Johannisfeuer: Unterschied zwischen den Versionen
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{{Zeile|5}} | Auf tausend Gipfeln flammen Feuer auf, | ||
als spräche diese Nacht der Berge Schar | |||
die rote Garbensprache der Vulkane. | |||
Die Älpler feiern wohl das Sonnwendfest. | |||
{{Zeile|5}}Wie wär’ es, Phanta, feierten auch wir | |||
ein Fest heut Nacht und sprängen Hand in Hand | |||
helljauchzend durch den Brand getürmter Scheiter? | |||
Du wirfst gewährend mir den Goldstab zu | |||
Wohlan! | |||
{{Zeile|10}}              Aus Höhn und Tiefen Geisterhände | |||
herab, herauf, geschäftig bringt das Holz | |||
und schichtet es, und legt ihm Lohe ein, | |||
und facht sie an, daß sie mit Purpursträhnen | |||
der Wolken scheue Jagd noch schneller peitsche! | |||
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{{Zeile|15}}Dank, Phanta, Dank! Du liehst mir Zauberkraft. | |||
Ich rief, und schau! die Dunkel öffnen sich. | |||
Ein schemenhaftes Volk ist rings erwacht. | |||
Giganten. Gnomen, Elben, Feen und Hexen... | |||
und jeder schleppt sein Scheit herbei. | |||
Titan! | |||
{{Zeile|20}}Laß sehn! wo stahlst du diesen Eichenklotz? | |||
"Dort unten, Herr, im Tal! Sie opferten | |||
auf ihm so manchen, der mit uns verwandt, | |||
die Zwerggeschlechter! War’s nicht unser Ahn, | |||
der ihrem Herd den Funken gab? und kam | |||
{{Zeile|25}}von unsrer Kraft nicht jede große Gabe | |||
den Nebelsöhnen?... Dies hier ist ihr Dank, | |||
mit unserm Blut dem Opferblock vererbt!" | |||
Und ihr, spottäugige Gnomen, sagt: woher? | |||
Gar feine Bohlen schichtet ihr mit Kunst. | |||
{{Zeile|30}}"Wir sind von weit und nah! Von Menschenstirnen | |||
ist all das Bretterzeug entwendet." | |||
Wahrlich | |||
ein mühsam Werk! | |||
"Oh, schätz’ uns nicht zu hoch: | |||
{{Zeile|35}}Du glaubst nicht, Herr, wie reich der Vorrat ist." | |||
Vor meinen Augen steigt der Stoß. | |||
Du, Kind, | |||
das dort am Boden kniend, scheu ein Bündel | |||
ins Scheiter-Fachwerk schiebt, du zarte Fee, | |||
{{Zeile|40}}wie nennst du dich und was ist deine Gabe? | |||
Du schweigst. Du wendest dich. Du fliehst. Und ach! | |||
Nun kenn’ ich dich! Du bist ein Engel wohl, | |||
der Märchen mir in meine Wiege sang, | |||
und was du hier verborgen, ist das Buch, | |||
{{Zeile|45}}darein mein Kindergriffel Paradiese | |||
gezeichnet und mit ungelenken Runen | |||
der Knabenlieder wirren Text geritzt. | |||
Du tatest recht. Nur Toren wähnen, daß | |||
sich dürres Laub durch Tränen neu belebe. | |||
{{Zeile|50}}Willkommen Hexe, dort auf schnellem Stiel! | |||
Du machst mich lachen. Lachen macht gesund. | |||
Was greifen deine Finger in die Leere? | |||
Man meint, du zögst an unsichtbarer Schnur | |||
papierner Drachen einen durch die Luft. | |||
{{Zeile|55}}"Du rätst es halb! Vom fernen Horizont | |||
hab’ ich die schwarze Wolke hergeholt, | |||
damit ihr Blitz den Stoß entzünde." | |||
Phanta! | |||
Wo bist du? Liebchen komm! die Fackel fiel: | |||
{{Zeile|60}}die Lohe schlägt. Nun auf, zu Tanz und Lust!... | |||
Vertrau ich dir? | |||
"Du traust mir nie genug!" | |||
Wohlan denn!... Schau auf rotem Rauch und Dunst | |||
im Riesenriß die Schatten unsres Leibs!... | |||
{{Zeile|65}}Hinüber, herüber, in jauchzender Hast, | |||
glutenumworben, doch nimmer erfaßt! | |||
Wir spotten zusammen | |||
der heißen Gefahr, | |||
in spielenden Flammen | |||
{{Zeile|70}}    ein lachendes Paar. | |||
Hinüber, herüber, in fröhlichem Trutz, | |||
in mitternachtfeuchter Gewandungen Schutz! | |||
Es bauscht sich der Mantel | |||
im wehenden Bronst: | |||
{{Zeile|75}}    Die Flammen-Tarantel | |||
zersticht ihn umsonst. | |||
Hinüber, herüber, in jauchzender Hast! | |||
Es qualmt und verascht der zerstürzende Prast. | |||
Befreit ward die Seele | |||
{{Zeile|80}}    nach uraltem Brauch | |||
von Schlacken und Fehle | |||
im heiligen Hauch. | |||
Die Glut verlischt. Ein zuckender Leichnam, quillt | |||
des Rauches weiße Schwere um den Rest | |||
{{Zeile|85}}und lockt im todesschwarzen Meer der Nacht | |||
längst lauernde gefräßige Nebelhaie. | |||
Mit feiger Gier umschwimmen sie die Beute. ... | |||
Mir aber rührt die Augen Phantas Hand, | |||
und still versinkt die ganze Welt um mich. | |||
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Aktuelle Version vom 26. Februar 2026, 11:38 Uhr
Auf tausend Gipfeln flammen Feuer auf,
als spräche diese Nacht der Berge Schar
die rote Garbensprache der Vulkane.
