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Ich lobe mir den süßen Trug,  
Ich lobe mir den süßen Trug,  
das heitre Spiel mit Welt und Leben.
das heitre Spiel mit Welt und Leben.
In tausend Buntgewande steck’ ich,  
{{Zeile|5}}In tausend Buntgewande steck’ ich,  
was geistig, leiblich mich umschwebt;
was geistig, leiblich mich umschwebt;
in jedem Ding mich selbst entdeck’ ich:  
in jedem Ding mich selbst entdeck’ ich:  
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Mir ist, ich sei emporgestürmt  
Mir ist, ich sei emporgestürmt  
über stürzende Wasserfälle.
{{Zeile|10}}über stürzende Wasserfälle.
Mir engt’s die Brust, um mich getürmt  
Mir engt’s die Brust, um mich getürmt  
ahn’ ich schützende Nebelwälle.
ahn’ ich schützende Nebelwälle.
Aus dumpfen Regionen,  
Aus dumpfen Regionen,  
aus Welten von Zwergen,  
aus Welten von Zwergen,  
trieb’s mich fort,
{{Zeile|15}}trieb’s mich fort,
ob auf ragenden Bergen  
ob auf ragenden Bergen  
ein besserer Ort  
ein besserer Ort  
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Es weht mir um die Stirne
Es weht mir um die Stirne
ein Hauch wie von Frauengewand ...
{{Zeile|20}}ein Hauch wie von Frauengewand...
Folgte zum steilen Firne  
Folgte zum steilen Firne  
mir wer aus dem Unterland?
mir wer aus dem Unterland?
Es beugt sich zu mir nieder  
Es beugt sich zu mir nieder  
ein liebes, schönes Gesicht ...
ein liebes, schönes Gesicht...
Glaubst du, ich kenne dich nicht,
{{Zeile|25}}Glaubst du, ich kenne dich nicht,
Sängerin meiner Lieder?
Sängerin meiner Lieder?
Du bist ja, wo ich bin,
Du bist ja, wo {{gesperrt|ich}} bin,
mein bester Kamerade!
mein bester Kamerade!
Bei dir trifft man kein Schade,  
Bei dir trifft man kein Schade,  
meine Herzenskönigin!
{{Zeile|30}}meine Herzenskönigin!


"Du flohest aus Finsternissen,  
"Du flohest aus Finsternissen,  
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ich weiß es.
ich weiß es.
Du hast zerrissen
Du hast zerrissen
dein Herz, dein heißes,
{{Zeile|35}}dein Herz, dein heißes,
und bei dem Leuchten deines Blutes  
und bei dem Leuchten deines Blutes  
bist du den dunklen Pfad  
bist du den dunklen Pfad  
weiter getreten,  
weiter getreten,  
bis du mich fandest
bis du mich fandest
und mit tiefen Gebeten  
{{Zeile|40}}und mit tiefen Gebeten  
mich an dich bandest,  
mich an dich bandest,  
daß ich dich liebgewann,  
daß ich dich liebgewann,  
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ein treuer Kamerad.
ein treuer Kamerad.


Du brachst uralte Ketten  
{{Zeile|45}}Du brachst uralte Ketten  
und kamst heute Nacht  
und kamst heute Nacht  
in mein Reich.
in mein Reich.
Ich will dich betten  
Ich will dich betten  
an meiner Brust
an meiner Brust
warm und weich,
{{Zeile|50}}warm und weich,
in Träumepracht  
in Träumepracht  
deine Seele verzücken:  
deine Seele verzücken:  
Der ganzen Welt  
Der ganzen Welt  
Außen und Innen
Außen und Innen
sei deinem Sinnen  
{{Zeile|55}}sei deinem Sinnen  
preisgestellt.
preisgestellt.
Magst sie schmücken  
Magst sie schmücken  
mit lachender Lust,  
mit lachender Lust,  
magst sie tausendfach
magst sie tausendfach
deuten und taufen,  
{{Zeile|60}}deuten und taufen,  
mit Berg und Wald,  
mit Berg und Wald,  
mit Wiese und Bach,  
mit Wiese und Bach,  
mit Wolken und Winden,  
mit Wolken und Winden,  
mit Sternenhaufen
mit Sternenhaufen
dein Spiel treiben,
{{Zeile|65}}dein Spiel treiben,
deinen Spaß finden;  
deinen Spaß finden;  
brauchst nicht zu bleiben  
brauchst nicht zu bleiben  
an einem Ort;
an einem Ort;
magst die Welt  
magst die Welt  
bis zu Ende laufen;
{{Zeile|70}}bis zu Ende laufen;
denn Hier oder Dort,  
denn Hier oder Dort,  
wo du auch seist,  
wo du auch seist,  
wo sich das Himmelszelt  
wo sich das Himmelszelt  
über die Erde spannt:  
über die Erde spannt:  
Das sei deinem Geist
{{Zeile|75}}Das sei deinem Geist
Phantas Schloß genannt."
Phantas Schloß genannt."


