Poseidon und Selene: Unterschied zwischen den Versionen
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der Wogen schwanke Quadern auf, | der Wogen schwanke Quadern auf, | ||
wie Schollen wirft er | wie Schollen wirft er Well' auf Well', | ||
{{Zeile|20}} daß wie ein Berg das Wasser steigt... | {{Zeile|20}} daß wie ein Berg das Wasser steigt... | ||
Und auf des nassen Marmors Gischt, | Und auf des nassen Marmors Gischt, | ||
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ihn hoch, und donnernd geht sein Wort: | ihn hoch, und donnernd geht sein Wort: | ||
»Wie lang noch willst du ihn verschmähn? | »Wie lang noch willst du ihn verschmähn? | ||
Wer zählt die | Wer zählt die Tag' und Nächte, die | ||
ich dich umworben - Buhlerin, | ich dich umworben - Buhlerin, | ||
{{Zeile|40}} die ewig lockt und nie gewährt! | {{Zeile|40}} die ewig lockt und nie gewährt! | ||
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Doch endlich, endlich - wann wohl? wann? - | Doch endlich, endlich - wann wohl? wann? - | ||
ja endlich wirst du dennoch mein!" | ja endlich wirst du dennoch mein!" | ||
Und leis | Und leis erwidert's: "Endlich, ja! | ||
Ja, endlich werd ich dennoch dein!" | Ja, endlich werd ich dennoch dein!" | ||
{{Zeile|45}} Und zitternd | {{Zeile|45}} Und zitternd hört's der starke Gott, | ||
und zweifelnd | und zweifelnd hört's die kecke Brut | ||
und zischt sich heimlich spottend zu: | und zischt sich heimlich spottend zu: | ||
"Ach {{Gesperrt|endlich}} wird sie dennoch sein!" | "Ach {{Gesperrt|endlich}} wird sie dennoch sein!" | ||
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Selene ruht im Silberhorn | Selene ruht im Silberhorn | ||
zu süßem Schlummer hingeschmiegt... | zu süßem Schlummer hingeschmiegt... | ||
Poseidon! schimmert feucht ihr | Poseidon! schimmert feucht ihr Aug', | ||
{{Zeile|60}} Poseidon! atmet ihre Brust. | {{Zeile|60}} Poseidon! atmet ihre Brust. | ||
Allabendlich das gleiche Spiel. | Allabendlich das gleiche Spiel. | ||
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Aktuelle Version vom 19. September 2026, 23:54 Uhr
Ein Mond- und Meer-Mythos
Selene kniet im Silberhorn
und blickt hinab auf blaues Meer...
Poseidon! glänzt ihr weicher Blick,
Poseidon! singt sie leis ins All...
5 Allabendlich das gleiche Spiel,
der süßen Sehnsucht sanft Gebet -
bis endlich sich die Woge teilt
und der geliebte Gott sie grüßt.
Selene kniet im Silberhorn
10 und hüllt jungfäulich streng sich ein.
Sie fühlt sein Auge, rosig glüht
ihr Schleier von verborgnem Hauch.
Allabendlich das gleiche Spiel,
der gleichen Sehnsucht Scham und Glut,
15 bis liebesübermannt zuletzt
des Meeres Herrscher rast und tobt.
Er türmt zu ungeheurem Bau
der Wogen schwanke Quadern auf,
wie Schollen wirft er Well' auf Well',
20 daß wie ein Berg das Wasser steigt...
Und auf des nassen Marmors Gischt,
umringt von seinem ganzen Volk,
erhebt er, Schimmerpracht-umronnen,
des Meers unendlich Brautgeschmeid.
25 Und mit ihm heben tausend Hände
mit Perlen, Steinen, Ringen, Kelchen,
Gewanden, Netzen, Schleiern, Spitzen
verwirrend sich zu ihr empor...
Und mit ihm flehen tausend Munde:
30 Oh komm, sei Königin der Meere
im Muschelwagen der Delphine,
Selena. Himmlische, oh komm!
Und den Korallengürtel löst,
den Gürtel aller Meeresmacht,
35 der Gott von seinem Leib und hält
ihn hoch, und donnernd geht sein Wort:
»Wie lang noch willst du ihn verschmähn?
Wer zählt die Tag' und Nächte, die
ich dich umworben - Buhlerin,
40 die ewig lockt und nie gewährt!
Doch endlich, endlich - wann wohl? wann? -
ja endlich wirst du dennoch mein!"
Und leis erwidert's: "Endlich, ja!
Ja, endlich werd ich dennoch dein!"
45 Und zitternd hört's der starke Gott,
und zweifelnd hört's die kecke Brut
und zischt sich heimlich spottend zu:
"Ach endlich wird sie dennoch sein!"
Der Uber-Spannung matt, vertaucht
50 der Meergewaltige. Die Wogen
begraben fürchterlichen Sturzes
die breite Brust, das braune Haupt...
In tollem Wirbel, Taumel, Tanz
rast, schießt, springt, schnellt sich jauchzend Volk.
55 nach Schätzen gier, nach Liebe mehr,
wildblütig wie sein Element...
Selene ruht im Silberhorn
zu süßem Schlummer hingeschmiegt...
Poseidon! schimmert feucht ihr Aug',
60 Poseidon! atmet ihre Brust.
Allabendlich das gleiche Spiel.
Entsagens und doch Hoffens voll,
allabendlich die gleiche Glut,
und der sie stillt, der gleiche Trost.
65 Selene träumt im Silberhorn:
"Poseidon wird nicht lange ruhn.
so treu umwirbt mich keiner doch
denn Er, den jeder treulos nennt!
Am Tage selbst ersehnt er mich
70 und hebt das Meer aus seinem Grund
und türmt es auf, mir nah zu sein, -
so mächtig liebt kein andrer Gott!"
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zu In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Poseidon und Selene |
| Textanfang | – |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 105, 106, 107 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 801, 802, 803 |
| Überlieferung | T 1897-98, Bl. 22,
T 1897-98, Bl. 23, T 1897-98, Bl. 24 und T 1897-98, Bl. 25 mit dem Titel Mythos. Drei weitere Fassungen auf Einzelblättern, handschriftlich, im Nachlaß |
| Datierung | 7.10.1895 und 26.5.1897 |
| Druck | SA Band I Lyrik 1887-1905 |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-02-0035 |