Himmel, Erde und Meer…: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 23. Dezember 2025, 14:51 Uhr

Eine Rhapsodie

Hört, was ich träumte!

Himmel, Erde und Meer
spielten Hasard.

In den Fischerhütten
5 glomm verlorener Lichtschein...
Hier und dort
sang eine Mutter ihr Kind in Schlaf...
Nicht lange - da waren
die letzten Bettdecken
10 über die letzten Nasen gezogen.
Ich aber
schlug den getreuen Mantel um -
und im prasselnden Regen
schritt ich das dunkle Dorf hinab
15 dem Meere zu.
Und ich liebte den großen Zorn der Natur.
Empor klomm ich das Strandkliff,
dran sich prankend
die Brandung hinaufwarf.
20 An einen alten Zaun geklammert,
lauscht’ ich und späht’ ich ins tobende Chaos.

Himmel, Erde und Meer
spielten Hasard-:
"Herz-As!"
25 Schwoll’s hohl aus anrollender Flut,
und ein langer Schaum-Arm
schleppte aufs bleiche Gestade
ein junges ertrunkenes Blut,
ein Weib, noch rosig und lebenswarm.

30 Aber der Himmel in heller Wut
hob seine Blitzes-Hand,
und nahe dem Strand
riß einen Eichbaum er aus
und schmetterte ihn mit Sturm-Fingern
35 zur Jungfrau auf den nassen Sand,
und aus hohnlachenden Donnern scholl es mit tiefsten Baß:
"Treff-As!"
Da spliß drüber dem Kliff die Brust -
40 und von Blöcken und Schollen ein wirbelnder Wust,
brach’s, die Nacht mit Krachen durchbrüllend.
Luft und Strand und Brandung
mit Erde füllend,
nieder mit Sausen und Dröhnen -
45 und dumpf
schlitterte es empor:
"Trumpf!"

Ich lag am Boden,
die Augen geschlossen,
50 die Brust erstickt,
und rang nach Atem.
Aufwankend endlich
sah ich:
das Spiel war zu Ende.
Und der Himmel wischte den Schweiß sich ab,
55 daß er in langen Streifen herniederlroff,
und das Meer schlug sich den Busen
mit vorwurfsvollen Wellenhänden,
und die Erde haderte ächzend mit sich,
schüttelte, sträubte verstört ihr Wälderhaar...
60 Schüchtern schielte durch Wolkenfetzen der Mond;
und als er mich sah,
erschien er ganz
und begrüßte mich achselzuckend -
und achselzuckend deutete er
65 auf das dunkle Chaos am Strande.
Und schaudernd schaut’ ich
aus einer Lawine
Äste starren
und eine weiße Hand
70 stumm winken.

Und wir nickten uns zu,
der Mond und ich...
Hier lagen die Karten,
hier übertrumpfte die Erde
75 das Meer und den Himmel!


Lyrik | Nachlese zu In Phantas Schloß
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Epilog-Fragmente: Auf Höhen mußt’ ich steigen oT | Die Ferne ist es nicht oT | Ich versuche ein Höchstes oT | Die Strafe war hart oT | Strafe war hart für den Vorwitz oT | Willst du mich nun entzaubern oT | Endsegen Phantas
Epilog I | Epilog II | Ad Phantas Schloß
Zur Textgestalt der Stuttgarter Ausgabe | In Phantas Schloß - Eine Einführung


Werkgruppe Lyrik
Werkbereich Nachlese zu In Phantas Schloß
Zyklus
Zyklusnummer
Titel Himmel, Erde und Meer…
Textanfang Hört, was ich träumte
Zitiert aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 103, 104, 105
Kommentar aus SA Band I Lyrik 1887-1905, S. 795, 796, 797, 798, 799, 800, 801
Überlieferung handschriftlich auflosen Blättern
Datierung 1893
Erstdruck SA Band I Lyrik 1887-1905
Gemeinfrei ja
Rezeptionen: künstlerisch
Rezeptionen: wissenschaftlich
Rezeptionen: Buchausgaben
Rezeptionen: weiteres
Kommentar
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID LYR-SA-01-02-0034