Krähen bei Sonnenaufgang

Aus CMO

Noch flieht der Blick des jungen Tags
der Berge nebelgraue Gipfel,
und schon entschwebt, gemeßnen Schlags,
die erste Krähe ihrem Wipfel.

5 Der schwankt, befreit von schwerer Last,
daß rings die Zweige sich bewegen:
Fahlsilbern sprüht von Ast zu Ast
des Frühtaus feiner Flüsterregen.

Doch eh’ sein Flüstern noch erstickt,
10 enttönt ein "Krah" dem stillen Raume:
Der Vogel hat am Wolkensaume
das erste blasse Rot erblickt.

Auf allen Wipfeln wacht es auf
und schüttelt sich und ruft nach Taten...
15 In lautem Streiten und Beraten
erhebt sich endlich Hauf um Hauf.

Nur zwei Gewitzte warten schlau,
bis alles nach und nach verstoben,
sie wissen einen nahen Bau,
20 den gestern Jäger ausgehoben.

Ein Käuzleinflügel harrt hier noch,
die Kecken lecker zu belohnen -:
Das Paar umkreist erregt das Loch...
Braungolden glänzt das Meer der Kronen...


Lyrik | Auf vielen Wegen
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Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Auf vielen Wegen
Zyklus Waldluft
Zyklusnummer
Titel Krähen bei Sonnenaufgang
Textanfang Noch flieht der Blick
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 170
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 829, 830
Überlieferung
Datierung
Erstdruck Auf vielen Wegen (1897) S. 101. Auf vielen Wegen (1911) S. 49f.
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-03-0054