Auf grauem Felsblock sitz’ ich oT/Volltext: Unterschied zwischen den Versionen

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Auf grauem Felsblock sitz’ ich schwermutstumm
Auf grauem Felsblock sitz’ ich schwermutstumm
und laß die Füße in den Abgrund hängen.
und laß die Füße in den Abgrund hängen.
Durch enge Adern stockt das schwere Blut.
Durch enge Adern stockt das schwere Blut,
so daß mir war, als wollte mich die Tiefe
so daß mir war, als wollte mich die Tiefe
im Wirbelsturm in ihren Trichter schlürfen.
im Wirbelsturm in ihren Trichter schlürfen.
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Und lauter flieht aus meiner Seelenharfe
Und lauter flieht aus meiner Seelenharfe
der Lieder Wohlklang, fließt hinüber
der Lieder Wohlklang, fließt hinüber
in jene I larmonien, als küßten sich
in jene Harmonien, als küßten sich
in süßem Wohllaut aufgelöste Seelen.
in süßem Wohllaut aufgelöste Seelen.


Sie öffnet sich, wie sich ein Mädchenmund
Sie öffnet sich, wie sich ein Mädchenmund
halb unbewußt zu fremdem Lächeln öffnet,
halb unbewußt zu fremdem Lächeln öffnet,
so zag und langsam. Silberne Gewebe 35
so zag und langsam. Silberne Gewebe
erschimmern hell und tauchen über Bord.
erschimmern hell und tauchen über Bord.
Ein weißer Arm ergreift das Muscheldach
Ein weißer Arm ergreift das Muscheldach
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Herrlich Weib,
Herrlich Weib,
Ich ring' um dich mit meiner großen Sehnsucht,
Ich ring' um dich mit meiner großen Sehnsucht,
mit meiner Flammenhebe saug’ ich auf
mit meiner Flammenliebe saug’ ich auf
den See der Trauer, drauf du freudlos treibst.
den See der Trauer, drauf du freudlos treibst.
Mit meinen Schöpferarmen faß ich dich
Mit meinen Schöpferarmen faß ich dich

Aktuelle Version vom 25. Februar 2026, 10:37 Uhr

Auf grauem Felsblock sitz’ ich schwermutstumm und laß die Füße in den Abgrund hängen. Durch enge Adern stockt das schwere Blut, so daß mir war, als wollte mich die Tiefe im Wirbelsturm in ihren Trichter schlürfen. Beklommen irrt mein Auge durch den Raum und bleibt an einer fernen Wolke haften, die immer ferner, immer ferner zieht, bis sie zuletzt, am Horizont zerrinnend, als ob ein unsichtbarer Kamm sie strähle, ihr Regenhaar zur Erde fallen läßt. Oh Wolke - heut’ ein Gleichnis meines Geistes, der müden Flugs dahin am Himmel streift, um endlich seine Sehnsucht auszuweinen, sein banges Leid, das Tal und Dunkel sucht! Laß mich die Stirn auf deine Kälte legen, einsamer Fels! Mein geistig Auge bohrt sich in dich ein. Du sprichst zu mir. Ich schaue eine Grotte, auf deren Grund ein regungsloser Teich. Mich selber seh an seiner Flut ich liegen, und meine Lippe lockt mit leisen Liedern. Da zittert rings in ahnungsvolle Kreise der Spiegel auseinander - lautlos hebt sich eine scheu geschloßne Muschel aus den Wassern - und ein feines Klingen weht aus ihrem Innern und erfüllt die Höhle wie mit bedrückend weichem Duft. Und lauter flieht aus meiner Seelenharfe der Lieder Wohlklang, fließt hinüber in jene Harmonien, als küßten sich in süßem Wohllaut aufgelöste Seelen.

Sie öffnet sich, wie sich ein Mädchenmund halb unbewußt zu fremdem Lächeln öffnet, so zag und langsam. Silberne Gewebe erschimmern hell und tauchen über Bord. Ein weißer Arm ergreift das Muscheldach und biegt’s empor wie einen Baldachin. Dann wieder rundet der gereckte sich und legt sich unter ein gelocktes Haupt, daraus ein traurig träumend Augenpaar den Klängen nachhängt, die wie tiefes Klagen aus wunder, abgrunddunkler Seele ziehn. Der Schwermut Weise weint von diesen Lippen. In Sängen, wie sie schlichtes Volk erfand, von Lieb und Treu, Entsagen und Verlieren, von seltner Lust und ewig treuer Qual -

Uralte Melodien, darein der Mensch die Tragik seines Erdenwallens schloß. Ich strecke flehend fast die Hände aus -: Oh könnt ich dich zu meinen Höhen tragen, du Weib, das Chaos noch in seinem Herzen, noch ungehobne Horte in sich trägt, aus dessen Nacht ich Sonnen rufen wollte und dessen Winter ich zu neuen Lenzen zu treiben mich getraute! Herrlich Weib, Ich ring' um dich mit meiner großen Sehnsucht, mit meiner Flammenliebe saug’ ich auf den See der Trauer, drauf du freudlos treibst. Mit meinen Schöpferarmen faß ich dich und flüchte dich nach seliger Gefilde, nach meiner Inseln stillem, großem Glück.

Oh komm! Ich bin emporgesprungen. Achtlos, als müßten mich die Wasser tragen, tret’ ich auf ihren Rücken - plätschernd zuckt die Flut. Ein Schauder läuft den ganzen See hindurch, und lautlos sinkt hinunter in sein Grab der stummen Fläche trauriges Geheimnis. Ihm nach! Nur ein Gedanke bannt das Hirn: "Ihm nach!" Mit jedem Schritt umsteigt es mich, schon kosen mir die Wellen um die Brust, wollüstig-grausam kost ich den Moment, bevor das Naß den Odem mir erstickt. Ein Schritt noch - und Oh Leben! Ein Adler rauscht mit breitem Schwingenschlage zu Häupten mir. Vom kalten Stein erhebe den wirren Kopf ich. Hastig aber schließt das Aug’ sich wieder: denn mein Körper hängt vom Rand halb abgeglitten ob dem Abgrund. Vorsichtig zieh ich mich hinauf. (Tiefatmend zog die dünne Luft ich ein. In klarer Bläue wölbte sich der Äther. Und meine kranke Seele trank Genesung sich aus den Brüsten der Unendlichkeit.)

Mir aber löst sich aus bewegter Brust der Sang vom Königskind, das ich im Traum geschaut und nicht erreicht - sie blickt mich lauschend an, wie Feuer huscht es über ihrer Blicke starren Glanz. Ergriffen beugt sie sich nach vorn und lauscht und lauscht...