An den Augen lasest du mir’s ab oT

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An den Augen lasest du mir’s ab,
daß ich, Phanta, schwer bekümmert bin,
und du ludest, wie um mich zu halten,
als Fürsprecher deiner großen Liebe
5alle Götter gestern mir zu Gast.
Pan mit seiner treuen Landschildkröte
präsidierte schmuck dem krausen Volke,
das vom ganzen Ball du herbefahlest,
von den großen Orientalengöttern
10bis hinab zum Feuerländer-Fetisch.
Ein Olymp war unser Gipfel, Phanta,
doch ein Karnevals-Olymp, kein echter.
Und ich ward - vielleicht zum ersten Male -
all des tauben Pompes herzlich müde.
15Eigentlich, wenn ich’s mit Ernst betrachte,
waren sie die Wirte, ich der Gast nur.
Waren sie nicht, als ich noch nicht lebte,
sind nicht sie die längst Beglaubigten,
während ich bei ihnen Flitter borge,
20während ich, ein Marionettenkünstler,
diesen bald, bald jenen tanzen lasse?
Satt bin ich der Marionetten, Liebste.
Helios selber und Apoll, die hehren,
all die heitren Hellas-Übermenschen.
25- Oh wie lieb’ ich ihre stolze Schönheit -
schauen fragend oft und spöttisch lächelnd
mir in mein germanisch Aug’ - die Griechen.
Gott ist tot. Die Götter kehren wieder,
aber wir sind nicht die alten mehr.
30Sollen ewig wir nach rückwärts schauen?
Soll dein Schloß vorwiegend zum Asyl
obdachloser Götter degradiert sein,
oder baun wir eins in neuem Stile...
An den Augen lasest du mir ab,
35daß ich mit mir unzufrieden bin.
Morgen, eh’ des Abendfrostes Faust
rauh die Sonnen-Rose entblättert hat,
wirst du meinen Vorsatz wissen, Phanta.


Lyrik | Nachlese zu In Phantas Schloß
"Phanta" und sein Publikum | Trösterin oT | Nächtliche Feier | Kosmogonie | Kosmogonie (Mondlose Sternennacht) | Heimatlos? | Auf grauem Felsblock sitz’ ich oT | In Adlers Krallen | Unnütz der Mann oT | Theomachie | Memento vivere (εϊς εαυτόν) | Und dann um Mitternacht oT | Am stillen Waldteich oT | Gestern Abend gab mir Phanta oT | An den Augen lasest du mir’s ab oT | Sternschnuppenfall | Johannisfeuer | Der Hexenkessel | Mit einem Mal, ich weiß nicht, wie’s gekommen oT | Venus Urania | Der Regenbogen | Wo Erd und Himmel oT | Mondaufgang I | Mondaufgang II | Mondaufgang III | Das rabenschwarze oT | Liebeslied an Phanta | Es lieben die Götter oT | Die nächtliche Fahrt | Oh Nacht, wie bist du tief oT | Die Sonne der Toten | Der Friedhof | Tragik alles Seins | Himmel, Erde und Meer… | Poseidon und Selene | Anadyomene | Nun weil’ ich bei dir schon manchen Tag oT | Allzulang auf Bergeszinnen oT

Epilog-Fragmente: Auf Höhen mußt’ ich steigen oT | Die Ferne ist es nicht oT | Ich versuche ein Höchstes oT | Die Strafe war hart oT | Strafe war hart für den Vorwitz oT | Willst du mich nun entzaubern oT | Endsegen Phantas
Epilog I | Epilog II | Ad Phantas Schloß
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | In Phantas Schloß - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Nachlese zu In Phantas Schloß
Zyklus
Zyklusnummer
Titel
Textanfang An den Augen lasest du mir’s ab
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 79, 80
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 785
Überlieferung T i894/95, Bl. 48f.
Datierung Winter 1894/95
Erstdruck Stuttgarter Ausgabe - Band I
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-05-0015