Liebeslied an Phanta/Volltext

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Liebeslied an Phanta Phanta, traute Weggenossin, die du mich, den Menschen, freitest, die du, Jovis schönste Sprossin. mich zum Gast der Götter weihtest. goldne Blitzes-Saiten reih’ ich auf die graue Wolkengambe, deiner Lieb’ und Schönheit weih' ich eine trunkne Dithyrambe.

Dunkle Straßen trat ich träumend, Schönheitsdurst im Jünglingsherzen, rings den irren Pfad umsäumend, Hackten Glaubens-Weihrauchkerzen, brannten frommer Ideale märumrankte Wegaltäre - Mondbewohner Teiche Schale trank der Schwermut heiße Zähre.

Aber mocht’ an all den Giften mein Gemüt sich süß berauschen, klomm ich doch zu höhren Triften, kaltem Sturmwort scheu zu lauschen. Und er wandte nicht vergebens an das Kind sein rauhes Prahlen von des wahren Erdenlebens heißer Lust und wilden Qualen.

Nieder stieg zu Tal ich wieder, sang Valet dem Märchenschimmer, hing mein Ränzel um die Glieder und verließ das Tal auf immer, um in unbekannte Fernen hoffnungsbang den Schritt zu tragen. an unzähligen Zisternen nach der Wahrheit Trank zu fragen.

Doch mir log der Bronnen Klarheit, machte mir das Herz nicht heiter. Wahrheit!? rief ich, was ist Wahrheit? -: Ward getäuscht und irrte weiter, bis den eigenen Schmerzgedanken alles ward zu Schmerz und Leide und Umdüstrung ihre Pranken schlug in meine Eingeweide.

Damals war’s, daß müd vom Streiten ich erlag der Zweifel Meute. Weibischen Empfindsamkeiten leichte, preisgegebne Beute, sang ich in versungnen Weisen unfruchtbare Wehgefühle, tappend in des Alltags Gleisen, tief im Herdenvolk-Gewühle. Und ein zweites "damals" tagte, als ich dich zuerst erschaute, Sehnsucht und Begeistrung jagte wie ein Sturm durch meine Laute. In dem Buch des Lebens las ich, ein erkorner Eingeweihter, nicht am Fuße nur mehr saß ich der ersehnten Himmelsleiter. Kosend strichst du mir die Stirne, und mir ward so leicht und wonnig, neues Sein in Herz und Hirne stieg empor mir, morgensonnig. So manchen Lebenstag schon säum’ ich, an dich, mein herrlich Lieb, geschmiegt, und wunderbare Träume träum’ ich, wenn mir dein Arm im Nacken liegt. So sah ich heut die Nacht durchschlagen geschwinder Lohe breite Spur: Es überstob auf goldnem Wagen den Ball der Genius der Kultur. Ein König, stolzen Angesichtes, durchmaß er seiner Völker Reich, es fiel der Purpur seines Lichtes auf mancher Denkerstirne Bleich. In hoch erhobner Rechten schwang er der Wahrheit weißen Fackelbrand, und göttliche Gesänge sang er, ein Selierfürst, von Land zu Land. Da warf ich mich im Traum, Geliebte, auf dein geflügelt Götterroß und spornt’ es, daß es Funken stiebte, und wie ein Blitz die Nacht durchschoß, bis daß es hart an der Quadrige dampfend emporstieg und mein Schritt hinübertrat [bricht ab]