wir sind von weit und nah! Von Menschenstirnen
ist all das Bretterzeug entwendet."
ist all das Bretterzeug entwendet."
Wahrlich
                                                      Wahrlich
ein mühsam Werk!
ein mühsam Werk!
"Oh, schätz’ uns nicht zu hoch:
                              "Oh, schätz’ uns nicht zu hoch:
{{Zeile|35}}Du glaubst nicht, Herr, wie reich der Vorrat ist."
{{Zeile|35}}Du glaubst nicht, Herr, wie reich der Vorrat ist."
Vor meinen Augen steigt der Stoß.
Vor meinen Augen steigt der Stoß.

Version vom 19. Dezember 2025, 23:19 Uhr

Auf tausend Gipfeln flammen Feuer auf,
als spräche diese Nacht der Berge Schar
die rote Garbensprache der Vulkane.
Die Älpler feiern wohl das Sonnwendfest.
5Wie wär’ es, Phanta, feierten auch wir
ein Fest heut Nacht und sprängen Hand in Hand
helljauchzend durch den Brand getürmter Scheiter?
Du wirfst gewährend mir den Goldstab zu
Wohlan!
10              Aus Höhn und Tiefen Geisterhände
herab, herauf, geschäftig bringt das Holz
und schichtet es, und legt ihm Lohe ein,
und facht sie an, daß sie mit Purpursträhnen
der Wolken scheue Jagd noch schneller peitsche!
·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·  ·
15Dank, Phanta, Dank! Du liehst mir Zauberkraft.
Ich rief, und schau! die Dunkel öffnen sich.
Ein schemenhaftes Volk ist rings erwacht.
Giganten. Gnomen, Elben, Feen und Hexen...
und jeder schleppt sein Scheit herbei.
                                                            Titan!
20Laß sehn! wo stahlst du diesen Eichenklotz?
"Dort unten, Herr, im Tal! Sie opferten
auf ihm so manchen, der mit uns verwandt,
die Zwerggeschlechter! War’s nicht unser Ahn,
der ihrem Herd den Funken gab? und kam
25von unsrer Kraft nicht jede große Gabe
den Nebelsöhnen?... Dies hier ist ihr Dank,
mit unserm Blut dem Opferblock vererbt!"
Und ihr, spottäugige Gnomen, sagt: woher?
Gar feine Bohlen schichtet ihr mit Kunst.
30"Wir sind von weit und nah! Von Menschenstirnen
ist all das Bretterzeug entwendet."
                                                       Wahrlich
ein mühsam Werk!
                              "Oh, schätz’ uns nicht zu hoch:
35Du glaubst nicht, Herr, wie reich der Vorrat ist."
Vor meinen Augen steigt der Stoß.
Du. Kind,
das dort am Boden kniend, scheu ein Bündel
ins Scheiter-Fachwerk schiebt, du zarte Fee,
40wie nennst du dich und was ist deine Gabe?
Du schweigst. Du wendest dich. Du fliehst. Und ach!
Nun kenn’ ich dich! Du bist ein Engel wohl,
der Märchen mir in meine Wiege sang,
und was du hier verborgen, ist das Buch,
45darein mein Kindergriffel Paradiese
gezeichnet und mit ungelenken Runen
der Knabenlieder wirren Text geritzt.
Du tatest recht. Nur Toren wähnen, daß
sich dürres Laub durch Tränen neu belebe.
50Willkommen Hexe, dort auf schnellem Stiel!
Du machst mich lachen. Lachen macht gesund.
Was greifen deine Finger in die Leere?
Man meint, du zögst an unsichtbarer Schnur
papierner Drachen einen durch die Luft.
55"Du rätst es halb! Vom fernen Horizont
hab’ ich die schwarze Wolke hergeholt,
damit ihr Blitz den Stoß entzünde."
Phanta!
Wo bist du? Liebchen komm! die Fackel fiel:
60die Lohe schlägt. Nun auf, zu Tanz und Lust!...
Vertrau ich dir?
"Du traust mir nie genug!"
Wohlan denn!... Schau auf rotem Rauch und Dunst
im Riesenriß die Schatten unsres Leibs!...

65Hinüber, herüber, in jauchzender Hast,
glutenumworben, doch nimmer erfaßt!
Wir spotten zusammen
der heißen Gefahr,
in spielenden Flammen
70ein lachendes Paar.

Hinüber, herüber, in fröhlichem Trutz,
in mitternachtfeuchter Gewandungen Schutz!
Es bauscht sich der Mantel
im wehenden Bronst:
75Die Flammen-Tarantel
zersticht ihn umsonst.

Hinüber, herüber, in jauchzender Hast!
Es qualmt und verascht der zerstürzende Prast.
Befreit ward die Seele
80nach uraltem Brauch
von Schlacken und Fehle
im heiligen Hauch.

Die Glut verlischt. Ein zuckender Leichnam, quillt
des Rauches weiße Schwere um den Rest
85und lockt im todesschwarzen Meer der Nacht
längst lauernde gefräßige Nebelhaie.
Mit feiger Gier umschwimmen sie die Beute. ...

Mir aber rührt die Augen Phantas Hand,
und still versinkt die ganze Welt um mich.


Lyrik | Nachlese zu In Phantas Schloß
"Phanta" und sein Publikum | Trösterin oT | Nächtliche Feier | Kosmogonie | Kosmogonie (Mondlose Sternennacht) | Heimatlos? | Auf grauem Felsblock sitz’ ich oT | In Adlers Krallen | Unnütz der Mann oT | Theomachie | Memento vivere (εϊς εαυτόν) | Und dann um Mitternacht oT | Am stillen Waldteich oT | Gestern Abend gab mir Phanta oT | An den Augen lasest du mir’s ab oT | Sternschnuppenfall | Johannisfeuer | Der Hexenkessel | Mit einem Mal, ich weiß nicht, wie’s gekommen oT | Venus Urania | Der Regenbogen | Wo Erd und Himmel oT | Mondaufgang I | Mondaufgang II | Mondaufgang III | Das rabenschwarze oT | Liebeslied an Phanta | Es lieben die Götter oT | Die nächtliche Fahrt | Oh Nacht, wie bist du tief oT | Die Sonne der Toten | Der Friedhof | Tragik alles Seins | Himmel, Erde und Meer… | Poseidon und Selene | Anadyomene | Nun weil’ ich bei dir schon manchen Tag oT | Allzulang auf Bergeszinnen oT

Epilog-Fragmente: Auf Höhen mußt’ ich steigen oT | Die Ferne ist es nicht oT | Ich versuche ein Höchstes oT | Die Strafe war hart oT | Strafe war hart für den Vorwitz oT | Willst du mich nun entzaubern oT | Endsegen Phantas
Epilog I | Epilog II | Ad Phantas Schloß
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | In Phantas Schloß - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Nachlese zu In Phantas Schloß
Zyklus
Zyklusnummer
Titel Johannisfeuer
Textanfang
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 82, 83, 84
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 785, 786
Überlieferung T 1894 I, Bl.92ff. und loses Doppelblatt
Datierung vermutlich August 1894
Erstdruck Stuttgarter Ausgabe - Band I
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-05-0017