Im Fieber: Unterschied zwischen den Versionen
UweS (Diskussion | Beiträge) Die Seite wurde neu angelegt: „<poem> Ich lag in Fieberphantasien... Aus allen Ecken wuchs es her... Wohin ich sah, ich sah nur Ihn, wohin ich tastete, war Er... 5 Die Tücher, die Tapeten liehn ihm ihrer Muster Fratzenmeer... Und schloß ich fest die Lider, schien sein Aug’ in meines weit und leer. Ein Opfer wilder Bilderreihn 10 entschlief ich endlich. Mich umspann, mich sporne rittlings sein Gebein durch Felsenwüsten glutwindan... Verzehrend fraß sein Frost sich ein, indes mich…“ |
UweS (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (2 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 4: | Zeile 4: | ||
Wohin ich sah, ich sah nur Ihn, | Wohin ich sah, ich sah nur Ihn, | ||
wohin ich tastete, war Er... | wohin ich tastete, war Er... | ||
5 Die Tücher, die Tapeten liehn | {{Zeile|5}} Die Tücher, die Tapeten liehn | ||
ihm ihrer Muster Fratzenmeer... | ihm ihrer Muster Fratzenmeer... | ||
Und schloß ich fest die Lider, schien | Und schloß ich fest die Lider, schien | ||
sein Aug’ in meines weit und leer. | sein Aug’ in meines weit und leer. | ||
Ein Opfer wilder Bilderreihn | Ein Opfer wilder Bilderreihn | ||
10 entschlief ich endlich. Mich umspann, | {{Zeile|10}} entschlief ich endlich. Mich umspann, | ||
mich sporne rittlings sein Gebein | mich sporne rittlings sein Gebein | ||
durch Felsenwüsten glutwindan... | durch Felsenwüsten glutwindan... | ||
Verzehrend fraß sein Frost sich ein, | Verzehrend fraß sein Frost sich ein, | ||
indes mich Blutschweiß überrann, | indes mich Blutschweiß überrann, | ||
15 und auf Geröll und spitzem Stein | {{Zeile|15}} und auf Geröll und spitzem Stein | ||
der wunde Fuß nicht Weg gewann. | der wunde Fuß nicht Weg gewann. | ||
Doch nicht ein Fristchen durft’ ich ruhn. | Doch nicht ein Fristchen durft’ ich ruhn. | ||
"Wir müssen" - stachelte sein Hohn | "Wir müssen" - stachelte sein Hohn | ||
"zum Richter über all dein Tun, | "zum Richter über all dein Tun, | ||
20 der Weg ist weit nach seinem Thron. | {{Zeile|20}} der Weg ist weit nach seinem Thron. | ||
Gebucht, in klaftertiefen Truhn, | Gebucht, in klaftertiefen Truhn, | ||
erharrt dich dort, wofür dich Lohn | erharrt dich dort, wofür dich Lohn | ||
und Strafe wird ereilen nun: | und Strafe wird ereilen nun: | ||
Bereite dich, verlorner Sohn!" | Bereite dich, verlorner Sohn!" | ||
25 Da ging die Stubentür, und leis | |||
{{Zeile|25}} Da ging die Stubentür, und leis | |||
umklang mein Bett ein sanfter Schritt, | umklang mein Bett ein sanfter Schritt, | ||
und eines Stirnbands kühlend Eis | und eines Stirnbands kühlend Eis | ||
erlöste mich vom grausen Ritt. | erlöste mich vom grausen Ritt. | ||
Doch ehe noch ein Wort dem Kreis | Doch ehe noch ein Wort dem Kreis | ||
30 der Wirrgedanken sich entstritt, | {{Zeile|30}} der Wirrgedanken sich entstritt, | ||
verschob schon wieder sich das Gleis, | verschob schon wieder sich das Gleis, | ||
und neuer Traumgang riß mich mit. | und neuer Traumgang riß mich mit. | ||
Wie anders aber war das Bild, | Wie anders aber war das Bild, | ||
das nun mein Fiebergeist entband! | das nun mein Fiebergeist entband! | ||
| Zeile 40: | Zeile 44: | ||
wie ein erbeutet Edelwild | wie ein erbeutet Edelwild | ||
{{Zeile|40}} hinaus ins sommerliche Land. | {{Zeile|40}} hinaus ins sommerliche Land. | ||
Wer waren sie? wo lief ihr Pfad? | Wer waren sie? wo lief ihr Pfad? | ||
Sie stürmten voll erhabner Wucht... | Sie stürmten voll erhabner Wucht... | ||
| Zeile 48: | Zeile 53: | ||
denn Wolken drohten Blitz und Bad: | denn Wolken drohten Blitz und Bad: | ||
Und alles war schon helle Flucht. | Und alles war schon helle Flucht. | ||
Dort setzten sie aufs hohe Korn | Dort setzten sie aufs hohe Korn | ||
