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| :<big><big>In Phantas Schloß</big></big>
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| {{Gesperrt|Einführung}}. Gedichte gemacht hat Christian Morgenstern seit seinen ersten Gymnasiastenjahren. Daß Dichten für ihn aber mehr war als ein heiteres Spiel, nämlich notwendiger Lebensausdruck aus schicksalhafter Berufung heraus, hat er bald empfunden. Sein Erstlingswerk {{Kap|In Phantas Schloss}} bedeutet jedoch noch etwas anderes: Es ist Zeugnis eines Durchbruchs jugendlich-schöpferischer Energien von außerordentlicher Intensität, wie er ihn in gleicher Heftigkeit vielleicht gar nicht wieder erlebt hat. | |
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| Ausgelöst w urde dieser Durchbruch durch zweierlei. Da ist zuerst das Erlebnis Nietzsche im Breslauer Winter 1893/94. Morgensterns Nietzsche-Lektüre war alles andere als ein reines Bildungserlebnis; das Erlebnis Nietzsche hatte für den jungen Dichter elementare Bedeutung. Morgenstern war bei seiner weichen, empfänglichen Natur zeitlebens für Einflüsse von außen offen. Jetzt war es der zwischen Pathos und Ironie schwankende Zarathustra-Ton, der seiner eigenen Art entgegenkam, so daß er sich als Jünger Nietzsches empfand; es war der tänzerische Übermut sowohl als das feierliche Firnenlicht, das in Nietzsches Hochgebirgsvisionen aufglänzt. Und es waren formal der dithyrambische Schwung, die hochgestimmte Hymnensprache und die freien Rhythmen, in denen er seine Empfindungen auszudrücken vermochte.
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| Das neben Nietzsche zweite auslösende Moment war das Künstler- und Literatenmilieu der Berliner Boheme, in das der junge Student 1894 mit einer leidenschaftlichen Glücksempfindung eintauchte. In dem Kreis der Brüder Hart, Bruno Willes. Otto Julius Bierbaums, Otto Erich Hartlebens, Paul Scheerbarts, Caesar Flaischlens u. a. wurde er mit offenen Armen aufgenommen. Hier fand er das, was seiner Natur entgegenkam: Freizügigkeit, Ungebundenheit, Leichtigkeit, Unbürgerlichkeit. Hier lernte er Konventionen abstreifen (auch die eines tradierten und erstarrten Kirchenchristentums), lernte sich ungezwungen bewegen und der muffigen Bürgerwelt mit übermütigem Spott begegnen. Und so konnte der Durchbruch einer überschäumenden und doch dichterisch geformten Lebenslust geschehen.
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| Von daher hat Morgensterns Erstling, so viel Mängel und Schwächen er im einzelnen haben mag, etwas von jugendlichem Charme und ursprünglicher Frische. Das hebt die Mängel nicht auf, trägt aber über sie hinweg.
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| Den Berliner Großstadtsommer 1894 unterbrach Morgenstern im August durch einen Erholungsaufenthalt in dem Harzstädtchen Bad Grund. Die Berliner Beschwingtheit brachte er mit. Er trat in einem sogenannten "Dilettanten-Abend" mit dem Vortrag eigener Gedichte auf und erntete Applaus. Dort lernte er die ebenfalls debütierende, aus Ems gebürtige Sängerin Eugenie Leroi kennen. Morgenstern war schnell entflammt, und dieses Erlebnis war das letzte, unmittelbar auslösende Moment: In Bad Grund begann er im September 1894, wenige Tage nach Eugenies Abreise, mit den ersten {{Kap|Phanta}}-Gedichten, zunächst mit dem Prolog.
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| ''Bald darauf schossen mir eine Fülle von Ideen zu, weit, weit mehr, als Sie hier ausgefuhrt sehen'' (an Eugenie Leroi, 27.2.1895. Briefe. Auswahl (1952) S.63). Über Entstehung und Absicht seines ersten Buches äußert sich Morgenstern in einem Brief vom 12. Mai 1895 aus Berlin an Marie Goettling: ''Hier hast Du also mein erstes Buch. Ich begann es um die Wende August-September 1894 in Grund im W''[''est-'']''Harz, und Grund ist das winklige Städtchen, in dem ich, von den Höhen darauf herabblickend, in der Stimmung des Moments "ein Stück Vergangenheit" symbolisierte. Das Alte, was ich nicht mehr sagen will, ist jene Lyrik, welche sich heute langsam überlebt hat, weil in ihr schon alles klassisch gesagt ist: das Liebeslied in der bekannten Heineschen etc. Form... (Ich bin nicht {{Gesperrt|gegen}} das "Liebeslied" - es muß nur auch so gesungen werden, daß es wieder selbständiger Gefühlsausbruch und nicht nur als die tausendste Wiederholung {{Gesperrt|eines}} Schemas auftritt) (ich hatte nämlich damals gerade viel derartiges verbrochen)... das Schmachten und Sich-nicht-Losreißenkönnen aus Ideenlabyrinthen, an deren Pforte ich doch schon lange stand, kurz, das Halbe in mir- das wollte ich energisch zurückweisen -: darum die Zerstörung des Gewesenen und die erlösende Flucht zu mir selbst, in die Einsamkeit, in die Natur''.
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| Fortgeführt und beendet hat er das Werk nach seiner Rückkehr in Berlin bis Weihnachten 1894 (vgl. Brief an Friedrich Gaus, s. u. S.741). Die {{Kap|Phanta}}-Dichtung ist ein ausgedehnter Komplex von Gedichten, Fragmenten, Entwürfen, von denen nur ein Teil in das Buch eingegangen ist. ''Einige schon vollendete Gedichte habe ich in das Ganze nicht aufgenommen'', schreibt er im Februar 1895 an Eugenie (27.2.1895, s. o.). Aus der Masse des Verworfenen konnte so etwas wie ein {{Kap|Phanta}}-Folgeband zusammengestellt werden, der in unserer Ausgabe an das von Morgenstern veröffentlichte Buch anschließt. Das ist auch von Morgensterns Intention her zu rechtfertigen: offenbar hatte er eine Fortsetzung des Buches geplant. In T1902/03 1, Bl. 61 vermerkte er als Stichwort: ''Heimkehr''.
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