Kosmogonie (Mondlose Sternennacht)
Ihr ratet nicht, wie die Welt geworden.
Ist’s einer Gottheit Blut,
verspritzt?
Sind’s hunderttausend Menschenaugen,
5gespiegelt,
oder ein dunkler Teppich, drauf
irgendeine fleißige Göttin mit
Kreuzstichen in gelber und roter
Seide gestickt hat.
10Oder Perlen - tagüber in Wolkenmuscheln gebettet...
Oder die von der Menschheit glühenden Gedankenpfeilen
durchlöcherten Kerkerwände menschlichen Erkennens?
Mondlose Nacht um mich. Aus tausend Augen
betrachtet blinzelnd mich die Ewigkeit,
15ironisch zwinkernd, gleich als wollte sie
mir spöttisch sagen: "Mich errätst du nicht!"
Nun denn! So will ich mehr als dich erraten:
- Du bist ein Weib, und Weiber rät man leicht,
durchdrang man erst den Nimbus, der sie hüllt.
20Wie aber könnt’ ich dies bei dir - du [bricht ab]
| Werkgruppe | Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zu In Phantas Schloß |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Kosmogonie (Mondlose Sternennacht) |
| Textanfang | Ihr ratet nicht |
| Zitiert aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 67 |
| Kommentar aus | SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 780 |
| Überlieferung | T 1894 I, B1.24f. |
| Datierung | vermutlich August 1894 |
| Erstdruck | Stuttgarter Ausgabe - Band I |
| Gemeinfrei | – |
| Rezeptionen: künstlerisch | – |
| Rezeptionen: wissenschaftlich | – |
| Rezeptionen: Buchausgaben | – |
| Rezeptionen: weiteres | – |
| Kommentar | – |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | LYR-SA-01-05-0005 |