Im Traum: Unterschied zwischen den Versionen

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<poem>
<poem>
Blutroter Dampf ...
Wer möcht’ am trägen Stoffe kleben,
Rossegestampf ...
dem Fittich ward zu Weltenflug!
"Keine Szenen gemacht!
Ich lobe mir den süßen Trug,
Es harren
das heitre Spiel mit Welt und Leben.
{{Zeile|5}}und scharren
In tausend Buntgewande steck’ ich,
die Rosse der Nacht."
was geistig, leiblich mich umschwebt;
in jedem Ding mich selbst entdeck’ ich:
Nur der lebt Sich, der also lebt.


Ein lautloser Schatte,  
Mir ist, ich sei emporgestürmt
über Wiese und Matte
über stürzende Wasserfälle.
empor durch den Tann,
Mir engt’s die Brust, um mich getürmt
{{Zeile|10}}das Geistergespann ...  
ahn’ ich schützende Nebelwälle.
auf hartem Granit
Aus dumpfen Regionen,
der fliegende Huf ...
aus Welten von Zwergen,
fallender Wasser
trieb’s mich fort,
anhebender Ruf ...
ob auf ragenden Bergen
{{Zeile|15}}kältendes Hauchen ...
ein besserer Ort
wir tauchen
dem Freien, zu wohnen.
in neblige Dämpfe ...
donnernde Kämpfe
stürzender Wogen
{{Zeile|20}}um uns.


Da hinauf
Es weht mir um die Stirne
der Hufe Horn!
ein Hauch wie von Frauengewand ...
In die stäubende Schwemme,
Folgte zum steilen Firne
hoch über den Zorn
mir wer aus dem Unterland?
{{Zeile|25}}sich sträubender Kämme
Es beugt sich zu mir nieder
empor, empor!
ein liebes, schönes Gesicht ...
Aus klaffenden Wunden
Glaubst du, ich kenne dich nicht,
speit der Berg
Sängerin meiner Lieder?
sein Blut gegen euch.  
Du bist ja, wo ich bin,
{{Zeile|30}}Mit Wellenhunden
mein bester Kamerade!
fällt euch an
Bei dir trifft man kein Schade,  
der Haß der Höhe
meine Herzenskönigin!
wider das Tal.
Aber ihr fliegt,  
{{Zeile|35}}blutbespritzt,
unbesiegt
empor, empor.


Vor euch noch Farben
"Du flohest aus Finsternissen,
verzuckenden Lebens,  
mühsamen Mutes,  
{{Zeile|40}}auf grünlichem Grau
ich weiß es.
verrötender Schaum;
Du hast zerrissen
hinter euch Schwarz und Silber,  
dein Herz, dein heißes,
die Farben des Todes.
und bei dem Leuchten deines Blutes
Ein Schleier,
bist du den dunklen Pfad
{{Zeile|45}}an eure Mähnen geknüpft,  
weiter getreten,  
schleppt
bis du mich fandest
geisterhaft nach.
und mit tiefen Gebeten
Wie ein Busentuch
mich an dich bandest,  
zieht ihr hinauf ihn
daß ich dich liebgewann,
{{Zeile|50}}über des Bergs
dem ringenden Mann
zerrissene Brust.
ein treuer Kamerad.


Müde sprang sich
Du brachst uralte Ketten
der Sturzbach.  
und kamst heute Nacht
Nur mit den Lippen
in mein Reich.
{{Zeile|55}}wehrt er sich noch.
Ich will dich betten
Und bald
an meiner Brust
wird er zum Kind
warm und weich,
und hängt sich selber
in Träumepracht
spielend an eure Schweife.
deine Seele verzücken:
{{Zeile|60}}Weiter! Weiter!
Der ganzen Welt
Außen und Innen
sei deinem Sinnen
preisgestellt.
Magst sie schmücken
mit lachender Lust,
magst sie tausendfach
deuten und taufen,
mit Berg und Wald,
mit Wiese und Bach,
mit Wolken und Winden,
mit Sternenhaufen
dein Spiel treiben,
deinen Spaß finden;
brauchst nicht zu bleiben
an einem Ort;
magst die Welt
bis zu Ende laufen;
denn Hier oder Dort,
wo du auch seist,
wo sich das Himmelszelt
über die Erde spannt:
Das sei deinem Geist
Phantas Schloß genannt."


