Homo Imperator: Unterschied zwischen den Versionen

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warme Dämpfe aus leckeren Schüsseln.
warme Dämpfe aus leckeren Schüsseln.


Wär’ ich der Mond,  
Wär' ich der Mond,  
der Hunden verhaßte,  
der Hunden verhaßte,  
ich hülfe herauf dir
ich hülfe herauf dir
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Meine Schönheit,
Meine Schönheit,
{{Zeile|30}}Meinen Witz  
{{Zeile|30}}Meinen Witz  
hauch’ Ich als Seele dir ein,  
hauch' Ich als Seele dir ein,  
werf Ich dir um als Kleid:  
werf Ich dir um als Kleid:  
Und also geschmückt  
Und also geschmückt  
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brausköpfiger Vasall!  
brausköpfiger Vasall!  
In Meine hohle Hand  
In Meine hohle Hand  
zwing’ Ich hinein dich  
zwing' Ich hinein dich  
{{Zeile|40}}und schütte dich aus,  
{{Zeile|40}}und schütte dich aus,  
einem Kometen,
einem Kometen,
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und hält es gegen die Sonne:  
und hält es gegen die Sonne:  
Da wird es eitel Goldhaar und Seide.  
Da wird es eitel Goldhaar und Seide.  
Und nun wieder nenn’ Ich dich  
Und nun wieder nenn' Ich dich  
Jungfrau und Nymphe und Göttin,
Jungfrau und Nymphe und Göttin,
{{Zeile|55}}und deiner dämonischen Leidenschaft
{{Zeile|55}}und deiner dämonischen Leidenschaft
sing’ Ich ein Seemanns-Klagelied.
sing' Ich ein Seemanns-Klagelied.


Oder Ich deute den donnernden Prall dir aus  
Oder Ich deute den donnernden Prall dir aus  
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| Textanfang = Gewandert bin ich
| Textanfang = Gewandert bin ich
| Zitiert_aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0028.png|S. 28]], [[:Datei:Sa1-0029.png|S. 29]], [[:Datei:Sa1-0030.png|S. 30]], [[:Datei:Sa1-0031.png|S. 31]]
| Zitiert_aus = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0028.png|S. 28]], [[:Datei:Sa1-0029.png|S. 29]], [[:Datei:Sa1-0030.png|S. 30]], [[:Datei:Sa1-0031.png|S. 31]]
| Zitiert_aus_raw = SA-01, 28-31
| Kommentar = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0759.png|S. 759]], [[:Datei:Sa1-0026.png|S. 760]]
| Kommentar = [[Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. I - Lyrik 1887-1905. Urachhaus 1988|Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I]], [[:Datei:Sa1-0759.png|S. 759]], [[:Datei:Sa1-0026.png|S. 760]]
| Überlieferung = [[Liste der Tagebücher Christian Morgensterns|T 1894 I]], Bl. 68-71
| Kommentar_raw  = SA-01, 759-760
| Überlieferung = {{TBl|1894-I|68}}, {{TBl|1894-I|69}}, {{TBl|1894-I|70}}, {{TBl|1894-I|71}}
| Datierung = vermutlich August 1894
| Datierung = vermutlich August 1894
| date_start = 1894-08-01
| date_start = 1894-08-01
| date_end = 1894-08-31
| date_end = 1894-08-31
| unsicher = true
| unsicher = true
| Erstdruck = [[In Phanta's Schloß (1895)]]
| Druck = [[In Phanta's Schloß (1895)]]
| Gemeinfrei_seit = true
| Gemeinfrei_seit = ja
| Rezeptionen_künstlerisch =  
| Rezeptionen_künstlerisch =  
| Rezeptionen_wissenschaftlich =  
| Rezeptionen_wissenschaftlich =  
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}}


[[Kategorie:Gedicht]]
[[Kategorie:Lyrik]]
[[Kategorie:In Phantas Schloß]]

Aktuelle Version vom 19. September 2026, 23:35 Uhr

Gewandert bin ich
auf andere Gipfel,
deren Riesenfüße
das Meer, wie ein Hund,
5demütig leckt;
an deren Knöcheln
es wohl auch manchmal
bellend hinaufspringt,
den brauenden Nebeln nach,
10als seien diese
warme Dämpfe aus leckeren Schüsseln.

