Das Hohelied: Unterschied zwischen den Versionen
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von Weltengeschlechtern das All durchtönt: | von Weltengeschlechtern das All durchtönt: | ||
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Siehe, ich maß auf dem Feuerfittich | Siehe, ich maß auf dem Feuerfittich | ||
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Und entgegen schwoll mir allewig | Und entgegen schwoll mir allewig | ||
aus unzählbarer Lebenden Brüsten: | aus unzählbarer Lebenden Brüsten: | ||
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Sahst du je ein liebendes Paar | Sahst du je ein liebendes Paar | ||
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sahst du je der Mutterlippe | sahst du je der Mutterlippe | ||
stummes Segengebet des Kindes | stummes Segengebet des Kindes | ||
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sahst du je die stille Flamme | sahst du je die stille Flamme | ||
heiliger Freundschaft im Kusse brennen - | heiliger Freundschaft im Kusse brennen - | ||
oh dann sang auch deine Seele, | oh dann sang auch deine Seele, | ||
stammelte schauernd die süße Gewißheit: | stammelte schauernd die süße Gewißheit: | ||
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Trunken bin ich von diesem Liede, | Trunken bin ich von diesem Liede, | ||
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Oh meine Brüder auf wandelnden Welten, | Oh meine Brüder auf wandelnden Welten, | ||
deren Sonnen purpurne Kränze | deren Sonnen purpurne Kränze | ||
{{Zeile| | {{Zeile|35}}um die Muttersonne des Alls | ||
ewigen Rhythmus’ Sturmschwung reißt, | ewigen Rhythmus’ Sturmschwung reißt, | ||
grüßen laßt euch durch Äonen! | grüßen laßt euch durch Äonen! | ||
Tausendgestaltiger Sterblicher Hymnen | Tausendgestaltiger Sterblicher Hymnen | ||
ein’ ich des Menschengeschlechts Dithyrambe. | ein’ ich des Menschengeschlechts Dithyrambe. | ||
{{Zeile| | {{Zeile|40}}    Auf allen Sternen ist Liebe! | ||
Liebe! Liebe! durch die Unendlichkeit | Liebe! Liebe! durch die Unendlichkeit | ||
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in das Nichts, die Nacht der Herzen | in das Nichts, die Nacht der Herzen | ||
deine glühenden Wogen schlagend - | deine glühenden Wogen schlagend - | ||
{{Zeile| | {{Zeile|45}}hebend aus dem Dumpfen das Heilige - | ||
aus dem Chaos rettend und schaffend den Gott - | aus dem Chaos rettend und schaffend den Gott - | ||
Gottheit auf die Stirn dem Menschen | Gottheit auf die Stirn dem Menschen | ||
prägend und ins schimmernde Äug’ ihm | prägend und ins schimmernde Äug’ ihm | ||
Gottheit senkend - Liebe! Liebe! | Gottheit senkend - Liebe! Liebe! | ||
{{Zeile| | {{Zeile|50}}    Auf allen Sternen ist Liebe! | ||
Liebe! Liebe! bist du die Mutter auch | Liebe! Liebe! bist du die Mutter auch | ||
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wer erträgt um dich nicht alles, | wer erträgt um dich nicht alles, | ||
stolzen Mutes, ein Held, ein Ringer! | stolzen Mutes, ein Held, ein Ringer! | ||
{{Zeile| | {{Zeile|55}}Heilig sprechen wir Haß und Leid und Schuld, | ||
denn wir lassen von dir nicht, oh Liebe! | denn wir lassen von dir nicht, oh Liebe! | ||
Träges Verschlummern lockt uns nicht, | Träges Verschlummern lockt uns nicht, | ||
Leben und Tod soll ewig dauern, | Leben und Tod soll ewig dauern, | ||
denn wir wollen dich ewig, oh Liebe! | denn wir wollen dich ewig, oh Liebe! | ||
{{Zeile| | {{Zeile|60}}    Auf allen Sternen ist Liebe! | ||
Erden werden zu Eis erstarren | Erden werden zu Eis erstarren | ||
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Sonnen die eigene Brut verschlingen, | Sonnen die eigene Brut verschlingen, | ||
tausend Geschlechter und aber tausend | tausend Geschlechter und aber tausend | ||
{{Zeile| | {{Zeile|65}}werden in Staub und Asche fallen: | ||
Aber von Ewigkeit zu Ewigkeit | Aber von Ewigkeit zu Ewigkeit | ||
bricht aus unzähliger Lebenden Brüsten | bricht aus unzähliger Lebenden Brüsten | ||
dreimal heilig und hehr das hohe Lied, | dreimal heilig und hehr das hohe Lied, | ||
dreimal heilig des Lebens Preisgesang: | dreimal heilig des Lebens Preisgesang: | ||
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| Werkgruppe = Lyrik | |||
|Titel = Das Hohelied | | Werkbereich = In Phantas Schloß | ||
|Textanfang = Singen will ich den Hochgesang | | Titel = Das Hohelied | ||
| | | Textanfang = Singen will ich den Hochgesang | ||
|Kommentar = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], S. 763 | | Zitiert_aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0036.png|S. 36]], [[:Datei:Sa1-0037.png|S. 37]], [[:Datei:Sa1-0038.png|S. 38]] | ||
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|Erstdruck = [[In Phanta's Schloß (1895)]] | | Kommentar_raw = SA-01, 763-764 | ||
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Aktuelle Version vom 23. Februar 2026, 14:51 Uhr
Singen will ich den Hochgesang,
den mit Sterngoldlettern
der heilige Geist der Erkenntnis
in den schwarzen Riesenschiefer
5nächtigen Firmaments
leuchtend gegraben,
den jauchzenden Hochgesang,
des Kehrreim von zahllosen Chören
von Weltengeschlechtern das All durchtönt:
