Rosen im Zimmer
Ich stand, eine Vase
voll üppiger Rosen,
auf einer Konsole
am Lager der Liebsten
5 und goß überschwengliche
Gluten und Düfte
ins mondige Dämmer
der magdlichen Kammer.
Aufseufzte das Mädchen
10 und streckte das weiße
Gelenk ihrer Linken
nach mir und umschloß mich
und hob mich hinüber -
und alles im Schlafe.
15 Da schwankte die Vase,
und all meine Rosen
entfielen ihr lodernd
und hüllten in Purpur
das brüstliche Linnen:
20 Aufschlugen erschreckt sich
zwei glänzende Augen -
und sahn mich, den Menschen,
sich über sie beugen...
Ich aber - ihr Götter! -
25 mich über sie neigend,
ich ward meines Kusses
betrogen! -: Nur Rosen,
worauf ich mich neigte!
Kein Liebchen, kein Lager,
30 kein Zimmer, kein Ort mehr -
nur Rosen, nur Rosen!
Ich stürzte in Rosen -
durch Rosen - auf Rosen...
bis quälende Schmerzen
35 der Schläfe mich weckten.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Auf vielen Wegen |
| Zyklus | Träume |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Rosen im Zimmer |
| Textanfang | Ich stand, eine Vase |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 127 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 821 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | – |
| Erstdruck | "Das Magazin für Litteratur" 66 (1897) Sp. 436. Auf vielen Wegen 1897, S.23f. |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-03-0012 |