Wär' ich der Mond,
der Hunden verhaßte,
ich hülfe herauf dir
15auf den Berg.
Doch Ich bin der Mensch,
lasse dich lächelnd
unten kläffen
und übe an dir
20meinen göttlichen Spott.
Denn sieh,
du armes, krauses Meer!
Was bist du denn
ohne Mich?

25Ich gebe dir Namen
und Rang und Bedeutung,
wandle dich tausendfalt
nach Meinem Gelüst.
Meine Schönheit,
30Meinen Witz
hauch' Ich als Seele dir ein,
werf Ich dir um als Kleid:
Und also geschmückt
wogst du und wiegst du dich
35vor deinem König,
ein trefflicher Tänzer,
brausköpfiger Vasall!
In Meine hohle Hand
zwing' Ich hinein dich
40und schütte dich aus,
einem Kometen,
 der grade vorbeischießt,
aufs eilige Haupt.
Wie einen Becher
45faß Ich dein Becken
und bringe dich
als Morgentrunk
meinem Liebchen Phanta.

In dein graues Megärenhaar
50greift Mein lachender Übermut
und hält es gegen die Sonne:
Da wird es eitel Goldhaar und Seide.
Und nun wieder nenn' Ich dich
Jungfrau und Nymphe und Göttin,
55und deiner dämonischen Leidenschaft
sing' Ich ein Seemanns-Klagelied.

Oder Ich deute den donnernden Prall dir aus
als stöhnende Sehnsucht um Himmelsglück,
als wühlenden Groll,
60als heulenden Haß:
So redet Schwermut, flugohnmächtig,
wenn sie der Krampf der Verzweiflung
zu jagenden Fieberschauern schüttelt.

Aber du drohst:
65"Eitler Prahler,
breite die Arme nur aus,
und komm an mein nasses Herz!
Dann wirst du kunden,
wer größer und mächtiger,
70du oder ich!"

Drohe mir immer,
doch wisse: die Stunde,
da du Mich sinnlosen Zornes verschlingst,
tötet auch dich.
75Ein kaltes, totes Nichts,
wertlos, namenlos,
magst du dann
in die Ewigkeit starren,
entseelt,
80entgöttert.

Denn Ich, der Mensch,
bin deine Seele,
bin dein Herr und Gott,
wie Ich des ganzen Alls
85Seele und Gottheit bin.
Mit Mir vergehen
Namen und Werte.
Leer steht die Halle der Welt,
schied Ich daraus.
90Gleich unermeßlichem Äther
füllt Mein Geist den Raum:
In Seinen Wellen allein
leuchtend, tönend,
schwingt der unendliche Stoff.

95Eine Harfe bin Ich
in tausend Hauchen.
Zertrümmere Mich:
Das Lied ist aus.


Lyrik | In Phantas Schloß
Widmung | Vorspruch | Prolog | Auffahrt | Im Traum | Phantas Schloß | Sonnenaufgang

Wolkenspiele: I | II | III | IV | V | VI
Sonnenuntergang | Homo Imperator | Kosmogonie | Das Hohelied | Zwischen Weinen und Lachen | Im Tann | Der zertrümmerte Spiegel | Das Kreuz | Die Versuchung | Der Nachtwandler | Andre Zeiten, andre Drachen | Die Weide am Bache | Abenddämmerung | Augustnacht | Mädchentränen | Landregen | Der beleidigte Pan | Mondaufgang
Mondbilder: I. | II. | III. | IV.
Erster Schnee | Talfahrt | Epilog
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | In Phantas Schloß - Eine Einführung



Werkgruppe Lyrik
Werkbereich In Phantas Schloß
Zyklus
Zyklusnummer
Titel Homo Imperator
Textanfang Gewandert bin ich
Zitiert aus Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 28, S. 29, S. 30, S. 31
Kommentar aus Stuttgarter Ausgabe, Lyrik I, S. 759, S. 760
Überlieferung T 1894-I, Bl. 68,

T 1894-I, Bl. 69, T 1894-I, Bl. 70, T 1894-I, Bl. 71

Datierung vermutlich August 1894
Druck In Phanta's Schloß (1895)
Gemeinfrei ja
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-01-0015