10 Auf allen Sternen ist Liebe!
Siehe, ich maß auf dem Feuerfittich
rascher Kometen die Bahnen der Ewigkeit,
durch tausend Planetenreigen
flog ich zitternden Geistes,
15spähte und lauschte hinab
auf die kreisenden Bälle
mit überirdischen Sehnsuchtsinnen.
Und entgegen schwoll mir allewig
aus unzählbarer Lebenden Brüsten:
20 Auf allen Sternen ist Liebe!
Sahst du je ein liebendes Paar
sich vereinen zu seligem Kuß,
sahst du je der Mutterlippe
stummes Segengebet des Kindes
25reinen Scheitel inbrünstig weihen,
sahst du je die stille Flamme
heiliger Freundschaft im Kusse brennen -
oh dann sang auch deine Seele,
stammelte schauernd die süße Gewißheit:
30 Auf allen Sternen ist Liebe!
Trunken bin ich von diesem Liede,
das aus der Harfe der Ewigkeit hallt.
Oh meine Brüder auf wandelnden Welten,
deren Sonnen purpurne Kränze
35um die Muttersonne des Alls
ewigen Rhythmus’ Sturmschwung reißt,
grüßen laßt euch durch Äonen!
Tausendgestaltiger Sterblicher Hymnen
ein’ ich des Menschengeschlechts Dithyrambe.
40 Auf allen Sternen ist Liebe!
Liebe! Liebe! durch die Unendlichkeit
ausgegossen, ein Strom erlösenden Lichts,
in das Nichts, die Nacht der Herzen
deine glühenden Wogen schlagend -
45hebend aus dem Dumpfen das Heilige -
aus dem Chaos rettend und schaffend den Gott -
Gottheit auf die Stirn dem Menschen
prägend und ins schimmernde Äug’ ihm
Gottheit senkend - Liebe! Liebe!
50 Auf allen Sternen ist Liebe!
Liebe! Liebe! bist du die Mutter auch
aller Schmerzen, aller der Lebensqual,
wer erträgt um dich nicht alles,
stolzen Mutes, ein Held, ein Ringer!
55Heilig sprechen wir Haß und Leid und Schuld,
denn wir lassen von dir nicht, oh Liebe!
Träges Verschlummern lockt uns nicht,
Leben und Tod soll ewig dauern,
denn wir wollen dich ewig, oh Liebe!
60 Auf allen Sternen ist Liebe!
Erden werden zu Eis erstarren
und ineinanderstürzen,
Sonnen die eigene Brut verschlingen,
tausend Geschlechter und aber tausend
65werden in Staub und Asche fallen:
Aber von Ewigkeit zu Ewigkeit
bricht aus unzähliger Lebenden Brüsten
dreimal heilig und hehr das hohe Lied,
dreimal heilig des Lebens Preisgesang:
70 Auf allen Sternen ist Liebe!
| Lyrik | In Phantas Schloß |
| Widmung | Vorspruch | Prolog | Auffahrt | Im Traum | Phantas Schloß | Sonnenaufgang Wolkenspiele: I | II | III | IV | V | VI |
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Das Hohelied |
| Textanfang | Singen will ich den Hochgesang |
| Zitiert aus | Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 36, S. 37, S. 38 |
| Kommentar aus | Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 763, S. 764 |
| Überlieferung | T 1894-II, Bl. 68, |
| Datierung | vermutlich August 1894 |
| Erstdruck | In Phanta's Schloß (1895) |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-01-0017 |