Das Hohelied: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Seite wurde neu angelegt: „<poem> {{Zeile|5}} Singen will ich den Hochgesang, den mit Sterngoldlettern der heilige Geist der Erkenntnis in den schwarzen Riesenschiefer nächtigen Firmaments leuchtend gegraben, den jauchzenden Hochgesang, des Kehrreim von zahllosen Chören von Weltengeschlechtern das All durchtönt: Auf allen Sternen ist Liebe! Siehe, ich maß auf dem Feuerfittich rascher Kometen die Bahnen der Ewigkeit, durch tausend Planetenreigen flog ich zitternde…“
 
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Singen will ich den Hochgesang,  
Singen will ich den Hochgesang,  
den mit Sterngoldlettern  
den mit Sterngoldlettern  
der heilige Geist der Erkenntnis
der heilige Geist der Erkenntnis
in den schwarzen Riesenschiefer  
in den schwarzen Riesenschiefer  
nächtigen Firmaments
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leuchtend gegraben,  
leuchtend gegraben,  
den jauchzenden Hochgesang,  
den jauchzenden Hochgesang,  
des Kehrreim von zahllosen Chören  
des Kehrreim von zahllosen Chören  
von Weltengeschlechtern das All durchtönt:  
von Weltengeschlechtern das All durchtönt:  
    Auf allen Sternen ist Liebe!
{{Zeile|10}}    Auf allen Sternen ist Liebe!


Siehe, ich maß auf dem Feuerfittich  
Siehe, ich maß auf dem Feuerfittich  
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durch tausend Planetenreigen  
durch tausend Planetenreigen  
flog ich zitternden Geistes,  
flog ich zitternden Geistes,  
spähte und lauschte hinab  
{{Zeile|15}}spähte und lauschte hinab  
auf die kreisenden Bälle  
auf die kreisenden Bälle  
mit überirdischen Sehnsuchtsinnen.  
mit überirdischen Sehnsuchtsinnen.  
Und entgegen schwoll mir allewig  
Und entgegen schwoll mir allewig  
aus unzählbarer Lebenden Brüsten:
aus unzählbarer Lebenden Brüsten:
    Auf allen Sternen ist Liebe!
{{Zeile|20}}    Auf allen Sternen ist Liebe!


Sahst du je ein liebendes Paar  
Sahst du je ein liebendes Paar  
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sahst du je der Mutterlippe  
sahst du je der Mutterlippe  
stummes Segengebet des Kindes  
stummes Segengebet des Kindes  
reinen Scheitel inbrünstig weihen,  
{{Zeile|20}}reinen Scheitel inbrünstig weihen,  
sahst du je die stille Flamme  
sahst du je die stille Flamme  
heiliger Freundschaft im Kusse brennen -  
heiliger Freundschaft im Kusse brennen -  
oh dann sang auch deine Seele,  
oh dann sang auch deine Seele,  
stammelte schauernd die süße Gewißheit:
stammelte schauernd die süße Gewißheit:
    Auf allen Sternen ist Liebe!
{{Zeile|25}}    Auf allen Sternen ist Liebe!


Trunken bin ich von diesem Liede,  
Trunken bin ich von diesem Liede,  
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Oh meine Brüder auf wandelnden Welten,  
Oh meine Brüder auf wandelnden Welten,  
deren Sonnen purpurne Kränze  
deren Sonnen purpurne Kränze  
um die Muttersonne des Alls  
{{Zeile|30}}um die Muttersonne des Alls  
ewigen Rhythmus’ Sturmschwung reißt,  
ewigen Rhythmus’ Sturmschwung reißt,  
grüßen laßt euch durch Äonen!  
grüßen laßt euch durch Äonen!  
Tausendgestaltiger Sterblicher Hymnen
Tausendgestaltiger Sterblicher Hymnen
ein’ ich des Menschengeschlechts Dithyrambe.  
ein’ ich des Menschengeschlechts Dithyrambe.  
    Auf allen Sternen ist Liebe!
{{Zeile|35}}    Auf allen Sternen ist Liebe!


Liebe! Liebe! durch die Unendlichkeit  
Liebe! Liebe! durch die Unendlichkeit  
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in das Nichts, die Nacht der Herzen  
in das Nichts, die Nacht der Herzen  
deine glühenden Wogen schlagend -  
deine glühenden Wogen schlagend -  
hebend aus dem Dumpfen das Heilige -  
{{Zeile|40}}hebend aus dem Dumpfen das Heilige -  
aus dem Chaos rettend und schaffend den Gott -  
aus dem Chaos rettend und schaffend den Gott -  
Gottheit auf die Stirn dem Menschen  
Gottheit auf die Stirn dem Menschen  
prägend und ins schimmernde Äug’ ihm  
prägend und ins schimmernde Äug’ ihm  
Gottheit senkend - Liebe! Liebe!
Gottheit senkend - Liebe! Liebe!
    Auf allen Sternen ist Liebe!
{{Zeile|45}}    Auf allen Sternen ist Liebe!


Liebe! Liebe! bist du die Mutter auch  
Liebe! Liebe! bist du die Mutter auch  
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wer erträgt um dich nicht alles,  
wer erträgt um dich nicht alles,  
stolzen Mutes, ein Held, ein Ringer!  
stolzen Mutes, ein Held, ein Ringer!  
Heilig sprechen wir Haß und Leid und Schuld,  
{{Zeile|50}}Heilig sprechen wir Haß und Leid und Schuld,  
denn wir lassen von dir nicht, oh Liebe!  
denn wir lassen von dir nicht, oh Liebe!  
Träges Verschlummern lockt uns nicht,  
Träges Verschlummern lockt uns nicht,  
Leben und Tod soll ewig dauern,  
Leben und Tod soll ewig dauern,  
denn wir wollen dich ewig, oh Liebe!  
denn wir wollen dich ewig, oh Liebe!  
    Auf allen Sternen ist Liebe!
{{Zeile|55}}    Auf allen Sternen ist Liebe!


