Unter Spiegelbildern/Volltext

Aus CMO

Unter Spiegelbildern

Unter lauter Spiegelbildern war ich diese Nacht im Traum. (Laß die Phantasie nicht wildern, halte sie vielmehr im Zaum!)

Alles war daselbst vorhanden, was Natur und Mensch gemacht, selbst ein Löwe, der (in Banden) einst vor ein Trumeau gebracht.

Doch nicht einmal nur war Tier und Mensch und andres hier, o Graun! Eine Frau war hundertvierund- fünfzigtausendmal zu schaun.

Auch ein Fräulein war zur Stelle, ganz gehüllt in blondes Haar, die in eines Waldborns Welle einst im Mond gestiegen war.

Leute sah man, die man nie sonst so gesehn (und umgekehrt); wer ein Vieh sonst, ein Genie sonst, hier erst sah man seinen Wert.

Hüt' dich drum, du sichres Siegel, wer du seist und wo du seist; sieh dich niemals in den Spiegel, sonst verfällst du meinem Geist.

Deines Spiegels dunkle Klarheit hat dein Bild, du weißt nicht wie, und dann seh ich deine Wahrheit; denn die Spiegel lügen nie.