Liebeslied an Phanta: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 5. April 2026, 16:11 Uhr
Phanta, traute Weggenossin,
die du mich, den Menschen, freitest,
die du, Jovis schönste Sprossin.
mich zum Gast der Götter weihtest.
5 goldne Blitzes-Saiten reih’ ich
auf die graue Wolkengambe,
deiner Lieb’ und Schönheit weih' ich
eine trunkne Dithyrambe.
Dunkle Straßen trat ich träumend,
10 Schönheitsdurst im Jünglingsherzen,
rings den irren Pfad umsäumend,
Hackten Glaubens-Weihrauchkerzen,
brannten frommer Ideale
märumrankte Wegaltäre -
15 Mondbewohner Teiche Schale
trank der Schwermut heiße Zähre.
Aber mocht’ an all den Giften
mein Gemüt sich süß berauschen,
klomm ich doch zu höhren Triften,
20 kaltem Sturmwort scheu zu lauschen.
Und er wandte nicht vergebens
an das Kind sein rauhes Prahlen
von des wahren Erdenlebens
heißer Lust und wilden Qualen.
25 Nieder stieg zu Tal ich wieder,
sang Valet dem Märchenschimmer,
hing mein Ränzel um die Glieder
und verließ das Tal auf immer,
um in unbekannte Fernen
30 hoffnungsbang den Schritt zu tragen.
an unzähligen Zisternen
nach der Wahrheit Trank zu fragen.
Doch mir log der Bronnen Klarheit,
machte mir das Herz nicht heiter.
35 Wahrheit!? rief ich, was ist Wahrheit? -:
Ward getäuscht und irrte weiter,
bis den eigenen Schmerzgedanken
alles ward zu Schmerz und Leide
und Umdüstrung ihre Pranken
40 schlug in meine Eingeweide.
Damals war’s, daß müd vom Streiten
ich erlag der Zweifel Meute.
Weibischen Empfindsamkeiten
leichte, preisgegebne Beute,
45 sang ich in versungnen Weisen
unfruchtbare Wehgefühle,
tappend in des Alltags Gleisen,
tief im Herdenvolk-Gewühle.
Und ein zweites "damals" tagte,
50 als ich dich zuerst erschaute,
Sehnsucht und Begeistrung jagte
wie ein Sturm durch meine Laute.
In dem Buch des Lebens las ich,
ein erkorner Eingeweihter,
55 nicht am Fuße nur mehr saß ich
der ersehnten Himmelsleiter.
Kosend strichst du mir die Stirne,
und mir ward so leicht und wonnig,
neues Sein in Herz und Hirne
60 stieg empor mir, morgensonnig.
So manchen Lebenstag schon säum’ ich,
an dich, mein herrlich Lieb, geschmiegt,
und wunderbare Träume träum’ ich,
wenn mir dein Arm im Nacken liegt.
65 So sah ich heut die Nacht durchschlagen
geschwinder Lohe breite Spur:
Es überstob auf goldnem Wagen
den Ball der Genius der Kultur.
Ein König, stolzen Angesichtes,
70 durchmaß er seiner Völker Reich,
es fiel der Purpur seines Lichtes
auf mancher Denkerstirne Bleich.
In hoch erhobner Rechten schwang er
der Wahrheit weißen Fackelbrand,
75 und göttliche Gesänge sang er,
ein Selierfürst, von Land zu Land.
Da warf ich mich im Traum, Geliebte,
auf dein geflügelt Götterroß
und spornt’ es, daß es Funken stiebte,
80 und wie ein Blitz die Nacht durchschoß,
bis daß es hart an der Quadrige
dampfend emporstieg und mein Schritt
hinübertrat [bricht ab]
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zu In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Liebeslied an Phanta |
| Textanfang | – |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 96, 97, 98, 99 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 792, 793, 794 |
| Überlieferung | T 1894-If. und |
| Datierung | vermutlich August 1894 |
| Erstdruck | SA Band I Lyrik 1887-1905 |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-02-0027 |