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Wonne mich durchschauert,  
Wonne mich durchschauert,  
auf meinen Lippen dauert  
auf meinen Lippen dauert  
sekundenlang dein süßer Kuß.
{{Zeile|80}}sekundenlang dein süßer Kuß.
Nun nimm mich ganz, und trage  
Nun nimm mich ganz, und trage  
mein Fragen mit Geduld!
mein Fragen mit Geduld!
Für alles, was ich nun sage,  
Für alles, was ich nun sage,  
trägst du fortan die Schuld.
trägst du fortan die Schuld.
{{Zeile|5}}
</poem>
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{{ÜbersichtGedichtband|In Phantas Schloß}}
{{ÜbersichtLYR|In Phantas Schloß}}


== Kommentar ==
{{InformationLYR
{{Gedichtinformation
| Werkgruppe = Lyrik
|Titel =  
| Werkbereich = In Phantas Schloß
|Textanfang =  
| Titel = Im Traum
|zitiert aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], S.  
| Textanfang = Wer möcht' am trägen Stoffe kleben
|Kommentar = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], S.  
| Zitiert_aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0015.png|S. 15]], [[:Datei:Sa1-0016.png|S. 16]], [[:Datei:Sa1-0017.png|S. 17]]
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| Zitiert_aus_raw = SA-01, 15-17
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| Kommentar = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0752.png|S. 752]], [[:Datei:Sa1-0753.png|S. 753]]
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}}
}}


[[Kategorie:Gedicht]]
[[Kategorie:Gedicht]]
[[Kategorie:In Phantas Schloß]]

Aktuelle Version vom 23. Februar 2026, 14:20 Uhr

Wer möcht’ am trägen Stoffe kleben,
dem Fittich ward zu Weltenflug!
Ich lobe mir den süßen Trug,
das heitre Spiel mit Welt und Leben.
5In tausend Buntgewande steck’ ich,
was geistig, leiblich mich umschwebt;
in jedem Ding mich selbst entdeck’ ich:
Nur der lebt Sich, der also lebt.

Mir ist, ich sei emporgestürmt
10über stürzende Wasserfälle.
Mir engt’s die Brust, um mich getürmt
ahn’ ich schützende Nebelwälle.
Aus dumpfen Regionen,
aus Welten von Zwergen,
15trieb’s mich fort,
ob auf ragenden Bergen
ein besserer Ort
dem Freien, zu wohnen.

Es weht mir um die Stirne
20ein Hauch wie von Frauengewand...
Folgte zum steilen Firne
mir wer aus dem Unterland?
Es beugt sich zu mir nieder
ein liebes, schönes Gesicht...
25Glaubst du, ich kenne dich nicht,
Sängerin meiner Lieder?
Du bist ja, wo ich bin,
mein bester Kamerade!
Bei dir trifft man kein Schade,
30meine Herzenskönigin!

"Du flohest aus Finsternissen,
mühsamen Mutes,
ich weiß es.
Du hast zerrissen
35dein Herz, dein heißes,
und bei dem Leuchten deines Blutes
bist du den dunklen Pfad
weiter getreten,
bis du mich fandest
40und mit tiefen Gebeten
mich an dich bandest,
daß ich dich liebgewann,
dem ringenden Mann
ein treuer Kamerad.

45Du brachst uralte Ketten
und kamst heute Nacht
in mein Reich.
Ich will dich betten
an meiner Brust
50warm und weich,
in Träumepracht
deine Seele verzücken:
Der ganzen Welt
Außen und Innen
55sei deinem Sinnen
preisgestellt.
Magst sie schmücken
mit lachender Lust,
magst sie tausendfach
60deuten und taufen,
mit Berg und Wald,
mit Wiese und Bach,
mit Wolken und Winden,
mit Sternenhaufen
65dein Spiel treiben,
deinen Spaß finden;
brauchst nicht zu bleiben
an einem Ort;
magst die Welt
70bis zu Ende laufen;
denn Hier oder Dort,
wo du auch seist,
wo sich das Himmelszelt
über die Erde spannt:
75Das sei deinem Geist
Phantas Schloß genannt."

Schneller strömt des Blutes Fluß,
Wonne mich durchschauert,
auf meinen Lippen dauert
80sekundenlang dein süßer Kuß.
Nun nimm mich ganz, und trage
mein Fragen mit Geduld!
Für alles, was ich nun sage,
trägst du fortan die Schuld.


Lyrik | In Phantas Schloß
Widmung | Vorspruch | Prolog | Auffahrt | Im Traum | Phantas Schloß | Sonnenaufgang

Wolkenspiele: I | II | III | IV | V | VI
Sonnenuntergang | Homo Imperator | Kosmogonie | Das Hohelied | Zwischen Weinen und Lachen | Im Tann | Der zertrümmerte Spiegel | Das Kreuz | Die Versuchung | Der Nachtwandler | Andre Zeiten, andre Drachen | Die Weide am Bache | Abenddämmerung | Augustnacht | Mädchentränen | Landregen | Der beleidigte Pan | Mondaufgang
Mondbilder: I. | II. | III. | IV.
Erster Schnee | Talfahrt | Epilog
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | In Phantas Schloß - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich In Phantas Schloß
Zyklus
Zyklusnummer
Titel Im Traum
Textanfang Wer möcht' am trägen Stoffe kleben
Zitiert aus Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 15, S. 16, S. 17
Kommentar aus Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 752, S. 753
Überlieferung T 1894-II, Bl. 64ff.
Datierung vermutlich August 1894
Erstdruck In Phanta's Schloß (1895)
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-01-0005