Mondaufgang I/Volltext
Mondaufgang
Aus schwarzen zuckenden Armen gieriger Aste schwebst du sieghaft ins blaue Geheimnis harrender Himmel, süße Selene.
Züchtige Schleier fließen von dir in weichem Wehen über die schlafenden Matten der Erde, schmiegen sich innig um träumender Berge schweigsame Häupter; über des Waldsees lüsternen Spiegel legt sich schamhaft ihr schimmernder Flor.
Andacht, Frieden atmet alles. Ferne nur schreit ein brunftender Hirsch in die silberne Stille. Die Welt schrickt auf und lauscht... Doch bald: schläft sie wieder in mildem Vergessen.
Tief in die Weiten des Äthermeeres lenkst du hinaus, gleitest du hin, liebreizende Göttin Selene. Und ich hebe die Hände zu deiner Anmut und bitte dir ab so manchen Spott. - Ein Lichtanbeter, ein selig Versunkener vor dir, der weißen Herrin der Nacht.