Erden werden zu Eis erstarren  
Erden werden zu Eis erstarren  
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Sonnen die eigene Brut verschlingen,
Sonnen die eigene Brut verschlingen,
tausend Geschlechter und aber tausend  
tausend Geschlechter und aber tausend  
werden in Staub und Asche fallen:  
{{Zeile|60}}werden in Staub und Asche fallen:  
Aber von Ewigkeit zu Ewigkeit  
Aber von Ewigkeit zu Ewigkeit  
bricht aus unzähliger Lebenden Brüsten  
bricht aus unzähliger Lebenden Brüsten  
dreimal heilig und hehr das hohe Lied,  
dreimal heilig und hehr das hohe Lied,  
dreimal heilig des Lebens Preisgesang:  
dreimal heilig des Lebens Preisgesang:  
    Auf allen Sternen ist Liebe!
{{Zeile|65}}    Auf allen Sternen ist Liebe!
 
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== Kommentar ==
== Kommentar ==
{{Gedichtinformation
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|Titel = Das Hohelied
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|Textanfang = Singen will ich den Hochgesang
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|zitiert aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], S. 36
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|Erstdruck = [[In Phanta's Schloß (1895)]]
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|Gemeinfrei seit = 1985

Version vom 4. Oktober 2025, 13:03 Uhr

Singen will ich den Hochgesang,
den mit Sterngoldlettern
der heilige Geist der Erkenntnis
in den schwarzen Riesenschiefer
5nächtigen Firmaments
leuchtend gegraben,
den jauchzenden Hochgesang,
des Kehrreim von zahllosen Chören
von Weltengeschlechtern das All durchtönt:
10 Auf allen Sternen ist Liebe!

Siehe, ich maß auf dem Feuerfittich
rascher Kometen die Bahnen der Ewigkeit,
durch tausend Planetenreigen
flog ich zitternden Geistes,
15spähte und lauschte hinab
auf die kreisenden Bälle
mit überirdischen Sehnsuchtsinnen.
Und entgegen schwoll mir allewig
aus unzählbarer Lebenden Brüsten:
20 Auf allen Sternen ist Liebe!

Sahst du je ein liebendes Paar
sich vereinen zu seligem Kuß,
sahst du je der Mutterlippe
stummes Segengebet des Kindes
20reinen Scheitel inbrünstig weihen,
sahst du je die stille Flamme
heiliger Freundschaft im Kusse brennen -
oh dann sang auch deine Seele,
stammelte schauernd die süße Gewißheit:
25 Auf allen Sternen ist Liebe!

Trunken bin ich von diesem Liede,
das aus der Harfe der Ewigkeit hallt.
Oh meine Brüder auf wandelnden Welten,
deren Sonnen purpurne Kränze
30um die Muttersonne des Alls
ewigen Rhythmus’ Sturmschwung reißt,
grüßen laßt euch durch Äonen!
Tausendgestaltiger Sterblicher Hymnen
ein’ ich des Menschengeschlechts Dithyrambe.
35 Auf allen Sternen ist Liebe!

Liebe! Liebe! durch die Unendlichkeit
ausgegossen, ein Strom erlösenden Lichts,
in das Nichts, die Nacht der Herzen
deine glühenden Wogen schlagend -
40hebend aus dem Dumpfen das Heilige -
aus dem Chaos rettend und schaffend den Gott -
Gottheit auf die Stirn dem Menschen
prägend und ins schimmernde Äug’ ihm
Gottheit senkend - Liebe! Liebe!
45 Auf allen Sternen ist Liebe!

Liebe! Liebe! bist du die Mutter auch
aller Schmerzen, aller der Lebensqual,
wer erträgt um dich nicht alles,
stolzen Mutes, ein Held, ein Ringer!
50Heilig sprechen wir Haß und Leid und Schuld,
denn wir lassen von dir nicht, oh Liebe!
Träges Verschlummern lockt uns nicht,
Leben und Tod soll ewig dauern,
denn wir wollen dich ewig, oh Liebe!
55 Auf allen Sternen ist Liebe!

Erden werden zu Eis erstarren
und ineinanderstürzen,
Sonnen die eigene Brut verschlingen,
tausend Geschlechter und aber tausend
60werden in Staub und Asche fallen:
Aber von Ewigkeit zu Ewigkeit
bricht aus unzähliger Lebenden Brüsten
dreimal heilig und hehr das hohe Lied,
dreimal heilig des Lebens Preisgesang:
65 Auf allen Sternen ist Liebe!

Werkgruppe
Werkbereich
Zyklus
Zyklusnummer
Titel
Textanfang
Zitiert aus
Kommentar aus
Überlieferung
Datierung
Erstdruck
Gemeinfrei
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
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Kommentar

Vorlage veraltet. Wird nicht mehr produktiv verwendet.

Werkgruppe
Werkbereich
Titel Das Hohelied
Textanfang Singen will ich den Hochgesang
Zitiert aus
Kommentar Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 763
Überlieferung T 1894 II, Bl. 68-71
Datierung vermutl. september bis dezember 1894
Erstdruck In Phanta's Schloß (1895)
Gemeinfrei seit
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
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