Der Regenbogen/Volltext

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Der Regenbogen

An die grauseidene Wolkenwand hat ein himmlischer Nimrod, müde der Jagd, den glänzenden Bogen gelehnt. Köstlich schimmern die eingelegten Perlmutter-Reihen der edlen Waffe, weitgeründet, über die staunenden Lande hin. Sag’ mir, Phanta, wes ist der Bogen? Ist er Dianas oder Apolls?

"Es ist der Bogen Venus Uranias! Ihr Knabe Eros ist in die Einsamkeit murrend geflohen, da ihn die Menschen im Wahnsinn einst wie einen Teufel ausräucherten. Trauernd irrt seitdem seine erhabene Mutter unter den Göttern umher, in der zarten Hand den schweren Bogen. den ihr zu spannen unmöglich.

Oh fühlst du Götterkräfte, so spanne du das Erz und schieße den Pfeil der Schönheit der Menschheit tief ins Herz! Daß zehrende Sehnsucht sie peinigt, vom Alltag wegzutreten und statt vor toten Götzen im Tempel der Schönheit zu beten, daß sie ein neuer Glaube den Pfad der Größe lenkt, ein Geschlecht von Sonnensöhnen, das adelt, wenn es denkt..."

Ich recke mich auf, ich fühle mich wachsen, ich strecke den Arm nach dem schimmernden Bogen - aber in weichende Wolken greift die unheilige Hand. Der Bogen ist fort, und aus weichenden Wolken tönt ein strenges: "Noch nicht!"