{{Zeile|50}} die Bahre ab. Noch stand sie nicht: | {{Zeile|50}} die Bahre ab. Noch stand sie nicht: | ||
| Zeile 67: | Zeile 73: | ||
| Titel = Im Fieber | | Titel = Im Fieber | ||
| Textanfang = Ich lag in Fieberphantasien... | | Textanfang = Ich lag in Fieberphantasien... | ||
| Zitiert_aus = [[SA Band I Lyrik 1887-1905]], S. [[:Datei:Sa1- | | Zitiert_aus = [[SA Band I Lyrik 1887-1905]], S. [[:Datei:Sa1-0138.png|138]]-[[:Datei:Sa1-0139.png|139]] | ||
| Zitiert_aus_raw = SA-01, 138-139 | | Zitiert_aus_raw = SA-01, 138-139 | ||
| Kommentar = [[SA Band I Lyrik 1887-1905]], S. [[:Datei:Sa1-0823.png|823]] | | Kommentar = [[SA Band I Lyrik 1887-1905]], S. [[:Datei:Sa1-0823.png|823]] | ||
| Zeile 76: | Zeile 82: | ||
| date_end = | | date_end = | ||
| unsicher = true | | unsicher = true | ||
| Erstdruck = Auf vielen Wegen | | Erstdruck = [[Auf vielen Wegen 1897]], S. 40-43 | ||
| Gemeinfrei_seit = true | | Gemeinfrei_seit = true | ||
| Rezeptionen_künstlerisch = | | Rezeptionen_künstlerisch = | ||
| Rezeptionen_wissenschaftlich = | | Rezeptionen_wissenschaftlich = | ||
| Rezeptionen_Buchausgaben = | | Rezeptionen_Buchausgaben = | ||
| Rezeptionen_weiteres = | | Rezeptionen_weiteres = | ||
| Kommentar_eigen = | |||
| ID = LYR-SA-01-03-0025 | | ID = LYR-SA-01-03-0025 | ||
}} | }} | ||
[[Kategorie:Gedicht]] | [[Kategorie:Gedicht]] | ||
Aktuelle Version vom 5. April 2026, 23:20 Uhr
Ich lag in Fieberphantasien...
Aus allen Ecken wuchs es her...
Wohin ich sah, ich sah nur Ihn,
wohin ich tastete, war Er...
5 Die Tücher, die Tapeten liehn
ihm ihrer Muster Fratzenmeer...
Und schloß ich fest die Lider, schien
sein Aug’ in meines weit und leer.
Ein Opfer wilder Bilderreihn
10 entschlief ich endlich. Mich umspann,
mich sporne rittlings sein Gebein
durch Felsenwüsten glutwindan...
Verzehrend fraß sein Frost sich ein,
indes mich Blutschweiß überrann,
15 und auf Geröll und spitzem Stein
der wunde Fuß nicht Weg gewann.
Doch nicht ein Fristchen durft’ ich ruhn.
"Wir müssen" - stachelte sein Hohn
"zum Richter über all dein Tun,
20 der Weg ist weit nach seinem Thron.
Gebucht, in klaftertiefen Truhn,
erharrt dich dort, wofür dich Lohn
und Strafe wird ereilen nun:
Bereite dich, verlorner Sohn!"
25 Da ging die Stubentür, und leis
umklang mein Bett ein sanfter Schritt,
und eines Stirnbands kühlend Eis
erlöste mich vom grausen Ritt.
Doch ehe noch ein Wort dem Kreis
30 der Wirrgedanken sich entstritt,
verschob schon wieder sich das Gleis,
und neuer Traumgang riß mich mit.
Wie anders aber war das Bild,
das nun mein Fiebergeist entband!
35 Mein liebster Freund umfing mich mild
und hob mich von des Lagers Rand.
Aus Zweigen harrte mein ein Schild:
Drauf trug mich vierer Fremden Hand
wie ein erbeutet Edelwild
40 hinaus ins sommerliche Land.
Wer waren sie? wo lief ihr Pfad?
Sie stürmten voll erhabner Wucht...
bis, wo ein Lärm vollbrachter Mahd
herklang aus stiller Waldesbucht.
45 Noch rollte hoch das Sonnenrad,
doch schon geschnitten lag die Frucht;
denn Wolken drohten Blitz und Bad:
Und alles war schon helle Flucht.
Dort setzten sie aufs hohe Korn
50 die Bahre ab. Noch stand sie nicht:
Da schoß schon goldner Wetterzorn:
Ein Glutstoß stob die Ährenschicht.
Mein Herz stand still vom scharfen Dorn.
Es sank der Erde höchst Gedicht,
55 der Mensch, zurück in ihren Born,
als Asche, Wasser, Luft und Licht.
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Auf vielen Wegen |
| Zyklus | Vom Tagwerk des Todes |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Im Fieber |
| Textanfang | Ich lag in Fieberphantasien... |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 138-139 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 823 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | – |
| Erstdruck | Auf vielen Wegen 1897, S. 40-43 |
| Gemeinfrei | ja |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-03-0025 |