Die Türme (Nachlese zur Galgenpoesie)
Die Häusertürme von Neu-Berlin
kamen einmal zusammen,
dieweil es ihnen geboten schien,
sich tätig zu entflammen.
5Das Auge nämlich hatte sie
beschimpft in seiner Zeitung:
Es sprach von Hydrozephalie
moderner Hausbereitung.
Das ließ die eitle Zunft nicht ruhn,
10sie fingen an zu toben.
(Sie hatten nämlich nichts zu tun
auf ihren Dächern droben.)
"Wir stellen dar den neuen Geist!"
mit Fug und Recht sie riefen.
15"Den Bürgerstolz, der aufwärts weist
aus herrschaftlichen Tiefen.
Das Auge, dieses dumme Tier,
mag auf sich selber schreiben.
Wir sind Wahrzeichen. Wir sind Wir
20und werden Wir verbleiben!"
Die Giebel wackelten dazu
mit ihren Dekorationen
und schrien: "Ja, laß uns nur in Ruh: -
sonst werden wir dich nicht schonen!"
25Die Obelisken auch sodann,
die dickbefransten Säulen, -
sie alle drohten wie ein Mann:
"Wir werden dich schon verbeulen!"
Und aufgeblasenen Kröten gleich
30hupften zurück die Türme, -
Hanswurste nach wie vor im Reich
der Lenz- und Winterstürme.
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Die Türme |
| Textanfang | Die Häusertürme von Neu-Berlin |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 166-167 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 714-715 |
| Überlieferung | Doppelblatt, handschriftlich, im Nachlaß |
| Datierung | Der SA-Kommentar schreibt: Blatt ist undatiert. Aufgrund der Schrift (Buchstabe z) nach Ende Dezember 1902 geschrieben. |
| Druck | Der Gingganz (1919), S. 27 f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | – |
Kommentar
Dieses Gedicht wurde in der Stuttgarter Ausgabe zuerst in SA Band I Lyrik 1887-1905 im Werkbereich Zyklische Dichtungen publiziert und erhält von dort seine ID -> Die Türme.