Test-Text

Aus CMO

Version vom 24. Dezember 2025, 12:51 Uhr von UweS (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt: „== Zur Textgestalt der Bände I und II == Die Bände I und II enthalten die "ernsten" Gedichte Morgensterns; die humoristische Lyrik wird gesondert in Band III vorgelegt. Diese Gruppierung der Lyrik, so einfach und selbstverständlich sie auf den ersten Blick erscheint, erweist sich bei genauerem Zusehen als ungenau, ja fragwürdig. Was heißt "ernst", was "humoristisch", was ist mit diesen Begriffen gemeint? Sind sie Gegensätze? Ist der Gegensatz zu ern…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Zur Textgestalt der Bände I und II

Die Bände I und II enthalten die "ernsten" Gedichte Morgensterns; die humoristische Lyrik wird gesondert in Band III vorgelegt. Diese Gruppierung der Lyrik, so einfach und selbstverständlich sie auf den ersten Blick erscheint, erweist sich bei genauerem Zusehen als ungenau, ja fragwürdig. Was heißt "ernst", was "humoristisch", was ist mit diesen Begriffen gemeint? Sind sie Gegensätze? Ist der Gegensatz zu ernst nicht unernst, womit wir gern etwas wie "verspielt" meinen? Betrachten wir aber "heiter" als Gegenbegriff von "ernst", dann sind damit vor allem des Dichters Kindergedichte zu erfassen. die in unserer Ausgabe wiederum gesondert zusammengefaßt erscheinen (Abt. Humoristische Lyrik).

Nun ist Morgenstern selbst bei der Anordnung seiner Gedichtbücher in bezug auf formale (und inhaltliche) Gruppierung freizügig verfahren. Er hat beispielsweise in ein schon durch seinen Titel als "ernst" ausgewiesenes Buch wie Melancholie auch ein Kindergedicht und Walthers "Unter der Linden" aufgenommen. Auf vielen Wegen enthält drei Kindergedichte und (in der Ausgabe von 1911) das Gedicht vom Vergessenen Donner, das stilistisch in den Umkreis der Galgenlieder gehört.

Vor allem aber ist Morgensterns Doppelbegabung für "ernst" und "heiter" so tief in seinem Wesen verwurzelt, daß sich in seiner Lyrik die Übergänge zwischen beiden Bereichen als fließend erweisen. Es gibt einen Grenzbereich, eine "Zwischenzone" (Gumtau), wo sich die Grenzen verwischen und die Entscheidung für "ernst" oder "heiter" schwerfällt. Dann ist von Fall zu Fall entschieden worden, ob das Gedicht der ernsten oder der humoristischen Lyrik zugeteilt werden soll.

Bei der Sichtung und Auswertung des Nachlasses war die Aufgabe zunächst die Feststellung und Sicherung des Textes. Bei dieser Arbeit ergab sich, daß Margareta Morgenstern bei der Herausgabe bisher ungedruckter Nachlaßgedichte sehr sorglos verfahren ist und mit dem Wortlaut des Dichters recht freizügig umging. Sie hat einzelne Wörter ausgewechselt, Zeilen vertauscht. Titel erfunden, ja aus größeren Fragmenten Gedichte, die Morgenstern so gar nicht geschrieben hat, kompiliert. Alle diese willkürlichen Eingriffe galt es zu beseitigen. (Nachweise finden sich jeweils im Kommentarteil.) Grundsatz für unsere Ausgabe war, den Wortlaut der Dichtung so einwandfrei wie möglich wiederherzustellen. Sie soll Morgensterns Worte in ihrer ursprünglichen und endgültigen, d. h. aber in der vom Dichter gewollten Gestalt aufbewahren. Das bedeutet aber in jedem Fall ein Zurückgreifen auf den letzten, vom Dichter autorisierten Wortlaut. Wir bringen daher alle Bücher, die Morgenstern selbst publiziert hat. im Text der letzten von ihm besorgten Auflage sowie die Veröffentlichungen in Zeitschriften und Zeitungen, soweit sie noch erreichbar waren. Sodann mußten alle von Margareta Μ herausgegebenen Nachlaßbände wieder aufgelöst und ihre Texte soweit nötig und möglich berichtigt bzw. an die ihnen zustehenden Orte verwiesen werden. Deshalb erscheint hier weder das Buch Ein Kranz noch das Buch Zeit und Ewigkeit noch der an sich wichtige Nachlaßband Mensch Wanderer, obwohl kein Wort daraus verloren gegangen ist. (Dasselbe gilt auch außerhalb des Stoffbereichs dieses Bandes für die Nachlaßbände Klein-Irmchen und Die Schallmühle und den Ergänzungsband Der Sämann u. a. Auswahlen. ) Eine Ausnahme von diesem Grundsatz wurde insofern gemacht, als die von Morgenstern 1911 aus den beiden Büchern Auf vielen Wegen und Ich und die Welt unter dem Titel des ersten Buches herausgegebene Auswahl nicht, dagegen die beiden Bücher in ursprünglicher Gestalt abgedruckt werden, andernfalls wären die von Morgenstern in der Auswahl weggelassenen, aber einmal von ihm veröffentlichten Gedichte in unserer Ausgabe an eine falsche Stelle geraten.

Und schließlich war aus der fast unüberschaubaren Menge der Fragmente und Entwürfe eine Auswahl zu treffen, um den Bestand an gültiger Lyrik Morgensterns nach Möglichkeit zu vergrößern. Auswahl: das bedingt selbstverständlich verantwortliche Entscheidung des jeweiligen Herausgebers. Für den vorliegenden Band waren weitgehend ästhetische Maßstäbe bestimmend, sofern nicht vorrangig Beispiele für bestimmte Denkweisen und Lebensphasen gegeben werden sollten.

Auch die Anordnung der Nachlaßtexte mußte, da keinerlei Richtlinien des Dichters vorliegen, vom Herausgeber entschieden und verantwortet werden. Grundsatz war die chronologische Abfolge, sodann eine Gruppierung (Bücher. Einzelwerke, Themenkreise), innerhalb dieser wieder die zeitliche Reihung. Zur Frage der Anordnung eine Bemerkung Morgensterns (T 1906, Bl. 75): Man kann Gedichte auf zweierlei Weise ordnen: nach gewissen einheitlichen Gesichtspunkten und nach der Zeit ihrer Entstehung. Die chronologische Art würde den Verfasser allein zu seinem Rechte kommen lassen, den Leser jedoch ermüden und verwirren, ich habe deshalb meist den Ausweg gewählt, die Stücke in gewisse Abschnitte zu verteilen und das zeitliche Moment zwar zu berücksichtigen aber doch an die zweite Stelle treten zu lassen. Wir folgen Morgensterns Vorliebe für zyklische Gruppierung. Zugehörigkeit eines Gedichtes zu einer thematisch bestimmten Gruppe hat den Vorrang vor der Chronologie. Die Masse des Nachlasses folgt nicht als zusammenhängender Nachtrag, vielmehr wurden einzelne Gedichtgruppen dort zugeteilt und angefügt, wo sie von der Entstehung her inhaltlich hingehörten. Das heißt etwa: Auf Phanta folgt die Gruppe Gedichte des PuANTA-Kreises, auf Ein Sommer die des SoMMER-Kreises. In der nächsten Abteilung stehen die Zyklen und größeren epischen Gesänge, und dann erst folgen die "Gedichte aus dem Nachlaß", die anders nicht unterzubringen waren. Auch in ihnen herrscht eine chronologische Ordnung, soweit sie herstellbar war.