CMO:Urheberrechte

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Schutz von wissenschaftlichen Ausgaben und nachgelassenen Werken nach §§ 70 und 71 UrhG

Überblick

Im deutschen Urheberrechtsgesetz (UrhG) finden sich in den §§ 70 und 71 spezielle Regelungen für Ausgaben bereits gemeinfreier Texte beziehungsweise erstmals veröffentlichte Nachlasswerke. Diese Vorschriften schaffen sogenannte verwandte Schutzrechte („Leistungsschutzrechte“) neben dem eigentlichen Urheberrecht.

§ 70 UrhG – Wissenschaftliche Ausgaben

Nach § 70 Abs. 1 UrhG werden Ausgaben urheberrechtlich nicht (mehr) geschützter Werke dann schutzfähig, wenn sie das Ergebnis einer „wissenschaftlich sichtenden Tätigkeit“ sind und sich wesentlich von bisherigen Ausgaben unterscheiden. Absatz 3 bestimmt die Schutzdauer: Das Recht erlischt **30 Jahre nach dem Erscheinen** der Ausgabe bzw. – wenn sie innerhalb dieser Frist nicht erschienen ist – 30 Jahre nach ihrer Herstellung. Die Schutzwirkung betrifft nicht das ursprüngliche Werk (das gemeinfrei ist), sondern die konkrete Edition, also ihre Redaktion, Auswahl, Textgestalt und den wissenschaftlichen Apparat.

Quellen:

§ 71 UrhG – Nachgelassene Werke (Editio principes)

§ 71 UrhG betrifft Werke, die nach Ablauf der urheberrechtlichen Schutzfrist erstmals veröffentlicht oder öffentlich wiedergegeben werden (sogenannte „editio principes“). Absatz 3 regelt die Schutzdauer: Das Recht erlischt 25 Jahre nach dem Erscheinen des erstmals veröffentlichten Werkes oder – falls die erste öffentliche Wiedergabe früher erfolgte – 25 Jahre nach dieser. Schutzfähig ist nur die erstmalige Veröffentlichung eines zuvor unveröffentlichten Werkes, nicht dessen Inhalt an sich.

Quellen:

Unterschiede im Überblick

Merkmal § 70 UrhG (wissenschaftliche Ausgabe) § 71 UrhG (Nachlasswerk)
Gegenstand Neuherausgabe eines bereits gemeinfreien Werkes Erstveröffentlichung eines bislang unveröffentlichten Werkes
Schutzgrund wissenschaftliche Bearbeitung, Sichtung, Edition Erstveröffentlichung („Hebung“)
Schutzdauer 30 Jahre ab Erscheinen 25 Jahre ab Erscheinen
Geschützt ist die konkrete Edition, Textgestalt, Anordnung die konkrete Erstveröffentlichung
Werk selbst bleibt gemeinfrei wird nach Veröffentlichung gemeinfrei, sobald die 25 Jahre abgelaufen sind

Bedeutung für die Praxis

Wenn ein Autor seit mehr als 70 Jahren verstorben ist und seine Werke somit gemeinfrei sind, bedeutet das nicht automatisch, dass jede neuere Edition dieser Werke frei verwendet werden darf.

  • Wird eine kritische oder kommentierte Ausgabe eines gemeinfreien Autors publiziert, kann daraus ein Schutz nach § 70 UrhG entstehen.
  • Wird ein bisher unveröffentlichtes Nachlassstück erstmals veröffentlicht, greift § 71 UrhG.
  • Beide Schutzarten betreffen ausschließlich die Edition oder Herausgabe, nicht das Werk selbst. Nach Ablauf der jeweiligen Frist fällt auch dieser Schutz fort.

Literatur und Weblinks

Vorlage:Urheberrecht in Deutschland