Die Älpler feiern wohl das Sonnwendfest.
5Wie wär’ es, Phanta, feierten auch wir
ein Fest heut Nacht und sprängen Hand in Hand
helljauchzend durch den Brand getürmter Scheiter?
Du wirfst gewährend mir den Goldstab zu
Wohlan!
10 Aus Höhn und Tiefen Geisterhände
herab, herauf, geschäftig bringt das Holz
und schichtet es, und legt ihm Lohe ein,
und facht sie an, daß sie mit Purpursträhnen
der Wolken scheue Jagd noch schneller peitsche!
· · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · ·
15Dank, Phanta, Dank! Du liehst mir Zauberkraft.
Ich rief, und schau! die Dunkel öffnen sich.
Ein schemenhaftes Volk ist rings erwacht.
Giganten. Gnomen, Elben, Feen und Hexen...
und jeder schleppt sein Scheit herbei.
Titan!
20Laß sehn! wo stahlst du diesen Eichenklotz?
"Dort unten, Herr, im Tal! Sie opferten
auf ihm so manchen, der mit uns verwandt,
die Zwerggeschlechter! War’s nicht unser Ahn,
der ihrem Herd den Funken gab? und kam
25von unsrer Kraft nicht jede große Gabe
den Nebelsöhnen?... Dies hier ist ihr Dank,
mit unserm Blut dem Opferblock vererbt!"
Und ihr, spottäugige Gnomen, sagt: woher?
Gar feine Bohlen schichtet ihr mit Kunst.
30"Wir sind von weit und nah! Von Menschenstirnen
ist all das Bretterzeug entwendet."
Wahrlich
ein mühsam Werk!
"Oh, schätz’ uns nicht zu hoch:
35Du glaubst nicht, Herr, wie reich der Vorrat ist."
Vor meinen Augen steigt der Stoß.
Du, Kind,
das dort am Boden kniend, scheu ein Bündel
ins Scheiter-Fachwerk schiebt, du zarte Fee,
40wie nennst du dich und was ist deine Gabe?
Du schweigst. Du wendest dich. Du fliehst. Und ach!
Nun kenn’ ich dich! Du bist ein Engel wohl,
der Märchen mir in meine Wiege sang,
und was du hier verborgen, ist das Buch,
45darein mein Kindergriffel Paradiese
gezeichnet und mit ungelenken Runen
der Knabenlieder wirren Text geritzt.
Du tatest recht. Nur Toren wähnen, daß
sich dürres Laub durch Tränen neu belebe.
50Willkommen Hexe, dort auf schnellem Stiel!
Du machst mich lachen. Lachen macht gesund.
Was greifen deine Finger in die Leere?
Man meint, du zögst an unsichtbarer Schnur
papierner Drachen einen durch die Luft.
55"Du rätst es halb! Vom fernen Horizont
hab’ ich die schwarze Wolke hergeholt,
damit ihr Blitz den Stoß entzünde."
Phanta!
Wo bist du? Liebchen komm! die Fackel fiel:
60die Lohe schlägt. Nun auf, zu Tanz und Lust!...
Vertrau ich dir?
"Du traust mir nie genug!"
Wohlan denn!... Schau auf rotem Rauch und Dunst
im Riesenriß die Schatten unsres Leibs!...
65Hinüber, herüber, in jauchzender Hast,
glutenumworben, doch nimmer erfaßt!
Wir spotten zusammen
der heißen Gefahr,
in spielenden Flammen
70 ein lachendes Paar.
Hinüber, herüber, in fröhlichem Trutz,
in mitternachtfeuchter Gewandungen Schutz!
Es bauscht sich der Mantel
im wehenden Bronst:
75 Die Flammen-Tarantel
zersticht ihn umsonst.
Hinüber, herüber, in jauchzender Hast!
Es qualmt und verascht der zerstürzende Prast.
Befreit ward die Seele
80 nach uraltem Brauch
von Schlacken und Fehle
im heiligen Hauch.
Die Glut verlischt. Ein zuckender Leichnam, quillt
des Rauches weiße Schwere um den Rest
85und lockt im todesschwarzen Meer der Nacht
längst lauernde gefräßige Nebelhaie.
Mit feiger Gier umschwimmen sie die Beute. ...
Mir aber rührt die Augen Phantas Hand,
und still versinkt die ganze Welt um mich.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zu In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Johannisfeuer |
| Textanfang | – |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 82, 83, 84 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 785, 786 |
| Überlieferung | T 1894-I, Bl. 92ff. und loses Doppelblatt |
| Datierung | vermutlich August 1894 |
| Erstdruck | SA Band I Lyrik 1887-1905 |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-02-0017 |