Da!
Schneller strömt des Blutes Fluß,
Winkende Gipfel
Wonne mich durchschauert,
im Sicheldämmer!
auf meinen Lippen dauert
Langsamer traben
sekundenlang dein süßer Kuß.
{{Zeile|65}}die Rosse der Nacht.  
Nun nimm mich ganz, und trage
Heilige Sterne
mein Fragen mit Geduld!
grüßen mich traut.
Für alles, was ich nun sage,  
Ewige Weiten
trägst du fortan die Schuld.
atmen mich an.
{{Zeile|5}}
{{Zeile|70}}Langsamer traben
die Rosse der Nacht,  
gehen,
zögern,  
stehen still.
 
{{Zeile|75}}Alles liegt nun
florumwoben.
Schlaf umschmiegt nun  
Unten, Oben.
Nur die fernen
{{Zeile|80}}Fälle toben.
 
Leise Geisterhände
tragen
mich vom Wagen
in des Schlummers
{{Zeile|85}}Traumgelände.
 
Aller Notdurft,
alles Kummers
ganz befreit,
fühle ich ein höhres Sein
{{Zeile|90}}mich durchweben.
Wird die tiefe Einsamkeit
mir auf alles Antwort geben?
</poem>
</poem>



Version vom 17. September 2025, 14:27 Uhr

Wer möcht’ am trägen Stoffe kleben,
dem Fittich ward zu Weltenflug!
Ich lobe mir den süßen Trug,
das heitre Spiel mit Welt und Leben.
In tausend Buntgewande steck’ ich,
was geistig, leiblich mich umschwebt;
in jedem Ding mich selbst entdeck’ ich:
Nur der lebt Sich, der also lebt.

Mir ist, ich sei emporgestürmt
über stürzende Wasserfälle.
Mir engt’s die Brust, um mich getürmt
ahn’ ich schützende Nebelwälle.
Aus dumpfen Regionen,
aus Welten von Zwergen,
trieb’s mich fort,
ob auf ragenden Bergen
ein besserer Ort
dem Freien, zu wohnen.

Es weht mir um die Stirne
ein Hauch wie von Frauengewand ...
Folgte zum steilen Firne
mir wer aus dem Unterland?
Es beugt sich zu mir nieder
ein liebes, schönes Gesicht ...
Glaubst du, ich kenne dich nicht,
Sängerin meiner Lieder?
Du bist ja, wo ich bin,
mein bester Kamerade!
Bei dir trifft man kein Schade,
meine Herzenskönigin!

"Du flohest aus Finsternissen,
mühsamen Mutes,
ich weiß es.
Du hast zerrissen
dein Herz, dein heißes,
und bei dem Leuchten deines Blutes
bist du den dunklen Pfad
weiter getreten,
bis du mich fandest
und mit tiefen Gebeten
mich an dich bandest,
daß ich dich liebgewann,
dem ringenden Mann
ein treuer Kamerad.

Du brachst uralte Ketten
und kamst heute Nacht
in mein Reich.
Ich will dich betten
an meiner Brust
warm und weich,
in Träumepracht
deine Seele verzücken:
Der ganzen Welt
Außen und Innen
sei deinem Sinnen
preisgestellt.
Magst sie schmücken
mit lachender Lust,
magst sie tausendfach
deuten und taufen,
mit Berg und Wald,
mit Wiese und Bach,
mit Wolken und Winden,
mit Sternenhaufen
dein Spiel treiben,
deinen Spaß finden;
brauchst nicht zu bleiben
an einem Ort;
magst die Welt
bis zu Ende laufen;
denn Hier oder Dort,
wo du auch seist,
wo sich das Himmelszelt
über die Erde spannt:
Das sei deinem Geist
Phantas Schloß genannt."

Schneller strömt des Blutes Fluß,
Wonne mich durchschauert,
auf meinen Lippen dauert
sekundenlang dein süßer Kuß.
Nun nimm mich ganz, und trage
mein Fragen mit Geduld!
Für alles, was ich nun sage,
trägst du fortan die Schuld.
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Kommentar Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S.
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