Der Esel des Buridan oder Die zwei Heubündel/Volltext
Der Esel des Buridan oder Die zwei Heubündel
Des Buridanus Eselstute kennt jeder Böse, jeder Gute. Und jeder, Mann wie Mädchen, weiß, daß sie, vom Wirbel bis zum Steiß verhungert ist, weil kurzerhand sie sich nicht hat entschließen können, von den beiden Bündeln Heu, in deren Mitte sie sich fand, das eine sich zur Speis zu gönnen vorzugsweis, nicht ganz unähnlich noch am Abend da stand nichts als gependelt habend, was sie noch in der Nacht fortsetzte und weiter, bis, wie ich schon sprach, sie tot in sich zusammenbrach.
Dies, wie gesagt, ist völlig klar, man weiß, wer dieser Esel war und wie er, trotz des Heus, das sich ihm anbot, gleichsam doch verblich.
Besagter Esel also, denn, wird, wo er blieb, gewußt, va ben. [Er] ist, so sahen wir, verreckt und sei darum mit Schweigen bedeckt.
Das Heu jedoch, das Heu jedoch, was, Freunde, dünkt euch des Heus? Das Heu ist nicht verreckt, beim Zeus, und viele Esel gibt es noch.
Das Heu liegt heut wie ehedem, liegt links, liegt rechts und höchst bequem für jeden, der ungleich dem Obigen als schlichter Esel zu belobigen.
Fürwahr es gibt nicht viele Gaben, die also kostenlos zu haben. Auf, Eselschaft, drum ohne Scheu zieht aus, zieht aus nach jenem Heu! [...]